Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 41 (25.5.1899)
- Date
- 1899-05-25
- Page
- Seite 767 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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767 meine und experimentelle Pathologie und Geschichte der Medizin." Oesterr.-Ungar. Monarchie. Tarnow Wir erhalten folgenden Aufruf für die jüdischenBergarbeiter in Boruslaw mit der Bitte um Abdruck: In der Generalversammlung vom 25. und 26. April l. I. haben die Mitglieder des gefertigten Vereines den Beschluß gefaßt, die unglücklichen jüdischen Bergarbeiter aus Boryslaw nach Maßgabe der zu diesem Zwecke aufzubringenden Fonds nach Palästina zu übersiedeln. Mit 50 Familien soll der Anfang gemacht werden. Wem von uns ist die traur ge Lage dieser Bejammernswerthesten unter allen Enterbten nicht bekannt? Durch unmenschliche Bestimmungen wurden Tausende jüdischer Arbeiter, die bisher ehrlich und fleißig ihrer Arbeit nachgegangen sind, derselben beraubt. Bei Juden können sie keine Beschäftigung finden, weil die den Kleinunternehmern gehörigen Schächte gesperrt worden sind, die christlichen Großbetriebe wollen ihnen keine gewähren und haben sie succesive entlassen. So sind denn Hunderte jüdischer Arbeiterfamilien seit Monaten ohne Brot. Mit jedem Tag wächst die Zahl der Brotlosen, denn immer weitere Schächte werden noch gesperrt. Und die Noth wird immer entsetzlicher. Die Arbeitslosen haben bereits Alles verpfändet oder verkauft und es beginnt unter ihnen der Hungertyphus zu herrschen. Was ist aber bis jetzt für diese nothleidenden Brüder von jüdischer Seite geschehen? Einige Wohlthäter oder Vereine haben sie mit Almosen unterstützt, die bereits verzehrt sind. Nun hungern sie weiter. Mit Almosen ist eben den Nothleidenden von Boryslaw nicht zu helfen. Sie selbst erklären, daß ihnen einzig und allein nur damit geholfen werden kann, daß man ihnen eine neue Existenzmöglichkeit, d. h. neue Arbeitsgelegenheit verschafft. Das ist jedoch an Ort und Stelle nicht mehr möglich. Die jüdischen Arbeiter müssen auswandern. Und ne sollen dorthin auswandern, wo man sie braucht, wo sie Arbeits- Gelegenheit und Erwerb finden. Das ist der Fall in den jüdischen Eolonien Palästinas und Syriens. Dort könnten die Arbeiter von Boryslaw einen Verdienst finden. Dort aus dem historischen Boden ihres Volkes werden sie ein für allemal antisemitischer Willkür entzogen sein; dort winkt ihnen eine neue gesicherte Existenz. Vorläufig sollen die kräftigsten und rüstigsten fünfzig Familienväter hingehen. Fünfzig Familien sollen dem Hungertodc entrissen werden. Sie werden dann weiteren Platz schaffen und ebenso galizische Bahnbrecher jüdischer Colonisationsthätigkeit in Palästina sein, wie ihre Landsleute auf der von uns begründeten Colonie Machnajim es geworden sind. Um jedoch die zur Beförderung der fünfzig Arbeiterfamilien von Borislaw nach Palästina nothwendigen Geldfonds aufzubringen, wenden sich die Unterfertigten an die jüdische Oeffentlichkeit aller Länder. Welchen Juden könnte diese schreckliche Katastrophe, die plötzlich über die Boryslawer Arbeiter hereingebrochen ist, lediglich deshalb, weil sie Juden, weil sie unsere, weil sie Eure Stammesbrüder sind, nicht aufs tiefste erschüttern und dazu bewegen, auch nur durch eine geringe Gabe zu helfen, soweit man helfen kann, so lange noch zu helfen ist! Nicht wir fordern die Boryslawer Arbeiter zur Auswanderung aus. Die schreiende Nothlage hat ihnen bereits den Wanderstab in die Hände gedrückt. Die Emigration hat schon von selbst begonnen, aber nach dem Westen, wo sie die Zahl der Hausirer und Brotlosen vermehrt und die ohnedies schon geschwächte wirtschaftliche Lage unserer Brüder in dieser Gegend noch bedeutend verschlimmert. Wir wollen den Strom der Emigration nach Palästina und Syrien lenken, wo sie als productive Mitglieder der Gesellschaft von ihrer Händearbeit leben und dem jüdischen Flamen Ehre machen werden. Brüder! Ein jeder von Euch, vor allem aber die jüdischeu Cultusgemeindeu und Körperschaften, mögen ihr Scherflein dazu beitragen, um diesen ärmsten und unglücklichsten aller Arbeiterproletarier von ihrer schrecklichen Noth zu helfen. Je mehr und je schneller die nöthigen Mittel aufgebracht werden, desto mehr Familien kann abgeholfen werden. Das Vertrauen, welches die bisherige praktische Thätigkeit unseres Vereines überall unter unseren Brüdern erweckt hat und die keinen Aufschub leidende Nothlage Tausender unserer Brüder, berechtigen uns zur Hoffnung, daß wir nicht vergeblich an das Gcmeingeftthl und den Wohlthätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen appellirt haben werden. Die Spenden wolle man an den gefertigten Verein senden, der sie in seinen „Mittheilungen" ausweifen wird. Bei Einsendung von Spenden an die jüdischen Blätter oder an andere Sammelstellen wolle man ausdrücklich hinzufügen: Für den Verein „Ahawath-Zion" in Tarnow. Der Verein für Colonisation Palästinas „Ahawath - Zio n": Leib Spitz, Tarnow, Präsident Stellvertreter; Dr. Abraham Salz, Tarnow, Präsident; Julius Hochfeld, Lemberg,Präsident-Stellvertreter; Dr. Ehrenfeld, Oberrabbiner, Prag, Dr. Fialla, Advokat, Wien, M. Holländer, Tarnow, Herman Lichtblau, Tarnow, I. S. Fuchs, Redacteur, Krakau, Berisch Maschler, Tarnow, S. Bienenstock. Tarnow, S. M. Spira, Secretär, Tarnow, Men-