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Der Israelit · 1899-05-18 · Heft 39-40 (18.5.1899) · p. Seite 738

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 39-40 (18.5.1899)
Date
1899-05-18
Page
Seite 738 (sequence 8)
Language
German
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738 Hand ein und überließen es ihm, ihnen ihre Bauhölzer von Rubo zu besorgen. Derjenige, gegen den am letzten Ende alle diese heimtückischen Machinationen gerichtet waren, Seligmann Feist selber, war inzwischen auch nicht unthätig geblieben. Nachdem er an jenem Apriltage, an welchem er seinen Sohn zum Gymnasium anmeldete, zuerst aus die drohende Gefahr aufmerksam geworden, hatten sich ihm in der Folge allmählig die Anzeigen dafür gemehrt, daß etwas im Städtchen selbst vorgehe. Was seinen Schrecken über das Vernommene und seine Besorgniß vor dem Kommenden aber ganz besonders steigerte, das war die Beobachtung gewesen, die er hinter dem Fenster seiner Ladenthür gemacht hatte. Da ging nun sein liebster Freund, sein Robert, Seite an Seite mit demselben Menschen, der seine judcnseindliche Gesinnung so deutlich zu erkennen gegeben! Und wie sie so anregend mit einander plauderten, und wie der Kleine mit verschmitztem Lächeln zu ihm herüber sah, den er hinter der Scheibe gewiß sofort erkannt hatte! Wahrhaftig, es war gerade, als ob er sagen wollte: „Den Hab' ich Dir weggesangen!" Unsägliches Weh im Herzen, schlich Feist von der Thüre hinweg. Was mag ihm noch alles bevorstehend Wieviel Kämpfe ihm nun beschieden sein? Robert Wegner in dieser Gesellschaft? Das sprach deutlich genug für die Zukunft! Mehrere Tage trug Feist sein schmerzvolles Geheimniß still mit sich umher, endlich glaubte er doch einmal seinem Herzen Luft machen zu müffen und theilte eines Tages, während der Mittagsmahlzeit, den Seinigen mit, was er gesehen. Frau Hannchen in ihrem unausrottbaren Optij mismus suchte wieder der Sache eine harmlose Erklärung zu geben. Vielleicht habe eine geschäftliche Sache Wegner mit dem kleinen Herrn zusammengeführt! Auch Rifka war aufmerksam geworden. „Ist es ein kleiner, dicker Herr mit einer Brille?" fragte sie. „Jawohl", antwortete Feist. „Den Hab' ich in den letzten Tagen öfter bei Wegner gesehen. Er war sogar drüben im Comptoir bei ihm. Gestern erst, wie ich draußen im Hof Wasier holte, stand er am Fenster —! Da hat er mir auch so unverschämt zugenickt!" Feist war starr. „Also, siehst Du?" wendete er sich an seine Frau. „Die Sache ist so, wie ich Dir sage! In einigen Monaten ist Reichstagswahl, da wollen die Antisemiten bei uns einen Kandidaten aufstellen und der kleine Herr ist nichts anderes, als ein antisemitischer Agitator. Er will unseren Wegner rumkriegen; verlaß Dich drauf!" „Na, Vater, warum sprichst Du denn nicht mit Wegner?" fragte jetzt Rifka. „Wozu?" antwortete Feist mit trübem Lächeln, „wenn seine Freundschaft nicht mehr so fest ist, um solcher Verführung widerstehen zu können, dann war er mir nie ein wirklicher Freund, mir und uns allen nicht." Feist war mit diesen Worten nicht? ganz aufrichtig. In Wahrheit fühlte er deutlich, daß es über kurz oder lang zu einer Aussprache zwischen ihm und Wegner kommen müsse. Dieser Zwilterzustand war auf die Dauer unhaltbar, es mußte Klarheit geschaffen werden. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montag« and Donnerstag«, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man aßonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehr! durch V. ß. Steiuacker, Deiprig, lioßplatz JS. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzc le oder deren Raum. Preis der Zeile im Rerlametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang tür Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen osterr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3784. 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