Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 52 (3.7.1899)
- Date
- 1899-07-03
- Page
- Seite 1009 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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1009 Donath beantragt, Darlehen von 20 bis 80 fl. ohne Garanten zu leihen. Herr Plaschkes bemerkt, daß die Darlehen auf eine gewisse Summe zu beschränken seien, ferner schlägt er vor, durch eine freie, allgemein zugängliche Versammlung Propaganda für den Verein zu machen und bei Creditgewährung 5% zu nehmen. Der Vorsitzende entgegnet darauf, es fei nach dem mosaischen Gesetze verboten, Zins zu nehmen. Herr Klein will, daß vorgestreckte Summen der Mitglieder wie bei der Postsparkasse mit 3°/0 verzinst werden. Herr Freud er stellt die Anfrage, ob der Verein interconfessionell fei, was vom Vorsitzenden verneint wird. Herr Lemberger ersucht um Abkürzung der Debatte. Herr Plaschkes ergreift nochmals das Wort, bemerkt, das Statut sei genehmigt und könne jetzt nicht wieder abgeändert werden. Die Proponenten mögen die verschiedenen Anträge zur Kenntniß nehmen, mit dem Aufträge, selbe dem zu wählenden Vorstunde zur eingehendsten Untersuchung vorzulegen. Gewählt wurden die Herren: Wolf Janlus, S. Diamant, I. Feldmann, M. Figdor, S. Fischer, D. Fleischmann, L. Klein, R. Lunzer, Mensch, H. Neuseld, H. Plaschkes, I. Rabinowitsch, L. Richter, I. Stern, I. Weiner. Die Herren nehmen die auf sie gefallene Wahl dankend an. Bei der darauf staltfindenden Ausschutzsitzung werden die Funktionen an die Herren vertheilt. Präsident: Sigmund Fischer; Viceprosident: Wolf JauluS; Schriftführer Rudolf Lunzer; Cassier: David Fleischmann; Controleur: Jakob Rabinowitsch. Budapest. (Dieorth. isr. Volksschulen und die ungarische Sprache.) Dem, nichts weniger als philosemitischen „Westung. Grcnzboten" in Preßburg entnehmen wir nachstehende Notiz: Herr königlicher Rath Schulinspektor v. Plachy hat in der jüngst abgehaltcnen Verwaltungsausschußsitzung in ancrkennenswerther Weise hervorgehoben, daß in den orth. isr. Volksschulen zur intensiveren Pflege der ungarischen Sprache eine zeitgemäße und erfreuliche Aenderung vorgenommen wurde, indem der Obmann der Schulkommission, Herr Friedrich Duschinsky, den von kompetenter Seite schon seit jeher gehegten Wunsch behufs einheitlicher Leitung der Volksschulen nunmehr realisirte. In der letzthin abgehaltenen Schulkommissionssitzung wurde der seit 5 Jahren mit ersprießlichem Erfolge hier wirkende Lehrer, Herr Wilhelm K o h n, zum Direktor der vereinigten Knaben- und Mädchenschule gewählt. Daß die orthodoxe Gemeinde in kultureller Beziehung keine Opfer scheut, beweist zur Genüge, daß sie mit dem Kostenaufwand«: von 80,000 fl. ein neues Schulgebäude aufführen ließ, worin die Knaben-, Bürger¬ und die beideri Volksschulen untergebracht werden. Es sei noch ferner erwähnt, daß vom nächsten Schuljahre angefangen die Lehranstalten genannter Gemeinde mit einer Mädchenbürgerschule ergänzt werden. Daß das Gedeihen des UnterrichtswesenS eines besseren Aufschwunges sich erfreut, ist dem tobenswerthen Eifer der Vorstandsmitglieder, Herren Joel Wolf, Lazar Gestettner, Jzatz Herzfeld und neuestens Herrn Friedrich Duschinsky als Präses der Schulkommission zu verdanken. Schweiz. Basel, 26. Juni. Eine edle Frau, eine echte avh, hoben wir heute zu Grabe getragen, Frau Maria Dreysuß-Neumann, die Gattin des von allen hochverehrten langjährigen Präsidenten und jetzigen Ehrenpräsidenten unsrer Gemeinde. Mtt ihrem Gatten hat die Verstorbene 54 Jahre lang in einer Ehe gelebt, wie sie glücklicher und harmonischer nicht gedacht werden kann. Ihr Haus, dessen Seele sie war, war ein jüdisches, echt patriarchalisches, in welchem Kinder und Enkel sich liebevoll um sie schaarten. Gar manche Thräne wurde hier getrocknet, unzählige Wohlthaten gingen von hier aus. Stolz kannte sie nicht, mit der gleichen herzbezwing«rden Liebenswürdigkeit, mit Milde und echt weiblicher Sanftmuth kam sie allen, die ihr nähertraten, entgegen. Mit ihrem Gatten gründete sie das Asyl in Hegenheim (bei Basel) für altersschwache Glaubensgenossen, in welchem zur Zeit 18 ältere Personen einen sorglosen Lebensabend verbringen. So lange ihre Kraft ausreichte, war die Verstorb ne Präsidentin des Frauen-Vereins, und manche Nacht hat sie bei Kranken und Sterbenden durchwacht. Zu der waren nicht nur fast ausnahmslos die Mitglieder der hiesigen Gemeinde, sondern auch zahlreiche Nichtjuden und viele Freunde aus Mühlhausen, Karlsruhe, Frankfurt, Paris, Marseille erschienen. Im Hause schilderte Herr Rabbiner Dr. Cohn, selbst tiefbewegt, das Leben der Verstorbenen. Dann setzte sich der imposante Trauerzug in Bewegung. Zwanzig Wagen führten die nächsten Freunde und Verwandten nach Hegenheim, wo Herr Rabbiner Dr. Schüler Worte des Abschieds und der Trauer um die Heimgegangene sprach. Möge rrt^n den trauernden Gatten und die ganze tiefgebeugte Familie aufrichten und trösten. Griechenland. Athen, 17. Juni. Die hiesige, aus 70—80 Familien bestehende jüdische Gemeinde, hat bei der Regierung Schritte wegen Errichtung einer Synagoge gethan. Die Gemeinde glaubt dabei Anspruch aus eine Unterstützung des Staates zu haben. Die dem jüdischen Consul Portugals, Pacifikos, nahestehende Herzogin von Plaisance hat nämlich der jüdischen Gemeinde ein am Zapeion gelegene» Terrain von