Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 41 (25.5.1899)
- Date
- 1899-05-25
- Page
- Seite 773 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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778 Bonn, 17. Mai. Der „General-Anzeiger" für Bonn und Umgegend, 2. Blatt Seite 3334 vom heutigen Datum, enthält die nachfolgende Anzeige: Thier qu älerei in Siegburg. Wir kamen am Montag den 15. Mai gegen 11 Uhr zu drei Herren am Schlachthause Siegburg vorbei und sahen, wie ein noch Lebenszeichen von sich abgebendes Schwein mit einem Haken unter dem Hals aufgehakt und an der Winde hochgezogen wurde; dann wurde das Thier über einen Bottich mit heißem Wasser geschoben und mit diesem siedenden Wasser beschüttet. Das Thier krümmte sich wie ein Wurm. Als ich sagte, das Thier lebe ja noch, ließen die Metzger es in den Bottich von heißem Wasser hereinfallen; man sah, wie daS Thier schwamm und sich krümmte. Schaudern erregte in uns diese Handlung, so daß wir unS über diese derartige Rohheit nicht fassen konnten. Scheußlich ist eS, daß solche Rohheiten in Städtischen iL-chlachthäusern Vorkommen. (Diese Angaben werden erforderlichenfalls durch Zeugen bekräftigt.) Ob wohl Herr Liebermann von Sonnenberg demnächst im Reichstage die Abstellung derartiger Mißbräuche in Städtischen Schlachthäusern beantragen wird? Wir bezweifeln es. Neckarbischofsheim, 18. Mai. im nh L-b n\-m cnram! Am ersten Xaqe des Wochenfestes feierte die hiesige jüdische Gemeinde das fünfzigjährige Bcstehen ihrer Synagoge. In trefflichen Worten schilderte Herr Lehrer Niedermann die Bedeutung des Tages als urrwi \po sm, darauf hinweisend, wie dieser Tag am Sinai für ganz Israel die Errichtung des Glaubenstempels brachte und wie die Festesfreude für unsere Gemeinde noch erhöht wird in dem Gedanken an die vor 50 Jahren erfolgte Einweihung unserer Synagoge. Vieles lehrt ein Rückblick auf die vergangenen 50 Jahre. In bewegte Zeitverhältnisse fiel die Errichtung unseres Gotteshauses. Auch im Judenthnm haben jene Jahre schwere, innere Kämpfe und tiefen Gegensätze hervorgerufen, Ereignisie, die auch an unserer Gemeinde nicht spurlos vorübergingen. Unsere Synagoge aber, das dürfen wir uns heute mit innigem Danke gegen Gott freuen, ist unberührt geblieben von allen jenen Modekrankheiten dieser Zeitperiode, in ihr waltet noch das traditionelle, unverfälschte Judenthum. Will's Gott, wird es auch für die Folge unserer Gemeinde so bleiben. Nohrnou, Großh. Baden, 1. Mai. Ueber eine von ihm construirte Schlachtmaschine schreibt Herr Albert Währer, Ingenieur, dahier: Die Vorbereitungen zum Schächten der Thiere sind, weil dieselben mittelst Stricken auf den Boden geworfen und umgedreht werden müffen, als eine unnöthige Thierquälerei anzusehen und sollte Abhilfe geschaffen werden, was auch leicht geschehen könnte. Nehmen wir einmal an, an der Decke des Schlachthauses befinde sich eine etwa 3 m lange und 60 ctm dicke Walze, die sich um zwei Zapfen drehen kann. Ueber diese Walze laufen drei breite Gurten oder Riemen, unter diese Walzt wird nun das Schlachtthier gestellt, die Gurten werden zwischen den Beinen des Thieres durchgezogen und mit den anderen Enden verbunden. Nun wird die Walze etwa 30 Ctm. in die Höhe gezogen, das Thier geht, weil in den Gurten hängend, ebenfalls mit in die Höhe und schwebt nun ganz frei und hilflos in der Luft. Durch Drehung der Walze kann das Thier in jede beliebige Lage, also auch in diejenige gebracht werden, die der Schächter für die richtige hält, ohne daß es im geringsten gequält oder beschädigt wird. Auch kann e« auf den Boden oder eine Bank gelegt werden, gerade wie es bequem ist. Ein auf diese Art eingerichtetes Schlachthaus dürfte genügen, alle Reklamationen, die sich auf das Schächten beziehen, ein Ende zu mache« und diese Frage zum Vortheil Aller zu lösen. O esterr.-Un gar. Monarchie. Braitdeis a. E. Ende v. M. starb hier — von dem Leichenbegängnisse seines Vaters heimgekehrt — der k. u. k. Hauptmann, Rechnungsführer und Besitzer der Kriegsmedaille und Jubiläums- Erinnerungs-Medaille, Herr Isidor Spira, nach kurzem Leiden im 48. Lebensjahre. Der Verstorbene, der sich wegen seines biedern und liebenswürdigen Wesens der Sympathien der weitesten Kreise der Bevölkerung erfreute, war in Trebitsch in Mähren geboren und gehörte seit 28 Jahren dem Armeestande an. Gleich nach seinem Hinscheiden wurde von dem löbl. Reg.- Commando dem israelitischen Cultusvorstande von dem Todesfälle die schriftliche Anzeige gemacht und mit liebenswürdiger Bereitwilligkeit der Beerdigungs- Brüderschaft die Concession eingeräumt, ganz nach rituellen Vorschriften bei der Leiche vorzugehen. Das Leichenbegängniß, welches am 20. v. M. um 2 Uhr Nachmittags stattfand, gestaltete sich zu einer großartigen Trauerkundgebung sowohl von Seiten des Regiments als auch der hiesigen Bevölkerung. Das k. u. k. Officierkorps des 7. Dragoner-Regiments mit dem Oberst, Grafen St. Quentin an der Spitze, der hiesige Bürgermeister Kohout mit dem Magistrate, der Cultusvorftand mit dem Vorsteher Herrn Eduard Schulhof, die Beerdigungsbrüderschaft und fast sämmtliche Honorationen der Stadt und Umgebung waren im Trauerhause erschienen. Vor demselben nahmen die sämmtliche hiesige Garnison, sowie zwei Veteranenvereine mit Musikcapellen und Fahnen Aufstellung. Man kann wohl kühn behaupten, daß noch nie in Brandeis eine so solenne und erhebende Leichenfeier stattgefunden habe, wie die des Hauptmanns Spira, der seines biedern Wesens und seiner persönlichen Liebenswürdigkeit wegen von seinen Vor-