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Der Israelit · 1899-05-25 · Heft 41 (25.5.1899) · p. Seite 771

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 41 (25.5.1899)
Date
1899-05-25
Page
Seite 771 (sequence 9)
Language
German
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UWMWWWWMfWMV^MW^W^ W.f J ***r>-« XX. Jahrgang. Erste Beilage M 41 -es „Israelit-. Leitend«» Artikel. Wiener Briefe. Wien, 21. Mai. I. Wir haben hier eine der größten orthodoxen Gemeinden der Welt. Draußen im Reich weiß man so wenig davon, wie in Oesterreich selbst und sogar den meisten frommen Jehudim in Wien ist diese doch gewiß hocherfreuliche Thatsache unbekannt. Wenn wir jedoch sagen, daß Wien ungefähr zwölf Myriaden Juden zählt und dabei behaupten, daß von dieser Zahl mindestens ein Viertel, also dreißigtausend, als streng fromm zu bezeichnen sind, so wird kein Kenner der hiesigen Verhältnisse uns widersprechen können. Warum man so wenig von der Existenz dieser Wiener orthodoxen Großgemeinde weiß? Weil — diese Großgemeinde wenig leistet. Und warum geschieht hier denn nur gar Geringes, trotz der flammenden Begeisterung, trotz der muthigen Ueberzeugungstreue so mancher hochgestellter, hochgelehrter und hochbegabter Männer. Weil — nun weil diese an Zahl und den Köpfen nach so leistungsfähige Menge zufällig nicht in derselben Stadt geboren ist, aus einer Anzahl verschiedener Städte und Flecken stammt, ja aus den verschiedensten Ländern unseres länderreichen Vaterlands rekrutirt und weil sie alle aus ihren unterschiedlichen Geburtsftätten, unterschiedliche Neigungen, Gewohnheiten und Wünsche mit nach Wien bringen, und obgleich ein Jeder zu den größten Opfern für Erhaltung von nsrnpn urvrn bereit ist, nur Wenige es über sich gewinnen, die Frömmigkeit und Klugheit Anderer voll anzuerkennen, ein Jeder insro To ist und durch Mißtrauen und einen unglückseligen Partikularismus das Seine dazu beiträgt, daß die nw* in Wien sich nicht finden können. Die offiziellen Gemeindesynagogen in Wien haben ein gut Theil Reformen eingeführt und was noch schlimmer ist, an ihrer Spitze stehen Prediger und Rabbiner, denen man in Bezug auf .tot kein Vertrauen schenken kaun. Die Gesetzestreuen zogen sich in Privatbethäuser zurück, sie glaubten wohl den Schriftvers auf sich anwenden zu sollen.- ttto >o w -\b cyt H33?’ "U? Ö3H33 -N “pjQ T);o 1 „Geh mein Volk, komm in deine Gemächer und schließe die Thüre hinter Dir ab, verbirg Dich einen kurzen Augenblick, bis der Grimm vorüber gegangen ist." Man flüchtete sich beim Aufkommen der Reform nicht in eine große Religionsgesellschaft, man suchte nur möglichst nahe bei der Wohnung ein Zimmer zu finden, das sich als Bet- oder Lehrhaus einrichten ließ, oder auch schon eingerichtet war, schloß vorsorglich die Thür fest ab, daß man ja in keine Verbindung mit den anderen Zufluchtsstätten der käme und wartete nicht nur einen kleinen Augenblick, bis das Unheil sich verzogen haben würde, sondern man harrt in dieser Jsolirung geduldig, jetzt schon dreißig Jahre und das Unheil dauert fort und wächst ungehemmt in beängstigender Weise diese drei Dezenien hindurch, weil Diejenigen, die eS bannen könnten, sich ängstlich in ihre Bethäuser einschließen und sich von ihren Mitstreitern abgesondert und entfernt halten. Durch den Glanz, der vom Namen Rabbi Salomo Spitzers auSgeht, weiß man außerhalb unserer Kaiserstadt viel von der Schiffschul und glaubt, diese große Synagoge sei der Centralpunkt der Gesetzestreuen Wiens. Wer aus der Fremde hierherkommt, merkt freilich bald, daß trotz der Weite der von einer andächtigen Menge dichtgefüllten Räume diese Synagoge nur eine sehr große Bezirkssynagoge ist und ihre segensreich wirkenden Institutionen, welche von hervorragenden Talmide Chachomim geleitet werden, ihre Wohlthaten doch in erster Linie nur den Anwohnern spenden und weit davon entfernt sind, das ganze Gebiet von Wien zu umspannen oder auch nur in ihrem jetzigen Zustand für das Bedürfnis des gesetzestreuen Judenthums von Gesammtwien ausreichend zu sein. Zur Zeit, als die Reformen in den Synagogen der Kultusgemeinde eingeführt wurden, wohnte die Majorität der Gesetzestreuen im Umkreis der Schiffschul und eine Zeit lang war die Schiffschul doch eine Art Repräsentanz des gesammten gesetzestreuen Judenthums in Wien. Man hätte nun erwarten sollen, daß im Laufe der Zeit die neu eröffneten gesetzestreuen Bethäuser und auch die schon früher bestehenden in eine organische Verbindung mit der Schiffschul treten würden. Durch beklagenswerihe Uneinigkeit ist dieses nicht geschehen. Heute noch ist eS Zeit, das Versäumte gutzumachen, wenn die kleinen Bethäuser sich entschließen, sich mit der Schiffschul zu verbinden und diesem bei weitem größte Bethaus neidlos in dieser Verbindung die führende Stelle einzuräumen. Bor einigen Wochen wurde ein Versuch gemacht, die zerstreuten Elemente des gesetzeslreuen Jadenthumr in Wien durch Gründung einer „Freien Vereinigung zur Wahrung der Jntereffen des orthodoxen Jusenthums* zu sammeln. Die Nächstliegenden großen Aufgaben einer solchen Vereinigung wären die Einrichtung einer zuverlässigen Schechita für alle Bezirke

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