Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 41 (25.5.1899)
- Date
- 1899-05-25
- Page
- Seite 780 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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780 und zwanzig Jahre sein". Wir veriveisen hier nur auf Talmud Sanhedrin 1071», Targum (siehe n:\nj nA) und ibn Esra, um den Vorzug der vielgeschmähten Uebersetzung der orthod. Bibelanftalt und der allerdings auch von Herrn Wohlgemuth anerkannten Mendelsohn'schen Uebersetzung hervorzuheben. Kap. 14, 13: L'bsn „ein Flüchtling". Weshalb fteht denn hier der Artikel n, fragen wir die Herren Uebersetzer ¥ Er dürfte wohl die Erklärung bir, bv in r- (siehe r'B^ zur Stelle) veranlaßt haben, weshalb auch die verdorbene Uebersetzung der orthod. Bibelanstalt ganz richtig „der Flüchtling" übersetzt. Kap. 16,13: in 'jvki dct „habe ich denn auch hier mich umgesehen nach einem, der mich sehen würde". Wahrlich sehr geistreich und für Kinder sehr verständlich! Man vergleiche zu dieser Stelle ibn Esra, Mendelsohn und Uebers. der orthod. Bibelanstalt. Doch genug für heute! Diese wenigen Pröbchen genügen, um zu zeigen, daß es den Herren Wohlgemuth-Bleichrode keineswegs gelungen ist, etwas Befferes an Stelle der altbewährten Uebersetzungen von Zunz und der orthod. Bibelanftalt zu setzen. Aus pädagogischen, inhaltlichen und sprachlichen Rücksichten und aus Rücksicht auf die Ehre i:r.Tn tzv» ntmpn, möchten wir daher rathen, nicht eher diese letzterwähnten Uebersetzungen außer Kurs zu setzen, bis wirklich etwas Befferes geboten wird. Dann sagen auch wir, „Das Bessere ist der Feind des Guten". Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M., 19. Mai. Der erste Bericht der jüdischen Haushaltungsschule ist erschienen. Als Zweck der Anstalt wird Folgendes berichtet: Die jüdische Haushaltungsschule zu Frankfurt a. M. sucht den häufigen sozialen und sittlichen Uebelständen in den unbemittelten jüdischen Volksklaffen durch eine gediegene hauswirthschaftliche Erziehung der weiblichen Jugend, und in weiterer Folge durch die Pflege des jüdischen Dienstbotenthums zu steuern. Zur Erreichung dieses Zwecks bemüht sie sich, jüdische Mädchen in allen hauswirthschaftlichen Zweigen so auszubilden, daß sie Kraft des Erlernten zunächst erwerbsfähig werden, und weiter als zukünftige Ehefrauen des kleinen Mannes ihren Haushalt mit geringen Mitteln vernünftig und sparsam zu leiten verstehen." Da die Erwerbsfähigkeit am leichtesten durch Annahme einer Stelle als Köchin erzielt jwird, so müssen zunächst solche Mädchen berücksichtigt werden, die sich diesem Berufe widmen wollen. Ist es dock gerade diese Stellung, die für die unbemittelten Mädchen als die in pekuniärer und moralischer Beziehung gesichertste erscheint und ihnen auch bei guter Führung am ersten Aussicht auf ehrenhafte Versorgung bietet. Freilich nicht jedes Mädchen ist für eine dienende Stellung geeignet. Die Anstalt will aber auch für die alleinstehenden Mädchen anderer Berufe Gutes leisten und hat deßhalb mit ihrer Schule ein Mädchen heim verbunden, das ihnen vortreffliche Unterkunft und Verpflegung und moralische Ueberwachung in einem streng religiösen Haushalt gewährt, und sie gibt weiter guten und kräftigen Mittagstisch an alleinstehende Damen. Schon seit mehreren Jahren hatte der „Israelitische Hilfsverein" dahier junge Mädchen zu Köchinnen ausbilden lassen; allein dies sehr dankenswerthe Vorgehen konnte doch nur wenigen zu gut kommen. Es thaten sich daher eine Anzahl von Herren und Damen zusaminen, erließen einen Aufruf zu Gunsten der Errichtung einer Haushaltungsschule (April 1897) und fanden soviel Zustimmung und Unterstützung, daß am 1. Okt. 18;>7 die Anstalt im Centrum der Stadt, Tönqesgasse 40, eröffnet werden konnte. Die Zahl der Zöglinge ist auf 12 normirt. Der Kursus ist halbjährig und kostet einschließlich Kost und Logis M. 120; gelehrt wird Kochen, Nähen, Flicken, Putzen, Waschen, Einmacken u. s. w. Bis zum 1. Okt. 1898 haben 26 Zöglinge die Anstalt besucht, davon sind 3 vorzeitig ausgetreten, 5 konnten häuslicher Verhältnisse wegen keine Stelle annehmen, 18 sind theilweise hier, theilweise auswärts in Stellung gegangen. Die Zahl der Pensionärinnen, welche 45 M. per Monat zahlen, hat sich von 4 auf 10 erhöht, die Zahl der Tischgäste, die 18 M. per Monat für Mittagskost zu zahlen haben, von 4 auf J5. Für Ostern 1899 war die Anstellung einer theoretisch und praktisch durchgebildeten Haushaltungslehrerin, neben der Hausmutter, in Aussicht g» nommen. Zum Gründungsfonds gingen M. 23,760 ein. an Geschenken vom 1. Okt. 1897 bis 1. Okt. 1898 M. 1662, wozu noch Einrichtungsgegenstände in großer Menge kommen. Die Mitgliederbeiträge belaufen sich auf M. 2300. Für die Haushaltung wurden ausgegeben M. 6342, für Miethe M. 2000, für Steuern, Versicherung, Gehalte u. s. w. M. 1424, im Ganzen betrugen die Ausgaben M. 10,925. Die Schülerinnen zahlten M. 3000 Honorar. Die Pensionärinnen M. 2947, die Abonnentinnen M. 995. — Bemerkenswerth ist, daß sämmtliche Schülerinnen von auswärts kommen; keine einzige aus Frankfurt a. M. selbst. Vorsitzender des Vereins ist Alfred Geiger, zweite Vorsitzende Frau Emma Mainz.