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Der Israelit · 1899-05-25 · Heft 41 (25.5.1899) · p. Seite 774

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 41 (25.5.1899)
Date
1899-05-25
Page
Seite 774 (sequence 12)
Language
German
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v,1 '!J jfjjui/J ^4MWW^P^MMMWW 774 gesetzten, Regimentskameraden und Allen die ihn kannten und mit ihm Umgang pflegten, geehrt und geliebt wurde. Möge ihm die Erde leicht werden! Friede seiner Asche! Horrazdiowitz (Ein cassirterAuSweisungSbefehl.) Ein ganz eigentümlicher Fall von Unduldsamkeit und VerfolgungSwuth trug sich kürzlich in unserer Stadt zu. dessen schlimme Folgen nur durch Gerichtsbeschluß von dem Betroffenen abgewendet wurden. Der Fall ist der folgender; Der Glaser Abraham Schwarzkopf aus Langendorf, Vater von 9 unversorgten Kindern, beging in Schüttenhof, wo derselbe ansässig war, ein Vergehen (Beleidigung der katholischen Kirche und deren Institutionen), um deffenlwillen er vom Kreisgerichte Pisek zu dreiwöchentlichem Arreste verurtheilt wurde, einer Strafe, die er auch thatsachlich abgebüßt. Hierauf übersiedelte er mit seiner Familie nach Horazdiowitz. Das Verordneten- Collegium der letzteren Stadt beschloß einstimmig, den Genannten fammt seiner Familie auszuweisen, da er abgestraft fei. Schwarzkopf recucrirte gegen diesen Bescheid an die Bezirkshauptmannschaft Strakonitz, und diese cassirte nun den Ausweisungsbefehl mit folgenden Gründen: Es ist durchaus nicht sichergestellt, daß Abraham Schwarzkopf der öffentlichen Wohlthätigkeit zur Last fiele, ebensowenig, daß er einen unmoralischen Lebenswandel führe. Der Umstand, daß der Genannte abgestraft sei, habe mit seinem jetzigen Wohnorte nichts zu schaffen, da er das bewußte Vergehen in einer anderen Stadt, nämlich in Schüttenhofen, begangen. Frankreich. Paris, 21. Mai. Seit einigen Tagen wird in der französischen Deputirten-Kammer über die Interpellationen, betreffend die allgemeine Politik in Algerien, diskutirt. Aus den bisherigen verworrenen und von politischen Leidenschaften entstellten Debatten heben sich die Auslassungen des ehemaligen Ministers des Innern, Barlhon, der am Montag durch mehrere Stunden sprach, vortheilhaft ab. Barthon, der bei der Mehrheit enthusiastischen Beifall fand, legte dar, daß Algerien an der systematischen Aufreizung zur Zwietracht unter den Bürgern, an der „politischen Industrie", wie er sich ausdrückte, schwer leide. Es sei ein unverzeilicher Fehler gewesen, diesem neuen Lande mit seinen zahllosen, noch nicht amalgamirten Elementen ohne jeden Uebergang die Einrichtungen zu geben, die sich Frankreich erst in hundertjährigen Kämpfen für seine politisch erzogene und fortgeschrittene Bevölkerung errungen hat. Barthon gab die Erklärung ab, daß er zu denen gehört, die auf keinen Fall die Abschaffung des Decrets CrSmieux zulaffen können. Der ehemalige General-Gouverneur Cambon habe ihm im Jahre 1897 die Versicherung gegeben, daß die gesunde und aufgeklärte Mehrheit der Bevölkerung dieser Propaganda gegen das Decret gleichgültig gegenüberstehe. Der ganze Haß gegen die Juden komme daher, daß sie bei den Wahlen einen bedeutenden Factor bilden. Unter all den politischen Hetzereien stecke jedoch etwas ganz Anderes. Man verlange die Massenaustreibung der Juden, die Revision der jüdischen Vermögen. Auf den Zuruf Lassies', daß er diese Forderung unterstütze, forderte Barthon denselben auf, diese These einmal auf der Tribüne der Kammer zu entwickeln. Er würde dann ja sehen, wie die republikanische Mehrheit das aufnehmen würde. Die Antisemiten führen trotz ihrer gegentheiligen Versicherungen einen Racen- und Religionskrieg und erstreben eine Revision oder Rectisicirung der französischen Revolution. Die Kammer müffe daher energisch erklären, daß sie davon nichts wissen wolle, und sich mit aller Kraft gegen die Gewaltthätigkeiten und den Haß und den Bürgerkrieg aussprechen, den die Antisemiten erstreben. MltthelluW« aus de» M. Ameuvereiueu uud für dieselbe«. (Sämmtliche jüd. Wanderbettelvereine nnd Kaffen für Durchreisende sind gebeten, uns Mittheilnngen über Erfahrungen, die fie auf dem Gebiete ihrer Thütigkeit machen, zukommen zu taffen.) Bezugnehmend auf den von Herrn Lehrer D. Rosenwald in Rodalben in voriger Nummer des „Israelit" veröffentlichten Artikel, wonach ein Schwindler unter Namenswechslung vorzugsweise die Gegenden am Rhein bereift und sich als Chasan und Schochet ausgibt, habe auch ich auf diesem Gebiete Erfahrungen gemacht. Der Betreffende, der unter dem Namen Levi am vergangenen Freitag hier erschien, machte dieselben Vorspiegelungen wie in Bayern, daß seine Frau sehr leidend wäre und ihm ein Knabe in der Eisenbahn infolge einer Luftröhrenentzündung urplötzlich verstorben sei. Er gibt an, ein Badenser (geb. in Kippenheim) zu sein, ist aber der Aussprache nach ein Ruffe. Auffallend ist besonders, daß er hier keinen Ring trug. Ueber Schowuos soll er in Fulda gewesen sein, und meine Eltern hätten ihm Grüße aufgetragen und ihn zur Unterstützung hierhergesandt. Wohl war er über nun* in genannter Gemeinde, es war aber an ihn weder ein Auftrag ergangen, noch war er hierhergesandt worden. Eigenthümlich ist noch, daß er sich in Fulda als unverheirathet ausgegeben hatte. Er gab weiter an, er wäre auch Lehrer, könnte aber in keiner Gemeinde engagiert werden, weil er nicht seminaristisch gebildet sei. Als Schochet und Chasan hätte er schon in der Schweiz, Sachsen rc. gestanden, doch infolge des Schächtverbots

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