Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 52 (3.7.1899)
- Date
- 1899-07-03
- Page
- Seite 1008 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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1008 zu erreichen pflegt; nachdem endlich bewußte, feste Beschränkung auf ein Ziel auch bei gemeinnütziger Thätigkeit nur von Vortheil ist, eS vielleicht besser sei, die Fürsorge auf dem erwähnten Gebiete ausschließlich denjenigen Vereinen zu überlasten, welche sich solch löblichenZweck zum Ziele gesetzt, und die begrenzten Mittel des Landesvereins der Erfüllung der ursprünglichen Aufgabe, den numerisch und wirthschaftlichen schwachen Cultusgemeinden die Aufrechterhaltung und Durchführung der nöthigen Cultusinstutionen zu erleichtern, möglichst unverkürzt zu erhalten. Denn jeder Einsichtige wird zugeben, daß wenn auch die Einheit des Zweckes eine Vielseitigkeit der Mittel zutäßt, eine Vielseitigkeit des Zweckes durch den Gebrauch ein und desselben Mittels nur selten eine ausreichende Förderung erfahren wird. Wir verlangen für diese Ansicht keine Prämie, brauchen uns derselben aber ebensowenig zu schämen, als etwa die altjüdischen Weisen des Ausspruchs: Een uh mnö ntren, und wir würden auf die Sache nicht weiter reagieren, wenn nicht die Hervorkehrung derselben mit der erkennbaren Absicht erfolgt wäre, zu Mißverständnissen Anlaß zu geben und unserm Namen und Wirken durch unzutreffende Andeutungen Abtrag zu thun. — Auf die übrigen Ausführungen des Aufsatzes einzugehen, haben wir umso weniger Veranlassung, als wir unsere Ansicht wiederholt dahin zu erkennen gegeben haben, daß bei der gegenwärtigen Zusammensetzung des Ausschusses und der umsichtigen, duldsamen Geschäftsführung des Vorstands Besorgnisse in der angedeuteten Richtung nicht begründet erscheinen. Wenn, wie bisher, die genannten Faktoren über die Parteien sich erhebend, zum Zwecke der Bewahrung des Judenthums vor religiösem und materiellem Ruin ihre Anstrengungen vereinigen werden: die ehrenhaften Leute mit ihrem gerechten Sinn und geraden Herzen, die Frommen mit den Hilfsmitteln ihres Glaubens und der mit persönlichen Opfern verknüpften Bethätigung religiösen Empfindens, die erfahrenen Männer mit ihrer Weisheit und Sachkunde, die Jugend mit ihrer Begeisterung und Initiative und endlich die Vermögenden mit ihrer Generosität und achtungswerthen Gesinnung — dann wird der Verein wie bisher die schönsten Ergebnisse zeitigen und das gemeinsame Gute durch ihn auch weiter gefördert und verwirklicht werden, by tsbw Dr. Deutsch. Leipzig, 23. Juni. Unsere armen Gemeindemitglieder erwerbsfähig zu machen, das ist das hohe Ziel, das sich unser verehrter Wohlthäter, Herr Alphons Jacobson, bei all seinen edlen Werken gesetzt hat. Diesem Zwecke dienen die von ihm gegründeten Schwesteranstalten, „Israelitische Speiseanstalt und Kinderhort", indem sie unsere armen Familien durch gute Nahrung kräftigen und ihre Kinder zu brauchbaren, gesitteten Menschen erziehen. Dieses Ziel erstrebt in letzter Linie auch feine neueste Schöpfung, die Israelitische SoolbadKolonie in dem bekannten Soolbade Dürrenberg bei Leipzig, die dieser Tage eröffnet wurde. In den großen Sommerferien sollen dort Kolonien schwächlicher Kinder unserer Gemeinde Aufnahme finden und ihre Gesundheit stärken und kräftigen, in den Sommerwochen vor und nach den Ferien sollen bedürftige erwachsene Gemeindemitglieder, denen Erholung und Stärkung noth thut, daselbst gesunden und zu neuer Arbeit Kräfte sammeln. En kleines Bauernhäuschen war es, das Herr Jacobson zu diesem Zwecke kaufte und umbauen ließ, aber wie praktisch, wie bequem und schön und doch einfach ist jetzt Ms in dem kleinen Hause dicht an der Saline eingetheilt und eingerichtet! Oder vielmehr in den zwei eng nebeneinanderliegenden kleinen Häuschen, zu denen auch ein kleiner Garten mit Laube und ein Stück Feld gehören. Schlaf- und Eßzimmer, Küche, Keller und sonstige Wirthschaftsräume, alles ist so vollkommen und praktisch für die Zwecke, denen das Ganze dient, eingerichtet, daß man sich auch nicht das Geringste anders angeordnet wünscht. Vorläufig sind in dem einen Hause (das zweite wird erst in diesen Tagen ganz fertig) neun Frauen untergebracht, die sich in der kräftigenden Salzluft des Ortes und unter der guten Pflege der bewährten Leiterin des Hauses gewiß recht erholen werden. Die ganz interne Eröffnungsfeier, der außer den jetzigen Hausinsaffen nur einige Leipziger Damen, denen zum großen Theil die so schöne Einrichtung der Anstalt zu verdanken ist, beiwohnten, und bei der unser verdienter Rabbiner, Herr Dr. Porges, eine kurze, warme Ansprache hielt, wurde nur dadurch getrübt, daß der verehrte Schöpfer des Ganzen, wenn er sich auch schon in der Konvalescenz befindet, doch der Feier noch nicht beiwohnen konnte; gebe Gott, daß wir ihn bald wieder völlig gesundet in unserer Mitte haben! Seinem neuesten, edlen Werke aber wünschen wir ein fröhliches Blühen und Gedeihen! O e sie rr.-U n g a r. Monarchie. Wien. Protokoll der konstituirenden General- Versammlung des israelitischen Hilfs- und Darlehens- Vereines „Jefchuah", abgehalten am 21. Mai 1899, 7 Uhr Abends, im Restaurant Kunstadt, II., Große Schiffgasse 8. Anwesend 25 Mitglieder. Im Namen de» vorbereitenden Komitee's begrüßt Herr W. P appenheim die Erschienenen und eröffnet die Versammlung. Zum Vorsitzenden wird Herr W. Pap p enhei m, zum Schriftführer Herr I. Freuder designirt. Hierauf setzt der Vorsitzenve den Zweck des Vereines auseinander und schreitet zur Verlesung der Statuten. Dabei entspinnt sich eine längere Debatte. Herr