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Der Israelit · 1899-05-25 · Heft 41 (25.5.1899) · p. Seite 764

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 41 (25.5.1899)
Date
1899-05-25
Page
Seite 764 (sequence 2)
Language
German
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764 Kundschafter (IV. B. M., Cap. XIV, V. 3) wiederholt iano „wären wir doch in der Vergangenheit gestorben", heißt, lautet hier der Ausdruck: umefjv nj " n'2 „wer gäbe, daß wir in Zukunft sterben durch die Hand Gottes." Auch diese letztere Präcisirung bedarf der Erklärung, da füglich doch jeder Tod sich durch Gottes Hand vollzieht. Endlich erscheint „das Sitzen am Fleischtopfe" zum mindesten als ein ganz ungewöhnlicher Ausdruck zur Bezeichnung des Verlangens nach Fleischgenuß, da sich ein solches Verlangen doch nicht auf das bloße Sitzen am Fleischtöpfe beschränkt. Während vom Brode ausdrücklich das Esten bis zur Sättigung ausgesprochen wird, ist von dem Fleische nur der Topf erwähnt, nicht aus dem sie Fleisch, sondern bei dem sie Brod aßen. Diese Schwierigkeiten dürften ihre Lösung in einer Erwägung über den wiederholt betonten Gegenstand des Murrens unserer Väter in der Wüste finden. Das Widerstreben gegen den Willen Gottes erst nach einer vieljährigen Wüstenwanderung das Volk in das Land seiner Verheißung zu führen, und ebenso, daß sich dieses Widerstreben in Vorwürfen gegen ihre Führer Luft machte, kann man begreiflich finden. Aber der wiederholt gegen die Befreier Israels erhobene Vorwurf, daß sie das Volk aus Egypten geführt haben, erscheint im Munde der so wunderbar vom harten Sklavenloos Befreiten schwer verständlich. Es scheint, daß das Volk die Befreiung von dem Sklavenloose und den Auszug aus Egypten scharf von einander schied. Daß das auf ihnen lastende, unerträgliche Joch ihrer Zwingherren gebrochen werde, war sicherlich der sehnlichste Wunsch der Geknechteten. Aber die Liebe zu ihrem zweiten Vaterlande mochte sie das Ideal ihrer Wünsche darin erblicken lasten, daß der auf ihnen lastende Druck gebrochen werde, ohne daß sie deßhalb den Boden verlasten müsten, der nun seit Jahrhunderten die Gebeine ihrer Väter in sich trug*) und der schon, seitdem die Ahnen ihn betreten hatten, einen fesselnden Einfluß auf sie übte. (I. B. M., Cap. 47, V. 27.) Hat doch bis in die neueste Zeit hinein keine noch so rohe an den Israeliten eines Staates verübte Barbarei dieselben bestimmen können, freudig den Wanderstab zu ergreifen und ihrem Vaterlande gleichgiltig den Rücken zu kehren. Die Thränen und der Jammer, unter welchen Juden zu allen Zeiten nur der härtesten Nothwendig- 1) Diese Pietät für die Gräber ihrer Ahnen spricht sich in den Worten (II. B. M., Cap. 14, V. 11) aus: n'cb unrpb cnitoa onsp prr ^aon rma bn mnr .Bnareo ':wrnb ::b wy nm nc laica feit gehorchend, ihr Vaterland trotz aller Zurücksetzung verließen, stehen wahrlich bis auf den heutigen Tag in wunderbarem Gegensatz zu der „Vaterlandslosigkeit" der Juden! — Es scheint, als ob diese unzerstörbare, unzähligemale in der Verfolgungsgeschichte Israels bewährte anhängliche Treue zu seinem Vaterlande, eine alte Eigenthümlichkeit ist, wie sie in dem immer wiederkehrenden Verlangen nach Egypten zurückzukehren zum Ausdruck kommt. Sie mochten in diesem Verlangen nicht eine Auflehnung gegen Gott erblicken. Daß Gott sich ihrer angenommen, die Macht der Egypter gebrochen und die Unterdrückten befreit habe, das war ihnen über allem Zweifel erhaben. Aber der Auszug aus Egypten und die Führung durch die Wüste erschien ihnen als das Werk Moschehs. Diese Annahme dürfte das Auflehnen unserer Väter gegen ihre Führer milder beurtheilen lasten. Dem verhängnißvollen Jrrthum gegenüber, der von den vier Stadien der Erlösung nur die zwei ersten 'nbxrv vto direkt auf Gott bezog, die zwei andern ^npbj vanum, Moscheh vindicirte, begreift sich auch die wiederholt betonte Erklärung, daß Gort es war, der den Auszug aus Egypten bewerkstelligt hatte. pn» onnx vwann w» n Diese Anhänglichkeit an sein zweites Vaterland, die wohl Niemand bester als der Führer seines Vol» kes kannte, mochte es wohl gewesen sein, welche ihn an seiner Mission mit den Worten zweifeln ließ: „Wer bin ich, daß ich zu Pharao gehe, und daß ich die Kinder Israel aus Egypten führe?" Vielleicht war es leichter Pharao, als die jüdischen Geister und Gemüther für den Auszug aus Egypten zu gewinnen! Daß aber das unmöglich scheinende doch gelang, daß ein ganzes Volk sich bereit finden ließ, seinem Führer nachzufolgen, um eine durch hundertjährigen Aufenthalt theuer gewordene Heimath mit der kahlen, ungastlichen Wüste zu vertauschen und auf ungewiste Jahre mit Weib und Kind in die schwankende, ungewiste Zukunft zu treten, das ist es, was seine spätere Sänger und Propheten in allen Variationen feiern. Wenn Israel im Moment seines Auszugs aus Egypten noch zweifeln konnte, ob er von Gott gebilligt und vollzogen oder vielleicht nur der Plan Moscheh's sei, als sich die Meeresfluthen theilten, und sie sich von derselben Wundermacht Gottes begleitet sahen, die auch in Egypten über sie gewacht, damals schwand das letzte Mißtrauen gegen den göttlichen Führer, sie waren nunmehr nicht nur von Gottes Walten überzeugt, sondern auch davon, daß Moscheh Gottes Diener war, daß alles, was er gethan, auf das Geheiß Gottes geschehen war. roy wasi ns ircs", Aber als sie dem Meere entronnen, den Unbil-

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