Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 52 (3.7.1899)
- Date
- 1899-07-03
- Page
- Seite 1010 (sequence 6)
- Language
- German
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1010 8200 Quadratfuß zum Zweck der Errichtung einer Synagoge geschenkt. Die im Jahre 1843 bei einem Notar deponirte Schenkungsurkunde war verlegt und schließlich vergessen worden. Erst vor kurzem kam sie ans Tageslicht, nachdem das betreffende Terrain schon vor 30 Jahren in den Besitz des Fiscus übergegangen war. Die israelitische Gemeinde beabsichtigt nun, die Sache vor die Kammer zu bringen, damit ihr vom Fiscus eine Entschädigung für die ihr vorenthaltene Schenkung zutheil werde. vermischtes. Berlin Frau Baronin Clara von Hirsch hat einem in Oesterreich lebenden Verwandten namens Salomon Herer, der auf dem Boden des gesetzestrenen Judenthumsteht, ein Legat von vier Millionen Francs vermacht, daß er am Jahrzeit der Baronin das Kadischgebel verrichten, sowie 10 Prozent der Zinsen an würdige arme, streng religiöse Juden nach seinem Gutdünken vertheilen soll. Harbrrrg a. d. E. Auf dem hiesigen jüdischen Friedhof sind etwa 20 Leichensteine zum Theil umgeworfen, zum Theil demolirt worden. Der Vorstand unserer Gemeinde hat auf die Ergreifung des Thäters einen Preis auSgesetzt. Ein gleiches Bubenstück wurde jüngst auf dem städtischen Friedhhof verübt. In Amsterdam ist der allgemein angesehene Philantrop Dr. da Costa Gomez de la Penah gestorben. Er hat 36,500 Gulden verschiedenen jüdischen Instituten hinterlassen, 10,000 Guloen der portugiesischen Synagoge und 10,000 Gulden der Armen-Kommission der deutsch-israelitischen Gemeinde. Rew-Aork. Um die Tausende von jungen Jüdinnen, die Hierselbst in Geschäften und Werkstätten arbeiten, vor den Gefahren der Straße zu bewahren und ihre Lage zu verbessern, hat die Vereinigung jüdischer Gemeinden den Plan gcfaßt, in den dicht bevölkerten Distrikten der Ost- und Westseite und dem Harlem Mädchen-Klubs zu begründen. Feuilleton. „Wiebet eure Wxeinde." «ine apologetische Erzählung •#» •£»»#«. Von Arnold Wlnnn 2ö) Nachdruck verboten. Es war etwa 9 Uhr, als die letzten.Depeschen anlangten. Biesfeld hatte schon längst alle Hoffnung aufgegeben. Die winzigen Orte, welche noch ausstanden, vermochten die allzugroße Differenz nicht mehr auszugleichen. Todtenbleich, mechanisch nahm er dem Postboten die gelben Zettel ab, wie ein unabwendbares Verhängniß ließ er alles über sich ergehen; und hie und da flüsterte er Wegner ein resigniertes Wort entgegen. Auch die Menge der Uebrigen war stiller geworden; ein Jeder suchte seinen Zorn hinunterzuwürgen. Die Gesichter verzerrten sich, unartikulierte Laute wurden hörbar. Endlich — Schluß — es war vorbei. — Der nationalliberale Kandidat hatte die absolute Majorität.- Alles verstummt zunächst — nur der Regen, der unaufhörlich an die Scheiben klatscht, bringt einen Ton in die Stille — es ist, als ob alle erstarrt wären! Da tönt ein Wort, ein Ruf von der Thüre her in die Menge: „Schmeißt den Juden die Fenster ein-!" Robert Wegner wars, der den Ruf ausgestoßen, und wie ein Funke in ein Pulverfaß fällt er in die zur Explosion vorbereiteten Gemüther! Ein vielstimmiges Echo beantwortet ihn, die fremden Agitatoren schrieen weiter, man bricht auf, und schreiend, tobend wälzt sich, nicht achtend des triefenden Regens der wüthende Haufe durch die Straßen Gollheim's. Und nun begannen Scenen von mittelalterlicher Rohheit sich abzuspielen. Wo man auf ein Haus traf, in welchem Juden wohnten — und die meisten Juden Göllheims besaßen, wie meistens auf dem Lande, ihre eigenen Häuschen — da flogen Biergläser, die man mitgenommen, frische ausgerissene Pflastersteine, kurz was man an massiven Gegenständen gerade zur Hand bekam, durch die Scheiben der Fenster. Das Heulen und Johlen, mir dem die Menge jeden wohlgezielten, treffenden Wurf begleitete, übertönte das Klirren der brechenden Scheiben. Hie und da tönte aus den Häusern selbst ein markerschütternder Schrei, den ein erschrecktes Weib, ein geängstigtes Kind ausgestoßen, und mit rohem Rufen, mit Lachen und Pfeifen beantwortet ihn die wüthende Menge. Ob ihre Würfe die entsetzten Bewohner der heimgesuchten Häuser zu Tode treffen konnten, das kümmerte die Wahnsinnigen nicht. Ihnen galt es nur, die erlittene Niederlage durch einen Akt der Gewalt in eine Art Sieg zu verwandeln. Das Gasthaus zum „Löwen" lag an einem Ende des Städtchens, an der Chaussee, die nach H. führte. Es war eines der ersten Häuser Göllheims. Der tolle Haufe war vom „Löwen" aus durch zwei Straßen gezogen und stand jetzt wieder gegenüber dem Rathhaus, das hinter der protestantischen Kirche gelegen war, und an dem vorbei man auf den Kirchplatz gelangte. Dahin strömten die Wüthenden nun, um über jene Steintreppe, von welcher wir oben gesprochen haben, am Pfarrhause vorbei, dem nächsten Ziele ihres Zornes zuzusteuern. „Zum Judenpabst —!" hatte Einer gerufen und „zum Judenpabst" gröhlten die heiseren Kehlen wieder. „Hört, Kinder", begann Robert Wegner zu