Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1899-05-18 · Heft 39-40 (18.5.1899) · p. Seite 749

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 39-40 (18.5.1899)
Date
1899-05-18
Page
Seite 749 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448953-2448989--48287-2498692
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

w m 749 zu Chanukka 200 Kinder (Lehrlinge, Lehrmädchen und kleinere Kinder) bekleidet und erhielten außerdem noch nützliche Geschenke, 45 Kindern (31 in voller Pension, 14 mit Zuschüsien) konnte die Wohlthat eines Landaufenthaltes gewährt werden. Frau Dr. Perles war seit der Gründung erste Vorsteherin auch dieses Vereines. Das Central - Organ des Verbandes Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubeus brachte s. Zt. einen aus der Feder der Frau Dr. Perles geflossenen Artikel über Acmenwesen; die hier entwickelte Fülle scharfsinniger Gedanken, sowie die meisterhafte Beherrschung des Wortes erregten berechtigtes Aufsehen. Frau Dr. Perles besaß in hohem Grade das Vertrauen der verewigten Frau Baronin von Hirsch, mit welcher sie in sehr regem Briefwechsel stand. Der Wegzug dieser Dame gab sowohl der CultuSverwaltung, als weiten Kreisen unserer Gemeinde, sowie auch vielen außerhalb unseres Glaubens Stehenden Anlaß, ihr Beweise ihrer Sympathien und ihrer Verehrung zu bekunden. Alle jüdischen Vereine widmeten Adressen, worunter auch eine sehr sinnig entwo fene von Herrn Maler Hirschfeld kunstvoll ausgeführt wurde- Die CultuSbeamten widmeten der scheidenden Frau Rabbiner eine prächtige Mappe, welche Aufnahmen der neuen Synagoge, sowie die Photographien aller bei der Einweihung mitwirkenden Beamten, in der Mitte das wohlgelungene Porträt des sel. Rabbiner Dr. Perles enthielt. Namens des bayerischen Frauenoereins sprachen zum Abschied sehr hochstehende Damen bei der Scheidenden vor. Die besten Wünschen für ihr Wohlergehen begleiten sie auch in ihre neue Heimath. Frankfurt a. M., l0. Mai. Der „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" hielt vor einigen Tagen seine Generalversammlung unter dem Vorsitz des Herrn Alfred Geiger ab. Dem Bericht des Schriftführers Herrn Dr. I. Heinemann ist zu entnehmen, daß im verflossenen Semester acht öffentliche Vorträge gehalten wurden, und zwar von dem Herrn Rabb. Dr. Löwenthal—Tarnowitz, Dr A. Stern, Dr. I. Heiuemann, Prof. Dr. Werner, Rabb. Dr. Rosemhal—Cöln, Prof. Dr. Sulzbach, Rabb. Dr. Wachenheimer—Aschaffenburg, und Rabb. Dr. Cohn— Jchenhausen; außerdem fanden vier Disknssionsabende statt, an denen auch zwei Vorträge von Dr. Gronbacher und Dr. Treuwirth gehalten wurden. Der Kassenbericht des Herrn Fränkel konstatirte, daß die Zahl der Mitglieder, namentlich durch den Gesammtzutritt des Vereins zur Pflege jüdischen Wissens (Tifereth Bachurim) von 234 auf 338 gestiegen ist. Die Einnahmen betrugen Mk. 997, die Ausgaben nur Ml. 678, der Kassabestand erhöhte sich auf Mk. 7ü4. Die Bibliothek enthält 120 Bände, meist aus der Geschichte der Juden in Deutschland. Nachdem die Entlastung ertheilt war, wurde der seitherige Vorstand (Alfred Geiger, Julius Landsberg, Dr. Jsaac Heinemann, Hugo Fränkel, Raphael Ettlinger, Elias Schwabacher und Heinrich Wisloch) wieder¬ und zu Revisoren die Herrn Jacob Frisenberger und Lev. Jsaac gewählt. Bad-Ems. Dem ersten Jahresbericht des israelitischen Central-Waisen- und Mädchenheims zu Bad-Ems, für die Zeit vom 1. Oktober 1897 bis 1. Oktober 1898, entnehmen wir: Das israelitische Central-Waisen- und Mädchenheim zu Em«, welche» am 15. Oktober 1897 mit 14 Zöglingen eröffnet worden ist, hat seitdem diese Zahl auf 27 erhöht. Alle Zöglinge, bi» auf vier, besuchen die öffentliche mehrklassige Volksschule, während der Religionsuntericht in der Anstalt selbst ertheilt wird. Zu Ostern 1898 verließen vier Mädchen nach vollendetem vierzehnten Lebensjahre die Schule. Ihre Entlassungszeugnisse weisen durchaus gute Censuren auf. Eine» dieser Mädchen kehrte auf Wunsch seiner Mutter anfangs September d. I. in die Heimath zurück, woselbst es zu seinem Vormund, einem Kaufmann, in die Lehre trat. Drei derselben erhalten ihre Fortbildung im Hause und erlernen alle Arbeiten der Haushaltung und Küche, sowie weibliche Handarbeiten. Ein Mädchen, das bereits Ostern 1897 die Schule verlassen hat, erlernt in einem der besten hiesigen Geschäfte das Putzfach und wird in seiner freien Zeit in Küche und Haushalt gleich den andern beschäftigt. Einigemal wöchentlich erhalten die schulentlassenen Zöglinge Fortbildungsunterricht in den allgemeinen Fächern und allsabbatlich in jüdischer Geschichte und Religion. Die in der Anstalt geübte Erziehung ist darauf gerichtet, den Waisen dar verlorene Elternhaus so weit als möglich zu ersetzen und ihnen ebensowohl die sorgfältigste leibliche wie geistige uud GemüthSpflege zu gewähren, damit sie zu tüchtigen, pflichtgelreuen und strebsamen Menschen heranwachfen und den Weg durchs Leben finden. Bei jedem einzelnen Kinde findet seine Eigenart auch in Bezug auf die Berufswahl die gebührende Behandlung und Berücksichtigung. Als Haupteinnahme-Quelle ist von uns eine Chanuka-Spende inscenirt worden, die jedoch in diesem Jahre nicht den gewünschten Erfolg hatte. Dagegen durften wir mit den Spenden der Kurgäste, welche die Anstalt besuchten, sehr zufrieden sein. Anläßlich der Einweihung der Anstalt hatte ein Ungenannter zwei Freistellen'(10,000 M.) und Herr Baron Horace de Günzburg aus St. Petersburg, der gerade zur Kur hier weilte, eine Freistelle (5000 M.) der Anstalt gestiftet.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.