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Der Israelit · 1899-05-08 · Heft 36 (8.5.1899) · p. Seite 691

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 36 (8.5.1899)
Date
1899-05-08
Page
Seite 691 (sequence 9)
Language
German
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XX, Jahrgang. Beilage ß M 36 -es „Israelit". Leitender Artikel. Heimgeleuchtet. Von Simon Frankfurter, Wesel. (Schluß.) Herr Ströter stellt lauter Behauptungen auf, die den klaren Worten Gottes entgegen sind. So sagte er (St. 15.) „Wenn Israel erkannt haben wird, daß es nimmermehr kann durch des Gesetzes Worte vor Gott gerecht werden" u. s. w. Ja, weßhalb hat Gott denn eigentlich das Gesetz gegeben? Weßhalb ermahnt er uns, es zu halten? Verspricht er uns doch Leben für die Beobachtung der Gesetze, und damit kann doch nur das ewige Leben gemeint sein, denn dieses Leben ans der Erde ist doch nur ein kurzes, und grade die Besten leben zumeist am kürzesten. Verspricht uns der Ewige doch reichlichen Lohn, wenn wir in seinen Geboten wandeln! Und da will Herr Ströter uns weiß machen, der Jude könne durch das Gesetz nicht gerecht werden? Die so allgemein gehaltene Behauptung ferner, Israel habe bis -auf diesen Tag niemals den Anforderungen des ihm von Gott gegebenen Gesetzes entsprochen, ist auch eine Behauptung, welche von der heiligen Schrit Lügen gestraft wird; denn unter mehreren frommen Königen hat Israel in Wohlfahrt d. h. in Frieden gelebt. Würde überhaupt das Gesetz so unausführbar fein, wäre es wahrlich nicht vom höchsten Gott erlassen worden. Der Allwistende bürdet dem Menschen nichts Unmögliches auf. Er hat uns beauftragt und verpflichtet, das Gesetz zu halten, es bildet mit seinen Geboten einen zb'v ma ewigen Bund zwischen uns und dem Ewigen, und darum besitzen wir auch die Möglichkeit, Gottes Wort in Ehren zu halten, und kein Mensch, kein Wesen kann uns von dieser Verpflichtung entbinden: denn selbst wenn ein Prophet mit Zeichen undWundern austreten würde, Zeichen, die sich erfüllen, und wollte er uns unserem einig einzigen Vater im Himmel abspänstig machen oder zur Abgötterei verleiten, der Prophet ist nicht G ottes, er ist ein Werkzeug in der Hand des Höchsten, uns auf die Probe zu stellen, wir halten uns streng an Gott und sein Gesetz. Lesen Sie gefälligst, weither Herr M., hierüber in getreuer Uebersetzung 5. B. Moses, Kap. 13, V. 2—6 incl., und Sie werden einsehen, daß Herr Ströter, der doch wahrlich weder Prophet, noch wunderthätig wirkt, mich eines anderen gewiß nicht überzeugen kann. Gradezu Thatsachen stellt Herr Ströter auf den Kopf, er lästert ganz konsequent in antisemitischer Weise Israel, wenn er selbst das Edle in den Staub zieht und sagt (St. 7.) „Und wären sie am Sinai nicht so vermeffen gewesen, und hätten sie nicht in Verleugnung ihres eigenen Fleisches gesagt: „„Alles, was der Herr gebietet, das wollen wir thun,"" dann hätte das Gebot, das doch zum Leben gegeben war, ihnen nicht zum Tode gereicht." >Man denke!) Gegen solche beschränkte, oder besser gesagt, entstellende Austastung ist wahrlich mit Vernunft kaum mehr zu kämpfen. Also, wenn das Volk, begeistert von der Erhabenheit und Größe der Erscheinung des Ewigen, Gehorsam gelobt hat, sollte ihm solches zum Verderben gereicht haben? O heilige Einfalt! Das schönste, hehrste Gelöbniß Israels war grade diese», und Ströter's Ansicht — wenn sie nicht dem verhaltenen Haste gegen Israel entquillt, — seine Logik ist ebenso bedauerswerth, wie sein Styl, der auch wahrlich eines „Professors" [bcr Uebersender des Merkchens betitelt ihn nämlich so) nicht würdig ist. So spricht er u. A. (St. 32) von tobten Leichnamen." fKlassisch ist auch ein Satz, Sie. 6, War das etwas, das Abraham in Chaldäa von den Weisen und Sterndeutern aufgegriffen hatte?); so finden sich Sätze in beut Merkchen, die gradezu unverständlich durch ihre Stylistik sind. — Ich könnte eine Unmaste von Widersprüchen anführen, in die sich der Verfaster verwickelt, aber, 'wie bemerkt, die Zeit ist mir zu abgemesten. Das aber kann ich Ihnen sagen, ein waschechter Antisemit kann keine raffinirteren Schläge zuführen, als sie Ströter in diesem Werkchen auszutheilen sich bemüht. So sagt er S. 24: „Fluch dem Gekreuzigten! murmelte der Jude." — „Ich frage ihn, wo hat er dieses Gemurmel jemals gehört? Möge er es doch sagen, wo in aller Welt? Als Mann „der Wahrheit und de» Glaubens", als den er sich gerirt, muß er diese» sagen. Dann flunkert er von jüdischen Millionen, gerade wie Ahlwardt jSt. 28 heißt e» nämlich:) „Die zionistische Bewegung entsteht und hat eine bedeutende Literatur. In allen Ländern ist sie verzweigt. Es wird ernst und eifrig agitirt. Mit jüdischer Colonisation sind bedeutende Anfänge schon gemacht. Das jüdische Großkapital (Hirsch und Rothschild) istinteressirt. Millionen stehender Nationalbewegung zur Verfügung." Was soll man zu solch entstellender und gehässiger Behauptung sagen, als ob die Hirsch und Rothschild — das liegt doch in dem Worte interessirt

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