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Der Israelit · 1899-05-25 · Heft 41 (25.5.1899) · p. Seite 765

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 41 (25.5.1899)
Date
1899-05-25
Page
Seite 765 (sequence 3)
Language
German
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765 den und Gefahren der Wüste ausgesetzt waren und sie ohne Aussicht auf die bloße Möglichkeit zu leben, in vie Zukunft starrten, wurde ihre Uebtrzeugung wieder schwankend, a’ njnpo im» aix Sa» wund ppp. Die Sorge, um die Mittel zum Leben erwies sich stärker, als die aus der Theilung des Meeres ihnen gewordene Ueberzeugung von der Gegenwart Gottes. Wenn es Gottes Wille wirklich war, der sie in die Wüste geführt hatte, so müßte dieser Wille ihnen auch die Möglichkeit schaffen, das Dasein weiterzuspinnen. Dazu war, soweit Menschenaugen sehen konnten, keine Aussicht für einen einzelnen Menschen, geschweige denn für ein nach Millionen zählendes Volk. Noch litten sie keinen Hunger, noch mögen sie mit den Vorräthen versorgt gewesen sein, die sie aus Egypten mitgenommen hatten. Es waren ja erst dreißig Tage seitdem verflossen. Aber sie mochten noch so knapp und haushälterisch mit ihrer Wegzehrung schalten, die Wüste starrte sie an und drohte zum Massengrab für alle aus Mangel an Vrod zu werden. 121122 sinn bw nvo by bttie» '22 mj? Sa uS'i „Da murrte die ganze Gemeinde der Kinder Israels gegen Moscheh und Ahron — in der Wüste! „Die Wüste war es, die den überwunden geglaubten Wahn wieder aufs Neue belebte. Die Furcht, in der Wüste dem Hungertode zu erliegen, weckte die alte Sehnsucht nach der verlassenen Heimath, nach Egypten. Sie hatten ja ihre in den Meeresfluthen begrabenen Zwingherrn dort nicht mehr zu fürchten, nicht unter ihrer Hand hatten sie zu leben und zu leiden, sie lebten unter Gottes Hand, ja sie wären dort unter der Hand Gottes, von welcher ihnen der letzte der Schläge von vornhinein verkündet wurde, lieber gestorben,*) als daß sie dem Hungertode in der Wüste entgegengingen. Sie wollten auch in Egypten nicht ein üppiges, genußvolles Leben führen, sondern sie wollen nur wieder am Fleischtopfe sitzen und sich an bloßem Brod satt essen. Um dieses Verlangen richtig zu verstehen, müssen wir der Erklärung folgen, die Rabbi Elieser Aschkenasi, der selbst Egypten bereiste, vor mehr als dreihundert Jahren in seinem Werke n ’pvö auf Grund seiner eigenen Wahrnehmung darüber giebt. Wir lassen seine eigenen Worte hier in der Übersetzung folgen: 1L»2N i'B Sy 12712V-2 „Meiner Ansicht nach verlangten sie hier nach einer Speise, die man noch heutzutage in Egypten bereitet. Man macht nämlich aus Mehl und Wasser Teigbrocken, die den Namen Kufkusu führen, diese legt man auf den Fleischtopf und läßt sie von dem Brodem kochen, *) II. B. M. O'ap. III. V. 20. '7!'27>1 '1' rx ‘nnSai anata nx. der von dem Fleische emporsteigt. Diese Teigkrumert kommen mit dem Fleisch in keine Berührung. Man legt sie nämlich in ein Tuch oder in ein gelöchertes Gefäß und stellt dasselbe über den Fleischtopf. Deshalb sagten sie, als wir am Fleischtopfe saßen und Brod bis zur Sättigung aßen, denn dieses Nahrungsmittel wird nicht etwa als Beispeise zum Brod angesehen, sondern es ist das eigentliche Brod selbst. Deshalb hat ihnen Gott erwiedert, da ihr nur Brod zur Sättigung und Fristung eures Lebens wünscht, so werde ich euch Brod geben, das immer für einen Tag ausreicht, das ihr tagtäglich nur aufzulesen habt, um sie zu prüfen, ob sie wirklich diese Genügsamkeit besitzen, die für den Wandel in dem Gesetze Gottes unerläßlich ist." xari a-rrpn f» anS aaS i'vvv 'aan mwa Sx *i ibxi . mb dx Tnrc ■fj'n wa:x ,'yvS iei’2 av 121 napSi ayn Deßhalb hatte dieses ganze Verlangen keinerlei göttlichen Unwillen zur Folge. Erst als sie bereits im Besitze des täglich niederfallenden Mannas, diese Wundergabe Gottes als geringwerthig verschmähten und wirklich Fleisch verlangten, entbrannte der göttliche Unwille und gewährte ihnen Fleisch, das ihnen statt als Lebensmittel zu dienen, zum Todesmittel wurde. Wenn somit unsere Väter in der Wüste die Mannaprüfung nicht bestanden und nicht die ursprüngliche Genügsamkeit bewährten, so waren sie trotzdem weit von der Lüsternheit entfernt, die man vielfach in dem Verlangen nach den Fleischtöpfen Egyptens findet. Selbst jetzt hätte das Verhängniß des maßlosen Fleischgenusses noch zurückgehalten werden können, wenn die Mahnung beherzigt worden wäre, sich diesem Genuß nur mit heiligender Selbftenthaltung zu gestalten. .ipa cnSaxi ina1? tanprin 112X7! ayn Ski „Zu dem Volke aber sprich: Legt euch für morgen heilige Selbstenthaltung auf, dann könnt ihr Fleisch essen." (IV. B. M. Cap. XI. V. 18.) Diese Worte haben gerade für unsere Zeit und ihre neuesten Vorgänge eine Bedeutsamkeit erlangt, die ihr früher abging. In fast allen Cultur-Ländern sind seit Jahrzehnten unsere Feinde bemüht, uns die Möglichkeit des Fleischgenusses zu entziehen, indem sie uns die religionsgesetzlich gebotene Art der Schlachtung zu erschweren und gänzlich unmöglich zu machen suchen. Eine solche allgemeine Agitation gegen Juden und Judenthum ist in hohem Grade geeignet, uns zur Selbstprüfung aufzufordern. Wenn Gottes Wallung Maaß gegen Maaß straft, so muß gerade der Punkt, den unsere Feinde zum Angriff gegen uns wählen es sein, dem wir unsere prüfende Aufmerksamkeit zuzuwenden haben. Vielleicht haben wir in Deutschland heute oder morgen nichts nach dieser Seite

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