Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 37-38 (12.5.1899)
- Date
- 1899-05-12
- Page
- Seite 702 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2448988--48239-2498625- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
702 DaS geht Sie gar nichts an!) Wenn er sich darum nicht gekümmert hat, so kann er allerdings davon nichts verstehen. Ich habe angenommen, daß die Herren nicht blos die Gutachten lesen werden, die daS Abwehrkorn i!ee uns unterbreitet hat. Ich bitte, die Abstimmung über unseren Antrag für heute auszufetzen und später vorzunehmen; ich hoffe, daß das Haumeiner Bitte Folge geben wird. An die Thierfreundlichkeit deS Hcrrn v. Tiedemann kann ich nicht glauben, da derselbe in dieser Frage soviel Komplimente vor den Juden macht und nach deren Anerkennung strebt. Abg. v. Tiedemann: Ich vertrete die Anschauung, die ich für richtig halte; ich sehe nicht darauf, ob ich bei Christen oder Juden Anerkennung finde. Nur nach einer Anerkennung geize ich nicht, nämlich nach der des Herrn Liebermann v. Sonnenberg. Dem Wunsche des Antragstellers, die Abstimmung auszusetzen» entspricht das Haus nicht: der Antragsteller v. Liebermann bezweifelt daher die Beschlußfähigkeit des Hauses. Diesem Zweifel schließt sich das Bureau an: die Sitzung muß daher abgebrochen werden. Zeitungsnachrichten und Eorresponden;en. Deutschland. -ä- München im Mai. (Verein zur Förderung jüd. Wissenschaft (anerk. Verein) V,nx]). Von dem Bestreben geleitet, auf dem Gebiete des jüdischen Religionswesens namentlich für die weibliche Jugend vermehrte Nnterrichtsgelegenheit zu schaffen, damit die Heranwachsenden Mädchen sich^ dereinst als Frauen wie in früheren Zeiten als Zierde und Stütze des echt jüdischen Hauses erweisen und geeigenschaftet sein sollen, jüdischen Geist, jüdische Sitte und jüdische Tugenden hochzuhalten und auch ihren Kindern ins Herz zu pflanzen; von diesem Bestreben geleitet, ließ es sich die Vorftandschaft des Vereins in sorgfältigen und langjährigen Bemühungen angelegen sein, eine für erwähnte Zwecke geeignete Lehrkraft zu finden. Es gelang endlich, in dem Cantor der Waisenhaus-Synagoge in Fürth, Herrn Leopold Rotter, nicht nur einen best qualificirten Lehrer, sondern auch einen weiteren, mit vorzüglichen Stimmmitteln begabten Cantor für die Vereins- Synagoge zu engagieren, welch letzteres Moment im Hinblick auf den in den letzten Jahren nicht immer befriedigenden Gesundheitszustandes des verdienten I. CantorS, Herrn L. Levi eine wesentliche und erwünschte Entlastung für diesen Beamten ermöglicht. Die Einnahmen aus der Vermiethung von Betplätzen, sowie aus den Spenden beim Aufrufen u. s. w. haben auch im abgelaufenen Jahre eine neuerliche, erfreuliche Zunahme erfahren. Durch diesen Umstand, sowie durch die Einführung von Schulgeldern, welche fortab seitens der Eltern der an dem Talmud-Thora- Unterricht theilnehmenden Kinder zu bezahlen sind, gelang es, in dem Budget des Vereines die Ausgabensteigerung, welche das oben erwähnte Engagement einer weiteren Lehrkraft verursachte, auszugleichen. Diejenigen Mitglieder und Nichtmitglieder, welche durch diese Spenden, sowie durch Schenkungen und Zuwendungen die weitere finanzielle Consolidirung des Vereines erleichterten und so eine hochideale, den jüdischen Interessen dienende Sache fördern halfen, haben sich ein Anrecht auf wärmsten Dank erworben und ist es zu wünschen, daß dieselben in ihrer Opferwilligkeit nicht erlahmen und auch in aller Zukunft dem Verein und seinen Zielen ihre vollen Sympathieen zuwenden. Die Gemara-Schiurim des Vereines, welche der Leitung des rastlos und unermüdlich wirkenden Herrn Dr. Ehrentreu anvertraut sind und getrennt zu verschiedenen Zeiten, theils für die Studirenden der Hochschulen, theils für meist dem Kaufmannsstande zuzuzählende Hörer abgehalten werden, erfreuen sich einer stets wachsenden Beliebtheit und einer immer mehr rege werdenden Theilnahme; dieser Umstand legt glänzend Zeugniß ab dafür, wie vortrefflich Herr Dr. Ehrentreu es versteht, als Träger und Verbreiter des göttlichen Lichtes thätig zu sein. Durch Tod wurden dem Vereine im verflossenen Jahre leider die Herren Salomon Hirschinger und Jakob Levisohn, sowie derSchechita-Beamte Herr Meier Danzig entrissen. Diesen durch tiefe, innere Frömmigkeit ausgezeichneten Verstorbenen, die zu den eifrigsten und gewissenhaftesten Besuchern der Vereins-Synagoge zählten und von denen besonders der Erstgenannte — wie in diesem Blatte anläßlich seines Hinscheidens s. Zt. auch eingehend gewürdigt wurde — sich durch unermüdliches, gründliches Thorastudium hervorthat, wird ein treues und dauerndes Andenken bewahrt bleiben. Aus Vermiethung von Beiplätzen erzielte der Verein im verflossenen Jahre M. 4907.50, an Beiträgen der Mitglieder M. 732—, an Beiträgen f. d. Beth-Hamidrasch M. 150—, an Spenden beim Aufrufen rc. M. 3429.80, Schulgelder M. 290—, Erlös für Jahrzeitslichter M. 173.40, Ertrag der Sammelbüchsen M. 140.40, Verschiedenes M. 575.60. Dagegen erforderten: Gehälter und Gratificationen M. 3400—, Reiseentschädigungen an 5 zu Probevorträgen gekommene Lehrer M. 280—, Regie- Aufwand M. 2134.99, Bank-Annuität M. 3150, Heimgezahlte Obligationen M. 500—, Obligations- Zinsen M. 740. An Schenkungen erhielt der Verein insgesammt M. 391—, für Talmud-Thora-Zwecke M. 565—, an Jahrzeitsstiftungen: Von Herrn Kaufmann FelixFeuchtwanger für seine verstorbene Gattin, Frau Thekla Feuchtwan g er M. 300—, Von Herrn Kaufmann L. Fleischhacker für seine verstorbene Gattin, Frau