Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 39-40 (18.5.1899)
- Date
- 1899-05-18
- Page
- Seite 735 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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^r~,^----- ^r^. ~.- ----- --- w 785 machen, aber die Menschen sollen in Werken der Nächstenliebe und Tugend wetteifern und in Ruhe und Frieden trotz verschiedener religiöser Anschauungen mit einander leben." So hat der Kardinal-Erzbischof als wahrer Priester der Liebe sich bei jeder Gelegenheit gegen den konfesstonellen Haß ausgesprochen. Er handelte stets im Sinne der hervorragendsten edlen Vertreter der katholischen Kirche, welche immer gegen die wahnsinnigen Beschuldigungen fanatischer Menschen aufgetreten sind. Ihm haben wir Inden es zum großen Theil zu danken, daß hier am Rhein jenes giftige Kraut des Antisemitismus nicht Wurzel gefaßt hat wie in anderen Gegenden. Die Friedenssaat, die der Kirchenfürst in Millionen Herzen gesäet hat, wird gute, unvergängliche Früchte tragen und sein Name wird auch in Dankbarkeit in der jüdischen Geschichte genannt werden. (Jsr. Gmdbl.) Mannheim, 11. Mai. Aehnlich wie im Reichstage und im badischen Landtage von den Antisemiten, so wurde auch hier ein Vorstoß gegen die Thierschlachterei nach jüdischem Ritus unternommen. Der Bezirksthierarzt und Direktor des städtischen Schlacht- und Viehhofes richtete eine Eingabe an das Bezirksamt mit der Bitte, das Amt möge verfügen, daß der Tödtung der Schlachtthiere eine Betäubung vorangehen müsse. Das wäre gleichbedeutend mit dem Verbote des Schächtens. — Die Eingabe war vom Bezirksamt dem Thierschutzverein zur Begutachtung übergeben. Dieser gab seine Meinung dahin ab, er sehe das Schächten für die denkbar beste und humanste Art der Schlachtung an. Paderborn, 7. Mai. Die hiesige Chewra- Gemiloth-Chasodim beging heute durch einen Festgottesdienst die Denkfeier ihres 50jährigcn Bestehens. Herr Pred. Weiler sprach über den Psalm 133 und pries die Gemiloth-Chesed als das schönste Licht in Israels Zeiten. Nach dem Festgottesdienste, welcher sich allgemeiner Theilnahme erfreute, überreichte der derzeitige Vorstand der Chewra, die Herren Müller, Borgziner und Herr Pred. Weiler, dem einzigen noch lebenden Mitbegründer des Vereins, Herrn I. Mosberg, namens der Chewra einen Lorbeerkranz mit Widmung. — Wir wünschen, daß dieser Verein des Wohlthuns, des Brndersinns und der Liebe auch fernerhin wachse, blühe und gedeihe, durch treuliches Zusammenhalten, durch innere und äußere Festigung und durch weitere Vervollkommnung. Düsseldorf, 9. Mai. Die Mittheilung verschiedener Blätter, daß im Regierungsbezirk Düsseldorf ein Schächtverbot erlassen sei, beruht aus einem Mißverständnis. Die betr. Verfügung der Regierung, die die Betäubung aller Schlachtthiere (auch der bisher ausgenommenen Schafe) vorschreibt, bezieht sich nur auf die andern Schlachtmethoden; auf das jüdisch rituelle Schächten findet dieselbe keine Anwendung^ Uersonatien Mainz, 17. Mai. Eines der würdigsten und geachtetsten Mitglieder unserer Religionsgesellschaft hat in vergangener Woche im kräftigsten Mannesalter das Zeitlich« gesegnet. Ausgezeichnet durch strengste Frömmigkeit, durch größte Redlichkeit in Handel und Wandel, sowie durch eine umfassende Bildung, war Herr Nathan Heitmann bei allen seinen Mitbürgern ohne Unterschied des Glaubens in hohem Maße beliebt, auch die Behörden wußten seine Kenntnisse, seine Tüchtigkeit und feine redliche Gesinnung zu schätzen, indem sie ihn zum beeidigten Dolmetscher für fremde Svrachen beim hiesigen Großh. Landgericht ernannten. Er bekleidete dieses Ehrenamt eine lange Reihe von Jahren zur größten Zufriedenheit der Regierung. Am Grabe gab Herr Rabbiner Tr. Bondi '"l der Trauer um den Heimgegangenen beredten Ausdruck. Möge der Allgütige die trauernde Gattin und Tochter trösten. n'USJD. LenderSü-itfen. 10. Mai. Ein O'vni pnu hauchte am 20. Isar seine reine Seele aus und verdient derselbe es wohl, daß ihm in dieser geschätzten Zeitschrift, welcher er seit ihrem Erscheinen ein fleißiger Leser und treuer Freund war, einige Worte des Andenkens gewidmet werden. Es ist Herr Abraham Kissinger Ty von Rödelsee (Unterfranken>, von dem wir den geehrten Lesern des „Israelit" berichten wollen; er zählte zu denjenigen Männern, die Din' "irn immer seltener werden. Denn derselbe bewährte sich in allen Lagen und Zeiten seines etwas mehr als 80jährigen Lebens als ein D’Dn t£>’N u. Ci7t0 7pw. Uneimüdlichen Fleiß in L'ION m7'DJ u. may min und ps ""n, strenge Rechtlichkeit, Friedensliebe bethätigte er jederzeit in Wort und Thal, was ihm die Achtung und die Liebe aller seiner Glaubensgenossen und der Andersgläubigen verschasfte. Seiner ihm um einige Iabre im Tode voransgegangenen, in Frömmigkeit und Religiösität gleich gesinnten Gattin war er ein Muster eines Gemahls und mit David können wir auf beide nun sagen: orrcin crrra D’D'yjm D’anwn, rnej n7 denn auch im Tode sind sie nun im kühlen Grabe der Erde nebeneinander gebettet. Selbst ein großer Freund aller Thornbeflissenen und guten Jehudim, widmete er seine vier Söhne dem Lehrerberuse aus daß sic min H27 seien, religiöse Jehudim bleiben, er kannte nach des Tages schwerer Arb> it kein größeres Bergnügen, als mit seinen mindern zu lernen. Auch seine Töchter verheiraihcrc er nur an streng religiöse Männer. Eine seltene und außergewöhnliche Gewissenhaftigkeit und Begeisterung erfüllte ihn bei Ausübung der riETittf u. nu*n Funktionen. 2' "i ii. ra&y war fast '"7 '>7n gewidmet und bei msa nmcra:: n7D kannte er keinen Unterschied. Mit dem Verblichenen ging ein würdiger Schüler des großen Urahns Abraham, geziert mit den drei herrlichsten Eigenschaften nziDJ nn py ging ein Jehudi der alten Schule aus der Welt. Da er für nit'npn nun immer begeistert war, so erfüllten ihn stets Neuerungen, die daraus ausgingen, das wahre Iudenthum zu verdrängen, mit großer Wehmuth und mit aller Energie suchte er, wo es ihm ermöglicht war, solchen entgegenzuarbeiten und ihnen die Spitze zu brechen. Einen solchen Mann zu missen, ist für das ganze Iudenthum ein Verlust. Am Grabe bekundeten sämmtliche Redner das große Verdienst des seltenen Mannes, besonders war es Sr. Ehrwürden Herr DistriktSrabbiner Adler aus