Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 41 (25.5.1899)
- Date
- 1899-05-25
- Page
- Seite 770 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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770 Mußte. „Feist wird schon wieder mit sich reden lasten", dachte er sich. Aber es kam anders. „Das weißt Du?" schrie Feist, außer sich vor Aufregung, „also Du machst Dir daraus gar nichts? Demnach stimmst Du mit den Anschauungen dieses Menschen überein! Die Folgen habe ich ja nun schon am eigenen Leibe erlebt. Ich verkehre seit vielen Jahren mit Dir wie der Bruder mit dem Bruder, kein ernstlicher Zwist hat je dieses schöne Verhältnis getrübt. Und nun, nun macht sich bei Dir solch ein Mensch — den Namen verdient er nicht mal — solch ein Unmensch breit und empfängt mich in Deiner Wohnung mit einem ellenlangen Plakat: „Hinaus mit dem Juden!" Ja, hinaus mit dem Juden! Er hat Recht! I ch g e h e von Dir, aber Du wirft an mich denken!" Damit stürmte er davon. Seligmann Feist war im Ganzen eine gelassene, geduldige Natur; ihn konnte nicht leicht einer in Zorn bringen. Aber jetzt, wo er baä Heiligste, das er in sich trug, sein Freundschaftsgefühl im Verein mit seinem Judenthum auf so schändliche Weise in den Koth gezerrt und mit Füßen getreten sah — jetzt war der Eifer in ihm erwacht und war — wer hätte mit ihm darüber rechten dürfen — in Uebereifer ausgeartet- Noch in derselben Stunde machte Feist den Seinigen von dem Vorgesallenen Mittheiluna und gab ihnen strengste Weisung, selbst jede Annäherung an Wegner, von nun an entschieden zu meiden, und sie, wenn er selber sie wieder suchen sollte, eben so entschieden zurückzuweisen. Robert Wegner sollte für Seligmann Feist und seine Familie als abgethan gelten. Der Holzhändler hatte sich plötzlich in dem kleinen Gemach allein gesehen. Mit steigender Angst war er Feift's Rede gefolgt. Er hatte wohl ein paar abwehrende Bewegungen gemacht, die das Mißverständniß, welches bei dem Vorfall immerhin obwaltete, ausdrücken sollten. Aber der andere in seinem zornigen Eifer hatte nichts davon beachtet. Jetzt dröhnte f. in letztes Wort wie ein Echo in Wegners Ohren: „Du wirst an mich denken —!" „Gewiß werd' ich an ihn denken", brummte er vor sich hin, „aber anders als er meint. Hätt' er mich nur zu Worte kommen lassen. Hätt' ihm ja alles aufgeklärt! „Aber so —! Ra — er wird schon wiederkommen — er ist an Brod gewöhnt —" Unter solchen, im Grunde recht wohlgemeinten Erwägungen ließ Wegner etwa eine Woche verstreichen. Während dieser Zeit hatte er Niemand von Feift's zu Gesicht bekommen, sie wichen ihm aus. Er hielt es zuerst für Zufall, allmählich aber machte es ihn bedenklich und er beschloß, selbst die Hand zur Versöhnung zu bieten. Sie wurde zurückgewiesen. Für solchen Bruch gibt es keine Heilung: das war Feift's Ueberzeugung. Wegner erhoffte die Heilung nun von der größten Heilkünstlerin, der Zeit, und ging wieder ruhig, wenn auch in empfindlicher Einsamkeit, seinen Geschäften nach. Schon zwei mal hatte er an seine Kunden nach Nauenthal geschrieben, hatte ihnen Offerten gemacht. Sie ließen ihn ohne Antwort. Teufel! Wenn er mit den Hölzern sitzen bliebe, mit den theuren Hölzern! Endlich machte er sich in eigener Person auf den Weg, um sich selber nach dem Stand der Dinge umzusehen. Er kam zu spät. Die Bauern hatten anderweitig bestellt! Wegner befand sich in höchster Erregung. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montag« and Donner «tag;«, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ga»-jährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen 'Testeilungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch D. jff. Sleinackrv, Lriprip, Noßplah )§. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitze le oder deren Raum. 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