Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 37-38 (12.5.1899)
- Date
- 1899-05-12
- Page
- Seite 709 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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709 die Kalender nicht ohne Approbation einer anerkannten Autorität herausgegeben werden möchten. Dr. Salomon Bamberger, Distrikts-Rabbiner. G?« Steinheim, 8. Mai. Am Sonntag, dem 23. April fand hier eine erhebende Feier statt; es galt die Grundsteinlegung der neu zu erbauenden Synagoge festlich zu begehen. Nachmittags 3*/» Uhr wurde in der alten Synagoge der Minchagottesdienst abgehalten. Alsdann erfolgte die Aufstellung des Zuges mit der Schuljugend an der Spitze; hieran schloß sich der hiesige Stadtvorstand, dann Rabbiner und Lehrer, Synagogenvorstand, Synagogenchor, Gemeindemitglieder und zuletzt die Handwerker. An der Baustelle angelangt wurde die Feier durch einen vom Synagogenchor vorgetragenen Choral eröffnet. Alsdann erfolgte nach Verlesung der Urkunde die Einlegung derselben in den Grundstein; unter den üblichen drei Hammerschlägen, welche von Herrn Rabbiner Dr. G o l d s ch m i d t mit folgenden Worten begleitet wurde: „Im Namen Gottes, des Einig-Einzigen, legen wir heute hier den Grundstein zu einer neuen Synagoge. Ich weihe den Grundstein mit dem ersten Hammerschlage durch oen biblischen Vers, in welchem die Vorschrift, ein Gotteshaus zu errichten vor Jahrtausenden unseren Vorfahren gegeben wurde: „Sie sollen mir machen ein Heiligthum, damit ich wohne in ihrer Mitte." Ich weihe den Grundstein mit dem zweiten Hammerschlage durch den Vers, in welchem die geistige Grundlage eines jeden Gotteshauses ausgedrückt ist: „Du sollst lieben den Ewigen, Deinen Gott, mit Deinem ganzen Herzen, mit Deiner ganzen Seele und mit Deinem ganzen Vermögen." Ich weihe den Grundstein mit dem dritten Hammerschlage durch den Vers, welcher gestern in unserer Synagoge verlesen wurde, der das höchste Ziel und die höchste Aufgabe eines Gotteshauses ausdrückt: „Du sollst lieben Deinen Nebenmenschen wie Dich selber!" Alsdann hielt Herr Dr. Goldschmidt eine Predigt. Die Feier wurde wieder durch einen Choral beschlossen. Als erfreuliches Zeichen ist es anzusehen, daß sich fast sämmtliche Einwohner Steinheims ohne Unterschied der Confession an der Feier betheiligten, woraus man schließen darf, daß hier unter den verschiedenen Confessionen einheitliches Zusammenwirken herrscht. Zu diesem Neubau wurden wir behördlicherseits gezwungen und zwar durch Schließung unserer Neligionsschule aus sanitären Gründen. Aus demselben Grunde war auch die Renovirung der alten Synaloge unzulässig. Eine Tvpv bestand hier überhaupt nicht. Dieses alles wird jetzt in einem Bau verbunden, woraus uns ein großer Kostenaufwand erwächst, den unsere minderbemittelte Gemeinde unmöglich aufbringen kann. Wir richten daher bei dieser Gelegenheit an alle edeldenkenden Glaubensgenossen die ergebene Bitte, uns zu diesem Unternehmen eine Unterstützung gewähren zu wollen. Burgkundstadt. lönn In Ihrer jüngster Nummer veröffentlichen Sie einen Aufruf der „Freien Vereinigung des orthod. Judenthums zu Frankfurt a. M.", wonach A. I. Hof mann dort allein als Lieferant für iw empfohlen wird. Schreiber dieses hat als ivio gelernt, hat von dem hochseligen, unvergeßlichen *vxo tiiiö th in Mainz nfep; kann sich also infolgedeffen, und da er das miKBfett langer Zeit nicht mehr betreibt, ein unparteiisches Urtheil in dieser Sache erlauben; ich sage also, es ist mir unerfindlich, wieso die obengen. Firma das alleinige Monopol für iw haben soll. Ich habe z. B. vor nicht langer Zeit von Herrn iLD A. Rothschild, Frankfurt a. M. und ivio Kalman Levi in Gießen, welch letzterer von Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Dr. Hirschfeld, Gießen 762p besitzt, p^en bezogen und da ich mich als Fachmann für BHpn reKta interessire, so habe ich dieselbe von innen und von außen genau geprüft, und diese nach jeder Richtung hin für iw befunden. E» wird wohl noch mehr wiLD geben, die der Empfehlung der „Freien Vereinigung" würdig sind, und diese von der „Freien Vereinigung" gemachte Geschaftsschädigung nicht verdienen. H. Herrmann. Wir müssen es dem verehrl. Vorstand der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthod. Judenthums" überlassen, sich hierzu zu äußern; wir nehmen daher auch von dem Abdruck weiterer uns zugegangener ähnlicher Zuschriften vorerst Abstand. Red. d. Irr. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, im Jjar. Am 23. April fand hier eine Versamvllung statt, behufs Gründung einer „Freien Vereinigung zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judenthums." Die Einberufer: die Herren Mar cu s Bon di, MoritzFelsenburgundBernhard Hofbauer hatten die Genugthuung zu konstatiren, daß nahezu alle Geladenen ihrem Rufe folgten. Herr Hofbauer entwickelte Veranlassung und Zimck der Versammlung, indem ec heroorhob, daß die rituellen Einrichtungen in Wien den Ansprüchen der Orthodoxie nicht entsprechen. Die Cultusgemeinde könne den, wenn auch berechtigten Anforderungen einer Minorität keine großen Geldopfer bringen, sei auch durch Bethaus- und Humanitäts-Anstalten zu sehr in Anspruch genommen. Den strenggläubigen Juden genüge aber das