Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 36 (8.5.1899)
- Date
- 1899-05-08
- Page
- Seite 692 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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692 — durch die Colonien, die sie doch nur aus reinster Menschenliebe gegründet und dotirt haben, sich bereichern wollten! Und als ob Hirsch und Rothschild etwas mit dem Zionismus zu thun hätten. Diesem Letzteren stehen wahrlich keine Millionen zur Verfügung, das hat die Subscription auf die Bank doch Jedem gezeigt. Ferner sagt Ströter: „In Egypten hat Israel 400 Jahre Ziegel streichen müssen, zum Theil ohne Stroh. Aber zuletzt hat Egypten doch sein Gold und Silber Herausrücken müssen. „Unsere Väter in ganz Europa haben die Juden Jahrhunderte lang ausgesogen, beraubt und geplündert. Jetzt muß die Zeche bezahlt werden — mit Zinsen. Denn der Gott Israels ist ein gerechter Gott." — Und so versteht es Herr Ströter fort und fort in seinem Pamphlet in der scheinbar süßesten Weise zu verdächtigen und Gift zu verbreiten — ein Wolf im Schafspelz.) Mag Herr Ströter doch nach Rußland gehen und sich die armen, gedrückten, ihres Glaubens wegen duldenden Sklaven ansehen, für die da- Leben eine Qual ist; und mag er dann weiter nach Algier, nach Marokko wandern und Umschau halten nach den jüdischen Glücksgütern! Aber es paßt auch dieses Aufschneiden betreffs jüdischer Reichthümer in den Kram Ströter's. Nur darauf zu Behauptungen aufgestellt! Denn die Meisten, die sein Merkchen lesen, prüfen es ja doch nicht auf seine Wahrheit, können es nicht prüfen. — Ich .will schließen, mein lieber Herr M., und zwar mit den Worten Ströter's Ste. 19, den einzigen originellen, die wahr in dem Merkchen find. „Nur die halbe Wahrheit haben, ist aber oft gefährlicher, als ganz im Wahn stecken!' Nun bringe ich Ihnen meine herzlichsten Grüße dar und gebe Ihnen die Versicherung, daß ich mich als Mensch ebenso einig mit Ihnen fühle, wie Sie es vermeinen, erst durch den Glauben zu erreichen. fDer Uebersender des Büchelchens sagt nämlich, und er bezieht dies auf feinen Glauben „Mein sehnlichster Wunsch ist, daß nichts mehr zwischen Ihnen und mir sei, was trennt".) „Du sollst lieben deinen Nächsten, wie dich selbst" (3. B. Mos., Cap. 19, V. 18) ist, wie der weise Hillel, einer der Gelehrten des Talmuds, sagt, der Kern des Gesetzes. Und so werde diese Liebe, die Sie ja auch dem „alten Testamente," also dem Judenthum, entnommen haben, nie zwischen uns getrübt. — Zeitungsnachrichten und Correspottdenzen. Deutschland. Berlin, 25. April. Am 23. d. M. ist hier, wo er seit vielen Jahren in stiller Zurückgezogenheit seinen Studien lebte, der ehemalige Rabbiner Dr. Isidor Rosenfeld in beinahe vollendetem 84. Lebensjahre nach schwerem Leiden gestorben. Derselbe war im Jahre 1811 zu Zduny geboren, besuchte das Gymnasium in Breslau und die Universität zu Berlin, wo er ein Schüler von Zunz war, wurde dann Rabbiner zunächst in Nordhausen und hierauf in Worms. Rosenfeld war ein frommer, liebenswürdiger und gelehrter Mann, dessen Name bei seinen zahlreichen Freunden in treuer Erinnerung fortleben wird. Die Beerdigung des Verstorbenen fand am 27. v. M. in Weißensee statt. Ehre seinem Andenken! Köln, 2. Mai. Warum das Centrum gegen das Schächtverbot gestimmt hat, verräth die „Kölnische Volkszeitung", indem sie schreibt: „Die „Kreuzzeitung" kommt auf die Schächtfrage zurück und bedauert dabei, daß das Centrum „jedes Einschreiten gegen die Uebergriffe des Judenthums und die gemeingefährlichen Bestrebungen der Socialdemokratie mit der einförmigen Begründung ablehnt, für Ausnahmegesetze sei es nicht zu haben, weil es dadurch für sich selbst einen bedenklichen Vorgang schaffen würde". Früher hat die Kreuzzeitung einmal das Centrum in dieser Beziehung zu beruhigen und darzulegen gesucht, daß die Katholiken heute keine Ausnahmegesetze mehr zu befürchten hätten und deßhalb ruhig Ausnahmegesetze gegen andere machen könnten. Diese Betheuerung wiederholt das Blatt heute nicht mehr; wir haben ihm damals auch eingehend nachgewiesen, daß es Unrecht hat. Es besteht ja noch für uns ein ungeheuerliches Ausnahmegesetz: das Jesuitengesetz. Wenn man uns in dieser Beziehung also zu beruhigen sucht, so ist das nur auf die ganz Harmlosen berechnet. Die Kartellbrüder, die sich noch nicht einmal entschließen können, das bestehende Ausnahmegesetz abzuschaffen, würden uns neue bescheren, sobald sie nur erst wieder die — Macht dazu hätten." Bischofsburg, 3. Mai. Der Prozeß, welchen die hiesige jüdisch; Gemeinde gegen den Inhaber des Hotels Lunau führt, ist vom Landgericht Bartenstein zu Ungunsten des Hotelbesitzers entschieden worden. Herr L. übernahm das Hotel mit der Verpflichtung, der jüdischen Gemeinde einen von ihr seit langen Jahren zum Gottesdienst benutzten Raum auch ferner unter den alten Bedingungen zu belassen. Durch den Umbau des Hotels wurde nun der Zugang zu dem Vetsaale verlegt und über eine Veranoa geführt. Die Gemeinde machte geltend, daß sie durch die Verlegung des Zuganges behindert werde und erlangte ein obsiegendes Urtheil, welches bestimmt, daß der frühere Zustand wieder hergestellt werden muß. Nürnberg, 4. Mai. Bei der Grundsteinlegung für eine neue katholische Kirche, wobei auch die protestantische und die israelitische Geistlichkeit vertreten war, hielt Herr Erzbischof Dr. v. S ch o r k eine Ansprache, die wegen ihrer beherzigenswerthen Worte tiefen Eindruck machte. Mit Anerkennung hob er