Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 36 (8.5.1899)
- Date
- 1899-05-08
- Page
- Seite 688 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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aus Osarkov, am 24. v. M. an der hiesigen^Unterstützungscasse und bei Entgegennahme des verabreichten Geschenkes befangen waren. Höchstwahrscheinlich befindet sich dieses verdächtige Kleeblatt auf der Route durch Unterfranken, Württenberg oder Baden. Pollack, Cassier der hiesigen Unterstützungs-Sasse. Oe st er r.-Ungar. Monarchie. Wiett, 3. Mai. Im Landtage brachte der Antisemit Schneider eine Interpellation wegen der Konfiskation des „Deutschen Volksblattes" ein, welches ein Mäochenmord in Polna den Juden zuschreibt. Der Landmarschall verweigerte die Verlesung der Interpellation, worauf Schneider schrie, daß Christenmädchen von Juden ermordet werden; der Landtag müsse den Muth haben, dies auszuspcechen. Er werde sehen, ob sich Minister bestechen lassen, wie in der Affaire TiSza-Eßlar. Schneider wurde wiederholt zur Ordnung gerufen und als er weitertobte, wurde die Sitzung suspendirt. Nachod, 6. Mai. Bürgermeister Dr. Dvorak telegraphirt an die „N. fr. P." Es ist nicht wahr, daß der Stadtrath Dr. Eizeck bei der Gemeinde- Ausschußsitzung am 4. Mai die Schuld an der Ausdehnung der Excesse der Gendarmerie zuschrieb; es ist nicht wahr, daß bei dieser Sitzung die Schmähungen: „Jagt die Juden aus der Stadt!" gehört wurden, und ist auch nicht wahr, daß Fabrikant Barton jun. sich es in antisemitischen Aeußerungen erging. Königgrätz, 6. Mai. (Die Nochoder Excesse.) Eine Reihe von Personen, die an den Nachoder Excesien betheiligt waren, wurden in den letzten zwei Tagen verurtheilt. Einer der Haupträdelsführer, der 20jährige Arbeiter Joseph Czepelka, der sich an der Plünderung des Landes'schen Geschäftes betheiligt hatte, erhielt 18 Monate schweren Kerkers. Das Ehepaar Franz und Lucie Stelzig hatte sich den Gendarmen entgegengestellt. Er entblößte die Brust und rief den Gendarmen zu: „Her mit Bajonnetten, durchbohrt mich!" Der Mann wurde zu 14 Monaten, die Frau zu einem Jahre schweren Kerkers verurtheilt. Der 22jährige Weber Joseph Pfeifer, der die Menge zu Gewaltthätigkeiten aufgereizt und an dem Demoliren der Läden theilgenommen hatte, wurde mit 13monatlichem Kerker bestraft. Der 15jährige Spenglergehilfe Stephan Dyrsar schlug bei der Firma Lederer und Stransky ein Fenster ein und stahl einen Havelock. Aus dem erbrochenen Laden Müller's nahm er Kerzen und Zuckerwaaren mit sich. Er erhielt sieben Monate schweren Kerkers. Der 20jährige Weber Franz Hron feuerte die Menge mit den Worten an: „Haut die Juden!" und rief den Gendarmen zu: „Schämt euch!" Das Wchqsl lautet auf 13 Monate schweren Kerkers. Der 22jahrige Weber Joseph Mörawek, der bei der Firma Lederer den Leuten durch Einbruch das Plündern ermöglichte und sich sehr aufreizend benahm, wurde zu 16 Monaten schweren Kerkers verurtheilt. Rußland. Petersburg, 5. Mai. Die Ruff. Telegraphen- Agentur bezeichnet die Meldung der Blätter, wonach in Folge antisemitischer Unruhen über Odessa der Belagerungszustand verhängt worden wäre, mit dem Bemerken als jeder Begründung entbehrend, daß an competenter Stelle von irgend welchen Unruhen in Odessa nichts bekannt sei. Rumänien. Bukarest, 4. Mai. Für den ersten Mai, den Ostermontag des rumänischen Kirchenkalenders, war in Berlad ein antisemitischer Putsch geplant. Eine lokale antisemitische Gruppe hatte für den genannten Tag eine öffentliche Versammlung angesagt, an der auch Mitglieder des nationalen Studentenkomitees von der Jassyer Universität theilnehmen sollten. Am Tage vorher war eine Flugschrift verbreitet worden, welche zur Vertreibung der Juden aufforderte. Da eine Nachahmung der Bukarester Judenhetzen vom 5. Dezember 1897 gefürchtet wurde, so verließen zahlreiche Judenfamilien die Stadt. Der von diesen Vorgängen verständigte Ministerpräsident gab dem Präfekten sofort den Befehl, gegen eventuelle antisemitische Straßenexceffe mit aller Energie vorzugehen. Das Antisemitenmeeting ist aber ungehindert abgehalten und auf demselben zur Vernichtung des Judenthums in Rumänien aufgefordert worden. Bukarest. Der Artillerie - Reservelieutenant Moriz Le i b owitz wurde aus den Lasten der Reserveoffiziere der rumänischen Armee gestrichen, „weil er das rumänische Bürgerrecht nicht besitzt". Sein Vater ist naturalisirter Rumäne, dem Lieutenant aber hat der rumänische Senat die Anerkennung des rumänischen Bürgerrechtes versagt. Moriz L e i b o w i tz war am 28. September 1868 zum Unterlieutenant und und am 31. Januar 1897 zum Lieutenant ernannt worden. Die rumänischen Zeitungen veröffentlichen die beschämende Thatsache, daß ein Soldat in seinem Rechte gekränkt wurde, ohne daran einen Ausdruck des Bedauerns zn knüpfen. Vermischtes. Aas dem Harze Im Anschluß an meine im letzten Sommer veröffentlichten „ReisebriefeausdemHarze", kann ich nunmehr berichten, daß schon in diesem Sommer ein koscheres Restaurant in Suderode von Herrn Rosenthal aus Hannover eröffne: wird. Es ist nur sehr zu wünschen, daß sowohl vom Besitzer als auch von den jüdischen Badegästen die in jenen Artikeln gemachten Vorschläge befolgt werden, und daß besonders die jüdischen Badegäste dies Unternehmen unterstützen mögen. Tr. Mannheimer —Oldenburg.