Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 39-40 (18.5.1899)
- Date
- 1899-05-18
- Page
- Seite 751 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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j|gPPpPj|ppQpWjai|WBM^ 751 in herzlichen Worten des Verstorbenen gedachte und sein edlcS Ziel und seine Menschenliebe hervorhob, die ihm in diesem Hause ein schönes Andenken gesetzt hatten. Sechs Familien wshNeN schön in dem prachtvoll eingerichteten Heim, das in der Nähe der Synagoge — des Stifters Bestimmung gemäß — liegt. — 7. Mai. Dieser Tage wurde uns iü der Synagoge eine unerwartete und angenehme Überraschung zu Theil, indem der Rabbiner Herr Dr. Goitein seine erste dänische Rede hielt, wozu er eigentlich, nach kaum einjähriger Thätigkeit nicht verpachtet war. Neben dem wirklich interessanten Umstande, daß die dänische Sprache aus seinem Munde fast ganz geläuftg und zudem klassisch und natürlich klang — und er die treffendsten, gewähltesten Ausdrücke für jeden Gedanken brachte, wobei jedes Eckige und Unbeholfene ebenso sehr wie jedes Schwülstige und Automatische vermiede wurde — — bot die Predigt selber so viel Schönes und Lehrreiches in ihnm Inhalte dar, daß sie mit Recht den größten Beifall des zahlreichen Zuhörerkreises erregte. — Unmöglich den Inhalt dieser prachtvollen Predigt auch nur auszugsweise wiederzugeben, gestalten Sie mir, den Gedankengang derselben kurz anzudeuten. — Ausgehend von dem Midrasch-Commentar zu dem ersten Wort der Offenbarung, deren Gedenkfeier wir nunmehr uns nähern; "ns» pt^. daß datz Wort egyptischen Ursprungs sei, erklärte Redner, daß Gott beim Ertheilen seiner Lehre und seiner Gesetze sich der Umgangssprache der Israeliten in Egypten bedient habe, — der Sprache also, die sie zu reden gewohnt waren, woraus wir also lernen können, daß selbst das Gottes-Wort auf die Gewohnheiten des Menschen Rücksicht nimmt, um so leichter und verständnißvoller in sein Herz und Gemüth einzudringen vermag, weßhalb Redner von heute ab sich der dänischen Sprache bedienen wolle. Freilich habe ein solcher Entschluß seine großen Schwierigkeiten für den aus einem fremden Lande kommenden Prediger, —nicht allein wegen der dänischen Sprache selber, die besonders schwer zu lernen ist, — weit mehr aber deßwegen, weil schon immerhin ein großer Theil der Wärme, der Ueberzeugung, der Innerlichkeit, nur in der eigenen Muttersprache ihren rechten Ausdruck findet, und daher weil abn jo cmTn auch besser in's Herz der Zuhörer dringen; doch auf eine solche Frage, die er sich selber gestellt, habe er mit einem andern Midrasch geantwortet, der da also lautet: „Unter den vielen Gründen, die unsere alten Weisen zur Herbeiführung der Erlösung aus Egypten angeben, sei auch d i e -yeh nxi vvrr» nx unp x^,. — daß sie nicht ihren Namen und ihre Sprache vergesien hatten! und wenn dieser letztere Ausdruck im Widerspruch zu stehen scheint mit dem Ersten — woraus doch grade hervorgeht, daß die Juden in Egypterk die Egyptische, die Land es spräche gesprochen hatten, und wenn es dann überhaupt als ein so große» Verdienst angesehen wurde, daß unsere Vorahner» ihre eigentliche nationale, h e b r. Sprache nicht vergessen hatten, — so muß man bedenken, daß jede Sprache und ihre Bedeutung von zwei Gesichts^ punkten aus zu betrachten sei; auf der einen Seite ist sie bloß das äußere Gewand für des Menschen Gedanken und Gefühle «nd bewährt deßhalb nur wenig seinen Charakter, seine innere Persönlichkeit, — auf der anderen Seite aber ist sie der Ausdruck und das Zeugniß der besonderen Geisterrichtung und Lebensanschauung eines Volkes, heischt daher eine besondere Betrachtung! So könne Redner von sich selber sagen, daß insoweit sich in einer Sprache eine besondere Lebensanschauung geltend machen solle, wie es feine innerste, tiefe Ueberzeugung aussrücken solle, so sii dies die hebräische, so sei dies seine eigentliche Muttersprache und Jugendsprache, in der er sich von Kindheit aus bewegt habe, jene Sprache, deren Bezeichnung als „heilig" schon MaimonideS erklärt habe. Und deßhalb sei ihm auch jede andere Sprache bloß ein äußeres Gewand, um die hebräischen, jüdischen Gedanken zum Ausdruck zu bringen." In weiterer Entwickelung schilderte Herr Dr. Goitein dann, daß es für ihn zwar keine große innere Selbstüberwindung bedeute sich ferner uns. Landessprache zu bedienen, doch wohl viele äußere, die er jeooch alle mit Gottes Hilfe zu überwinden hoffe, — ging hierauf zu einer Darlegung der Wichtigkeit der hebräischen Sprache über für das innere Zusammenhalten und Emporblühen des Judenthums! Rußland. Schonia. Unser Gymnasium wird seit langer Zeit von einer gewissen Anzahl von Israeliten besucht, die entsprechend den Gesetzen, die die Kinder jüdischer Abkunft betreffen, zugelassen sind. Der Gouverneur der Provinz, der soeben sein Amt angetreten, läßt sich nun einfallen, die Gesetzparagraphen durchzustöbern zu Gunsten derer, deren Kinder in der Stadt wohnen; die vorgezeigten Zeugnisse scheinen nicht die Garantien zu bieten, die von der Provinzialverwaltung gewünscht werden. Also: die Kinder erhallen den Befehl, sofort die Stadt zu verlassen, was sie natürlich, den Unterricht aufzugeben, zwingt. Glücklicherweise ward eine Petition, die man nach St. Petersburg sandte, und die hierüber berichten sollte, von Erfolg gekrönt. Die Schüler erhielten wieder die Erlaubniß, in die Stadt zurückzukehren und ihre Studien wieder aufzunehmen. Die Mitglieder des Unterrichtskörpers sind im allgemeinen tolerant. Das zeigt sich oft bei unduldsamen Be-