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Der Israelit · 1899-05-18 · Heft 39-40 (18.5.1899) · p. Seite 737

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 39-40 (18.5.1899)
Date
1899-05-18
Page
Seite 737 (sequence 7)
Language
German
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73? Nrnlllcto«. „Miedet errre Feinde." Eine apologetische Erzählung •# Von Avnolv Hann 13) Nachdruck verboten. V. Unter den Dörfern, welchen Biesfeld und Görbig in den nächsten Wochen ihr Hauptaugenmerk zuwendet cn, stand in erster Reihe das wohlhabende Bauerndorf Nauenthal. Der große Brand, defsen Trümmer noch viele Wochen lang rauchend umherlagen, absorbierte zwar zunächst das ganze Interesse der Bauern. Es waren glücklicherweise durchweg gut versicherte Gebäude gewesen uno ver materielle Schaden blieb trotz der verhältnismäßig großen Ausdehnung des Brandes ein geringer. Zudem hatte das Feuer lauter alte, winklich gebaute Häuser verzehrt, an deren Stelle jetzt helle, luftige und geräumige treten konnten. Die beiden Agitatoren verstanden es meisterhaft, bei ihren gelegentlichen Abstechern in Rauenthal diesem zunächst alles beanspruchenden Interesse an dem Brandunglück gerecht zu werden und doch allmählich ihre unmündigen Zuhörer auf das Gebiet hinzulenken, welches ihnen am Herzen lag, auf die Politik. In Nauenthal wohnten keine Juden; was die Bauern von Juden kannten, das waren die Viehhändler und Tabakskäufer, die mit ihnen Geschäfte machten. Rach altbewährtem Rezept lag Biesfeld und Görbig zunächst daran, bei den Bauern das Bewußtsein und die Ueberzeugung zu wecken, zu festigen, daß die Juden stets besser dran sind als sie selber, daß die Juden den großen Profit in die Tasche steckten und ihnen das Geld pfennigweise abzwackten. Dann wurde ihnen das Leben, welches die Juden führten, als ein wahres Schlaraffenleben geschildert. S i e wohnten in Palästen, sie könnten ihre Söhne studieren lassen, sie bekämen für ihre Töchter die Aerzte und die Rechtsanwälte zu Ehemännern. Dagegen die armen Bauern müßten sich in die winkligen Dorfhäuser verkriechen, ihre Söhne brächten es höchstenfalls hie und da bis zu einem armseligen Dorfschullehrer, ihre Töchter müßten eben wieder Bauern heirathen. So blieben sie für alle Zeit in dieser finsteren sozialen Tiefe, während die Juden immer höher und höher emporstiegen mit Hülfe ihrer Ftechheit und ihres Geldsackes. Es konnte nicht ausbleiben, daß solche Anklagen, denen noch dazu einige thatsächliche Vorkommnisse eine besonders kräftige Unterlage boten, schließlich den gewünschten Erfolg hatten. Steter Tropfen höhlt auch den härtesten Stein. Der Neid war erweckt. Einige Monate waren bereits vergangen, als die beiden Kumpane mit Hülfe ihrer Flugblätter, ihrer Besuche, ihres Freibiers re. dieses ernste Ziel erreicht hatten, und nun hielt Biesfeld auch die Zeit für gekommen, um, zwei Fliegen mit einer Klappe schlagend, es mit der Verwirklichung eines Planes zu versuchen, der ihm schon lange am Herzen lag. Die Bauern dachten allmählich an den Wiederaufbau ihrer Häuser. Biesfeld, welcher stets einige von den Bauern am Wirthshaustisch um sich sah, kümmerte sich mit anscheinend aufrichtiger Sorge um ihre innersten Angelegenheiten, er machte sich ihnen in manchen Fragen unentbehrlich, und so konnte es nicht fehlen, daß sie den vielerfahrenen und weitgereisten Herrn Politiker in einzelnen Dingen um seinen wohlgeneigten Rath angingen. Eines schönen Tages kam das Gespräch, sei es von selbst, sei es, daß Biesfeld es schlau dahin gelenkt hatte, auch auf die Lieferung der Bauhölzer. Die Bauern versicherten, daß man im Dorfe und auch in der Umgegend mit Robert Wegner aus Göllheim sehr zufrieden sei. Da begann denn Biesfeld zuerst die Achseln zu zucken, mit Redensarten, wie: „Ich weiß nicht!" oder „wenn ich an Eurer Stelle wäre!" und ähnlichem, um sich zu werfen, bis endlich die Bauern, neugierig gemacht und etwas Besonderes vermuthend, Biesfeld zum Sprechen drängten. Mit scheinbarem Widerstreben rückte er heraus. Zuerst versicherte er ihnen hoch und heilig, daß sie bei Rubo in H. mindestens um ein Drittel billiger kauften. Wegner sei ja selbst Rubo's Abnehmer und müsse doch etwas verdienen. Wenn sie einverstanden seien, wolle er gerne bei Rubo, mit dem er befreundet sei, vermitteln. Ganz zuletzt erst wies er die Bauern daraus hin, daß Wegner ein enragierter Judenfreund, daß er ein Herz und eine Seele mit dem Gollheimer „Judenpabst", mit Seligmann Feist sei. Und mit einem solchen Menschen, der sich mit dem fremden, eingedrungenen Volksstamm auf Freundschaftsfuß stelle, wollten sie Geschäfte machen? Dem wollten sie ihr Geld hinlegen? Damit die Juden in ihrem Uebermuth alles Maß überschreiten, und schließlich in Wirklichkeit die Herrschaft über die Christen in Händen hielten! Dahin dürfte es nimmermehr kommen! Und er schlug zornig mit der Faust auf den Wirthshaustisch. Biesfeld faszinierte diese einfachen Naturkinder, deren geistiger Horizont ja so beschränkt war, mit der ihm eigenen Beredsamkeit. Sie schlugen in seine

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