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Der Israelit · 1899-05-18 · Heft 39-40 (18.5.1899) · p. Seite 739

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 39-40 (18.5.1899)
Date
1899-05-18
Page
Seite 739 (sequence 9)
Language
German
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WWWWWNWW^MWWWWWMWM'^MM'^WM XL. Jahrgang. Erste Lettage M M 39 & 40 üea Israelit". Leitender Artikel. Äluyttüglitzk Kkmeitumgkii {not Kiltze gnt|. Von Rabbiner Dr. A. Cohn—Basel. (Schluß aus dem Hauptblatt.) So zog Elimelech in das Land der Moabiter, der Feinde seines Volkes. Ob er vielleicht auf seine ehrgeizigen Pläne noch imnler nicht verzichtet und die Hoffnung gehegt hat, mit Hilfe der Moabiter sie auszuführen? In jedem Fall scheint aus den Worten im Buche Ruth ctp rm axii: mp ixa'i „sie kamen in die Gefilde Moabs und sie waren dort", hervorzugehen, daß Elimelech sich im Lande Moab eingewöhnt und eingebürgert und durch Uneigennützigkeit und Gemeinsinn sich die allgemeine Achtung erworben hat; wie denn auch später zwei Töchter des Königs Eglon die Frauen seiner Söhne wurden. Elimelech handelte nach der Vorschrift unserer Weisen in m nana (die wir für Freunde des scharfsinnigen b»ph hier erklären wollen); rrrivb fxo \xn '2i rr^xcttn x-i'2 x:*öh xih xepr xs"2 xryo ^vni xrnxp ~dih xjnio ras x:x j’sn xv'bi. „Wenn Jemand in einen fremden Ort kommt und fürchtet sich vor dem „bösen Auge", dem Steide der neuen Stadtgenossen, so nehme er den rechten Daumen in die linke Hand und den linken Daumen in die rechte Hand und sage: ich stamme von Joseph ab, über den das böse Auge keine Macht hatte." Die Schwierigkeit dieser dunklen Talmudstelle liegt auf der Hand. Sieht ein Brauch, wie er hier vorgeschrieben, nicht dem Aberglauben ähnlich, den doch unsere heilige Religion so streng verpönt? Und wie kann Jemand sagen, ich stamme von Joseph ab, der notorisch einem anderen Stamm (z. B. dem Stamm Levi) angehört? Im in'^ finden wir für diese x^n folgende geistreiche Erklärung. So wie die rechte Hand diejenige ist, mit der der Mensch seine Hauptarbeit verrichtet, während die linke erst in zweiter Reihe in Betracht kommt, so sind es zwei Bestrebungen, die dem Menschen obliegen. Die wichtigste, der rechten Hand entsprechend, ist, daß er für sich und seine Familie sorge, die linke Hand entspricht dem Streben des edlen Menschen, nicht nur für sich zu arbeiten, sondern auch das Wohl des Nebenmenschen zu fördern. Wenn nun Jemand in eine fremde Stadt kommt und den Neid der Bürger fürchtet, so mache er die Linke zur Rechten und umgekehrt. D. h. er stelle das Streben, für seinen Nebenmenschen zu sorgen, der Stadt und ihren Bewohnern nützlich zu sein und alles Edle und Gute zu unterstützen, voran, und arbeite erst in zweiter Linie für sich. Dabei denke er, er wolle sich nach dem Beispiele Josephs richten. Giebt es einen größeren Wechsel der Lebensumstände, als ihn Joseph erfahren? Aus dem Kerker und dem Sklavenleben wurde er zur Höhe des Thrones emporgezogen, ein Fremder in fremdem Lande! Wieso kam es, daß er nicht von Neid und Mißgunst verfolgt wurde? Joseph, das ersehen wir aus unserer Thora, war überaus uneigennützig, er dachte an das Wohl des Staates, an den Vortheil des Königs, an den Nutzen der Bürger. Niemals suchte er sich zu bereichern, während alle Reichthümer der Welt durch seine Hände gingen, niemals suchte er für sich selbst Vortheile zu gewinnen. Darum verstummte Joseph gegenüber der Neid, und das „böse Auge" hatte keine Macht über ihn. -i- * * Nach dem Tode Elimelechs heirathen seine beiden Söhne, gewiß gegen den Willen der Mutter, zwei moabitische Frauen, und es ist bemerkenswerth, wie gleich darauf Machlon und KUjon nicht mehr n'^2 ihre Söhne, sondern nur noch n'-ib' die Kinder, die sie geboren, genannt werden. Was liegt alles in diesem Ausdruck, und welche Mahnung enthält er für unsere Zeit! Wie erkundigen sich die meisten Eltern, wenn sie ihre Kinder zu verheirathen suchen, nach dem Vermögensstande derjenigen, denen sie die Zukunft der Ihrigen anvertrauen wollen, und wie wenig Werth wird auf die wichtigste Frage gelegt, ob das neue Glied der Familie in religiöser Beziehung lebt und denkt wie sie. Man tröstet sich mit der vagen Hoffnung, der Sohn werde die künftige Gattin, die Tochter den Gatten schon erziehen und in religiöser Beziehung eines Befferen belehren; als ob bei Personen, die bereits feste Grundsätze für das Leben angenommen haben, noch ein so völliger Umschwung der Gesinnung zu hoffen wäre, als ob man religiöse Ideen in kurzer Zeit erlernen und sich angewöhnen könne, während diese doch nur das Produkt sind einer Erziehung in Gottesfurcht und Frömmigkeit, während wahre Religiosität nicht äußerlich aufgepfropft werden kann, sondern als der Ausfluß innerster Ueberzeugung, den ganzen Menschen beherrschen muß. Wie thöricht sind die Eltern, welche bei der Versorgung ihrer Kinder nur die materiellen Umstände berücksichtigen und die Charakterbildung

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