Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 52 (3.7.1899)
- Date
- 1899-07-03
- Page
- Seite 1006 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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1006 einen der vielen Beweise für die Göttlichkeit der Thora in die Hand gibt. Blättern wir in der Nationalgeschichte eines jeden anderen Volke-, als der deS jüdischen, so spüren wir unwillkürlich auf Schritt und Tritt die Subjeclivität des Verfassers. Ein deutscher Schriftsteller schreibt als Deutscher, ein französischer als Franzose. Es wäre ein Ding der Unmöglichkeit — ja der menschlichen Natur zuwider — eine Aufgabe vollständig frei von der Eigenart anerzogener Anschauung durchzuführen und es wird im Gegentheil viel eher der menschlichen Natur entsprechen, wenn der Schriftsteller das ganze Feuer seines Empfindens in sein Werk hineinlegt. Stützt er dadurch doch nur sich selber. Sein Empfinden ist sein Können und das Können gibt den Ruhm. Als das Meisterwerk eines Genies, als klassisch mustergültig verherrlichen selbst die Neologen freiester Schattirung unsre Thora. Und doch! wie merkwürdig verschieden ist dieses Buch gegenüber sämmtlichen anderen Geschichtswerken. Nirgends irgendwelche Subjectivität, rein objectiv das erste, wie das letzte Wort. Da werden keine Menschen zu Halbgöttern gemacht! Ein Mann, wie Moses — in der ganzen Weltgeschichte gibt es keine würdigere Gestatt für die Feder, den Pinsel oder den Meisel des Genies — verschwind '»af; und gar hinter der großen Gesetzesfülle. ar wenig weiß die Schrift von ihm zu erzählen, jedoch rein gar nichts von seinen Nachkommen; dabei war er der Führer des jüdischen Volkes und der größte Mensch, der je gelebt hat. Und wie Moses ganz von seiner Aufgabe verdeckt wird, so auch alle anderen Personen dieses Buches. Jeder Stolz, jedes Wort, ja häufig der einzelne Buchstabe offenbaren nur das Bestreben der Belehrung; nirgends ein Anflug subjectiver Schönfärberei, nirgends ein Ausfluß menschlicher Kleingeistigkeit. Sogar vor den Schwächen der in ihr auftretenden Personen macht die Thora nicht Halt, sondern beleuchtet aufs schärfste, die oft schwerwiegenden Folgen der kleinsten Verirrung. Wie unendlich schwer mußte doch unser Lehrer Moseein wirklich verzeihbares Aufwallen büßen! 40 Jahre lang hatte der Stab, mit dem er in Egypten die Wunder vollführte, neben der Bundeslade geruht: und nun, wo er am Abend seines Lebens steht, spricht Gott zu ihm: „Nimm den Stab wieder in die Hand. Das Volk ist noch dasselbe, wie in Egypten; es bedarf noch der Wunder, um es an mich zu binden." Ein ganzes Lebenswerk — so in einem Augenblick vernichtet zu sehen — kann wohl etwas furchtbarer sein? trotzdem mußte Moses, weil er in der niederschmetternden Wucht seiner Bestürzung'den Gottesbefeh nicht genau befolgte, mit dieser Enttäuschung seines Lebens auch seinen sehnlichsten Wunsch begraben: das jenseitige Ufer des Jordans zu betreten. Wahrlich, ein göttlicher Geist spricht aus jeder Zeile. Wie sich allmählich mit dem Satze, die Weltgeschichte ist ein Weltgericht, die Erkenntniß von dem Wirken Gottes immer mehr Bahn bricht, so wird auch einst die Sonne über jenen Tag aufgehen, an dem die Thora als das Buch Gottes in dem Palaste der mächtigen Fürsten, wie in der baufälligen Hütte der Aermsten Anerkennung findet. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 13. Juni. Gestern fand tut „Münchener Hos" die Generalversammlung des „Esra, Vereins zur Unterstützung ackerbautreibender Inden in Palästina und Syrien" statt, zu welcher sich außer den Delegirten des Berliner Zweigvereins, zahlreiche Vertreter der auswärtigen Zweigvereine eingesunden hatten, darunter die Herren Stadtraih Lew in und Raphael E t t l i n g e r aus Frankfurt a. M., Herr Docent Dr. Braun aus Breslau :c. Der Vorsitz., Herr Moritz Dorn, eröffnete die Versammlung mit einigen herzlichen Worten, die dem Andenken des sel. Herrn Isidor Guttmann gewidmet waren, und erstattete alsdann den Jahresbericht, der außerordentlich befriedigend lautete. Die Einnahmen des Vereins sind im Jahre 1698 von 7664 ans 10 900 M. gestiegen; außerdem sind schon in den ersten fünf Monaten des Jahres 1699 von neuen Beiträgen neuerworbener Mitglieder 3000 Mk. cingegangen und die gleiche Summe ist noch zu erwarten, so daß die Einnahmen in diesem Jahre mindestens 17 000 Mark betragen würden, selbst wenn man von jeder weiteren Agitation absehe. Die Mitgliederziffer hat sich von 3481 Ende 1897 auf 3300, Ende 1898 und auf ca. 3600 am heutigen Tage vermehrt, wozu noch ca. 300 Mitglieder zu rechnen sind, die in den letzten Monaten geworben wurden und deren Beiträge noch nicht bei dem Kassirer eingegangen sind. Herr Dr. Hirsch Hildesheimer schloß an diesen allgemeinen Bericht denjenigen der Agitations-Kommission, aus dem hervorging, daß in dem Berichtsjahre neun Zweigvereine in 58 Plätzen gegründet sind, von