Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 52 (3.7.1899)
- Date
- 1899-07-03
- Page
- Seite 1007 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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1007 denen bei weitem der wichtigste der in Frankfurt a. M. ist. Die dafür aufgewendeten Kosten haben reiche Früchte getragen, da beinahe die doppelte Summe der Ausgaben an Jahreseinnahmen erzielt wurde. Der Schatzmeister, Herr Konsul Friedemann theilte in seinem Kassenbericht mit, daß im laufenden Jahre ca. 9500 Frcs. nach Palästina gesandt wurden, während weitere 5000 Frcs. bewilligt und in der Kaffe reservirt wurden. Eine ziemlich lebhafte Diskussion knüpfte sich an den Antrag der Agitations- Kommission, wieder drei Tausend Mark, wie im Vorjahre, für Agitation zu bewilligen, da derselbe vielen Delegirten, besonders auswärtiger Vereine, nicht weit genug ging und die Stimmung allgemein für recht kräftige Agitation war. Schließlich wurde der Antrag jedoch einstimmig angenommen und im späteren Verlauf der Verhandlung wurden die vorjährigen Mitglieder der Agitations-Kommission per Akklamation wiedergewählt. Nachdem die Versammlung noch dem Frankfurter Komitee für seine eifrige Thätigkeit den Dank des Vereins ausgesprochen, wurde der Revisionsbericht verlesen und nach demselben die Decharge einstimmig ertheilt. Bei der Neuwahl des Central-Komitees wurden der Schatzmeister Herr Konsul Friedemann, per Akklamation, die Herren Dr. C a s p a r y, Berthold Israel und W. Bambus mit großer Majorität wieder-, ebenso die Herren Prof. Marburg und Willibald Löw enthal neugewählt. Die von mehreren Seiten gestellten Anträge auf Abänderung der Statuten werden dem Central-Komitee überwiesen, das seinerseits eine durchgreifende Umarbeitung der Statuten vornehmen und der nächsten General-Versammlung zur Genhmigung vorlegen soll. Nachdem die Tagesordnung erschöpft war, hielt Herr W. Bambus einen Vortrag über die Kolonieen und über dasjenige, was er in denselben bei seiner letzten Reise gesehen hatte, von der er erst unmittelbar vor der Generalversammlung zurückgekehrt ist. An den von den Delegirten sehr beifällig aufgenommenen Vortrag knüpfte sich eine lebhafte Diskussion über die Prinzipien und Systeme der jüdischen Kolonisation, an der besonders lebhaft Herr Stadtrath Levin aus Frankfurt a. M. theilnahm. Nach fünfstündiger Dauer schloß die Versammlung, indem der Vorsitzende den Delegirten für ihr Erscheinen dankte, während diese ihrerseits dem Vorsitzenden für die unparteiische Leitung der Geschäfte ihre Anerkennung aussprachen. Der in der Versammlung erstattete Bericht über die Entwickelung des Vereins wird demnächst veröffentlicht werden und hoffentlich recht viele Glaubensgenossen in Deutschland veranlaffen, sich dem „Esra" anzuschließen, dessen Wirksamkeit für die armen Juden, welche in Palästina sich dem Ackerbau widmen wollen, ihm ein Anrecht auf das thätige Interesse der Gesammtheit gibt. Berlin. Die erste Lifte der „judenfreien Sommerfrischen" Deutschlands und Oesterreichs ist soeben erschienen. Wir geben dieselbe in Hinsicht auf die Reiselust unserer Leser im vollständigen Auszug: Borkum, Juist, Amrum, Zinnowitz, Heiligenhafen, Müritz, Gehlberger Mühle (Thüringen), Großtabarz (Thüringen), Oberweiler (Schwarzwald), Hofhaus (Schliersee), Ruhpolding (Oberbayern), Trautheim (Odenwald), Grendelbruch (Unter-Elsaß), Frauenkloster (Ottilienberg), Herrenalb (Schwarzwald), Einöd bei Friesach (Obersteiermark), Ettlingerweiler und Bruchhausen Bad (Schwarzwald), Metlisalp (Berner Oberland), St. Johann bei Heiden (Appenzell), Gaisenftein, Jnner-Bartholomä und Bandaus (Vorarlberg), Ober-Audorf), und Kiefersfeldern am Inn, Gasth. „zur Gräfin Kufstein", Hinterriß (Bayern), Forsthaus, Walchensee, Langenhampfen, Ober-Bozen, Mezzolombardo (Rest. Gröbner), Reutsch b. Bozen, Cafe Schgraffer (Bozen), Sermione am Gardasee, Kitzbühel (Tirol), Hotel Schröder Neuenahr. Für Vervollständigung der Liste sind wir unseren Lesern dankbar. Fürth, 23. Juni. Wir erhallen folgende Zuschrift: In einer in Nr. 49 dieser Blätter „Au« Bayern" datirten Polemik gegen einen über die jüngsten Verhandlungen im Ausschuß des bayerischen Landesvereinfür die israel. Kultusgemeinden referirenden Bericht in Nr. 45 dieser Zeitung wird unter Anderem erwähnt, „die Gewährung von Beihilfen zur Sustentation und Pensionirung von Kultusbeamten fei in der genannten Ausschußsitzung von Dr. Deutsch bekämpft, jedoch gegen dessen Stimme angenommen worden." Nun aber verfügen wir weder über dasjenige Maß von Beschränktheit, wodurch uns die Einsicht, daß die vom Rechtsbewußtsein gebilligte und durch Gesetz nunmehr fast allgemein festgelegte Verpflichtung der Gemeinden zur Gewährung von Ruhegehalten und Pensionen an ihre Beamten auch für die jüdischen Kultusfunktionäre eine Nothwendigkeit fei, verschlossen wäre; noch besitzen wir denjenigen Grad von Bosheit, der es diesen Beamten mißgönnt, daß in Fällen, in welchen die Gemeinden dieser Angestellten und deren Familien Existenz über die Zeit ihrer Dienstfähigkeit hinaus nicht sichern können oder mögen, von anderer Seite Veranstaltungen getroffen werden, wodurch deren Zukunft durch Sustentatiomn und Beihilfen thunlichst gewährleistet wird. Darum handelte es sich jedoch in jenen Verhandlungen nicht, sondern lediglich um den Vorschlag, die Gewährung von Beiträgen zu Pensionen israel. Kultusbeamten mit unter die zahlreichen höchst dringlichen Zwecke und Ziele des Landervereins uneingeschränkt zu rangiren. Da war ich nun allerdings der Ansicht, daß nachdem ein Verein nicht Alles leisten kann und soll; nachdem ferner derjenige, der Vieles erstrebt, nur Weniges