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Der Israelit · 1899-05-25 · Heft 41 (25.5.1899) · p. Seite 769

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 41 (25.5.1899)
Date
1899-05-25
Page
Seite 769 (sequence 7)
Language
German
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769 darf sich wirklich zur Neuwahl ihres Chacham-Baschi gratuliren, der abgesehen von seiner eigenen großen Gelehrsamkeit, einer Familie entstammt, welcher von jeher das Thorastudium gefördert und unterstütz hat und aus der selbst große nun -biz hervorgingen. Vermischtes. Hlanow Ein unerhörter Vorfall ereignete sich in der letzten Woche Hierselbst. Bauern aus Russisch-Polen entführten das zwölfjährige Töchterchen eines Inden und brachten eS in das nahegelegene Dorf Biclin. Als der Vater des Mädchens sein Kind zurückhaben wollte, wiirde er mit Prügeln bedroht, und wollten die fanatischen Bauern das Kind gewaltsam taufen. Rur der energischen Intervention des Gendarmerie-Wachtmeisiers Johann Ludzinsky gelang es, das Kind aus den Händen der Bauern zu befreien. Feuilleton. „hiebet eure Weinde." Eine apologetische Erzählung, -st--»#.-#» Von Arnold HHäuu 14) Nachdruck verboten. Feist ging noch einige Zeit mit sich darüber zu Rathe, wie er dem Freund gegenüber treten solle, ob mit einer offnen Anfrage oder mit vorsichtigem Sondiren. Wenn es ein Jrrthum wäre! Wenn der Verkehr sich doch harmlos erklären ließe! Dann wäre es wohl erst recht schlimm, und peinlich dazu; dann könnte Wegner ihm zürnen, daß ein solcher Verdacht überhaupt in ihm aufgestiegen sei. Ein Vorfall, der sich nach einigen Tagen zutrug, sollte von selbst die von Feist so sehnlich gewünschte Aussprache herbeiführen. Paul Biesfeld wußte, weshalb er unter allerlei Vorwänden bei Wegner vorsprach; so oft er in Göllheim war, konnte der Holzhändler des ehrenwerthen Besuches gewärtig sein. Zwar wurde nicht viel zwischen ihnen gesprochen, Biesfeld erkundigte sich nur nach Wegner's Ergehen, trat dann wohl auch emigemale an das Fenster, von dem aus er den Ausblick auf den Hof des Feift'schen Hauses hatte, offenbar in der Absicht, von den Bewohnern des letzteren gesehen zu werden. Wir wissen, daß ihm dies auch gelungen war. Eines Tages saß Biesfeld wieder bei Wegner im Comptoir, welches zu ebener Erde lag. Wegner schrieb gerade an seinem Stehpult einen dringenden Brief und Biesfeld hatte, am Tische sitzend, aus seiner Brusttasche eines seiner Flugblätter herausgezogen, an dessen Spitze mit riesengroßen Lettern die Ueberschrift: „Hinaus mit den Juden!" prangte. Biesfeld las gerade die zweite Seite, so daß die erste mit der großen, schwarzen Ueberschrift direkt demjenigen entgegenleuchtete, der zur Thüre hereintrat. Und das war unglücklicherweise Seligmann Feist. Irgend eine gleichgültige Sache hatte ihn zu Wegner rüber geführt und nun prangt es ihm, wie er die Thüre zum Comptoir seines Robert öffnet, wie eine rohe Drohung ins Angesicht: „Hinaus mit den Juden!" Todtenblaß, am ganzen Körper zitternd, trat Feist in die Stube. Wegner schrieb noch und Feist trat auf ihn zu und flüsterte ihm einige Worte ins Ohr. Darauf unterbrach sich Wegner, legte die Feder weg und ging auf Biesfeld mit den Worten zu: „Werther Herr, Sie machen mir vielleicht morgen nochmals das Vergnügen! Ich bin jetzt wirklich zu beschäftigt!" Biesfeld jauchzte in seinem Innern über den famosen Sireich, den der Zufall soeben gespielt. Den Wiederschein dieser Freude noch auf dem Angesicht, schaute er zu Wegner auf. „Aber gewiß!" machte er dienstfertig, „ich möchte auf keinen Fall stören." Also, er drückte Wegner die Hand, „auf Wiedersehen morgen!" Mit einem schadenfrohen Seitenblick nach dem fassungslosen Feist hin, schritt er gemessenen Ganges hinaus. „Was hast Du mit dem Menschen?" platzte Feist heraus, als sich kaum die Thüre hinter Biesfeld geschlossen hatte. „Ich? Gar nichts!" Das war keine Unwahrheit. In der That knüpfte keinerlei Interesse Wegner an Biesfeld. Er wehrte nur seinen gelegentlichen Besuchen nicht. Was der Agitator damals in H. bei ihm beabsichtigte, das war für ihn abgethan, seit Feist in so kluger, selbstloser Weise zu dem Holzkauf bei Rubo gerathen hatte. „Gar nichts?" gab Feist mit zitternder Stimme zurück, „ich verstehe Dich nicht!" „Das ist nicht meine Schuld", erwiederte Wegner unmuthig und wollte an die Fortsetzung des unterbrochenen Briefes gehen. Es war ihm zuwider, daß Feist ihn so von oben herab behandelte. WaS ging ihn denn sein Verkehr an? „Also, mein lieber Robert" begann nun Feist mit erhobener Stimme, „ich weiß jetzt ganz genau Bescheid! Du verkehrst mit diesem Menschen, der mich damals aus der Eisenbahn gröblich beleidigt hat! Weißt Du auch, daß dieser Mensch einer der schlimmsten Antisemiten ist?" „Gewiß weiß ich das!" lautete die Antwort. Aus purem Trotz hatte Wegner das gesagt, ohne zu bedenken, daß dieses Wort in dieser gewitterschwülen Stimmung wie ein zündender Blitz wirken

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