Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1899-05-08 · Heft 36 (8.5.1899) · p. Seite 689

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 36 (8.5.1899)
Date
1899-05-08
Page
Seite 689 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448953-2448987--48225-2498610
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

NeuiUetott 689 iebet eure Weinde." -K--K--K" Eine apologetische Erzählung. Von Arrnolv ffttmw- 11) Nachdruck verboten. Wir verließen Wegner im vorigen Kapitel, als er am anderen Morgen von der am Abend vorher stattgehabten Zecherei mit Biesfeld und Görbig erwachte. Als er angekleidet war, brachte ihm seine Haushälterin den Kaffee. „Herr Feist hat schon etlichemale nach Ihnen gefragt!" berichtete das Mädchen. „So, so," erwiederte Wegner und machte sich über das Frühstück her, „was wollt' er denn wissen?" „Wann Sie gestern nach Hause gekommen sind!" „Was geht denn das ihn an?" war die barsche Antwort. „Er meinte, Sie hätten mit ihm zusammen fahren wollen!" „Ich wollt' aber nun nicht!" Dann sagte er nichts mehr, sondern aß und trank wortlos weiter. Das Mädchen entfernte sich, verwundert den Kopf schüttelnd. Wie er so allein saß, fiel Wegner mit einem Male auch der eigentliche Zweck seiner gestrigen Fahrt nach H. wieder ein, auf's Neue erwachte der Aerger über das nicht zustande gekommene Geschäft. Er versank in Nachdenken. Wie wärs, wenn er doch zu dem verlangten Preise gekauft hätte? Ja, wenn er noch sicher gewesen wäre, die Hölzer schlank abznsetzcn, dann konnte er sich wohl mit einem geringeren Nutzen begnügen. Aber so! Kein Bau in Aussicht, nur einige armselige Schuppen! Da konnten die Sachen jahrelang liegen, und wenn dann die Preise sanken, so war der Verlust fertig. Ein Klopfen an der Thür weckte ihn aus seinem Sinnen. Allein, ehe er noch „Herein" rufen konnte, war sie auch schon geöffnet, und Seligmann Feist trat in die Stube. „Guten Morgen, Robert" grüßte er munter, „hast ein bischen lange geschlafen heute! Wohl spät zurückgekommen aus der Stadt?" „Ja, sehr spät" war die Antwort, „Fünf-Uhr- Zug versäumt!" „Ich habe mir fast die Augen aus dem Kopf geguckt nach Dir!" „Ach so, ja!" machte Wegner. „Hast Dich wohl draußen auf dem Holzplatz verspätet?" fragte Feist geduldig weiter, obwohl ihm die Einsilbigkeit Wegners bereits auffiel. Jetzt erst erhob Wegner den Blick zu Feist empor, bis dahin hatte er mürrisch vor sich hingeschaut. Wie er aber nun das klare, offene Auge des Freundes mit einem leisen Schimmer fragender Sorge auf sich gerichtet sah, wurde ihm mit einem Male wieder warm ums Herz. Nein! Es war doch nicht möglich! Dieser herzensgute Mensch war rein und ohne Falsch bis in den Grund seiner Seele hinein! An dem war kein Makel! Mochten die Beiden aus der Dreikönigstraße an ihm zweifeln, sie kannten ihn nicht, wie e r ihn kannte-! Und wenn es wahr ist, daß alle Juden minderartige, menschliche Wesen sind, daß man sich von ihnen fern halten, oder vielmehr ihre Entfernung ausdrücklich erstreben muß — nun, dieser Eine machte eine rühmliche Ausnahme von allen Andern. An diesen Einen sich anschließen, das that so wohl, das erweckte ein Gefühl stiller Sicherheit im Herzen, ein Gefühl hingebenden Vertrauens, wie es keines Menschen Umgang sonst, wachzurufen vermochte! Diese plötzliche Wandlung beim Anblick Seligmann Feist's ging in Wegner so schnell vor sich, daß er nicht einmal davon zu sprechen für nöthig fand; er empfand zwar drückend, wie er dem Freunde durch dieses stundenlange Zweifeln ein stillschweigendes Unrecht zufügte, aber wozu von der unangenehmen Sache reden? Schon war ja aller Zweifel geschwunden. Wegner legte, nach einem langen Blick auf Feist, in die Worte, welche er jetzt sprach, einen Ton offener und ungeschminkter Herzlichkeit: „Du bist doch mein einziger Freund, Feist!" sagte er, aber den fragenden Blick Feist's konnte er nicht aushalten, sondern senkte, wie aus einer bösen That ertappt, das Auge. „Ich denke doch, Robert;" erwiederte Feist, „aber was hast Du denn?" setzte er fragend hinzu. Nun war Wegner in Verlegenheit. Feist durfte die Wahrheit nicht erfahren. Was würde der Ahnungslose von ihm denken? Würde er sich nicht für immer von ihm zurückziehen, wäre nicht das Freundschaftsband damit in der Thal zerrissen, ein unbefangener Verkehr für alle Zeiten unmöglich? Nein, nur das nicht! Er suchte nach irgend einer Ausrede — da war auch schon eine: „Ich bedarf nämlich eines freundschaftlichen Rates" sagte er, „in einer geschäftlichen Sache — weißt Du!" setzte er nach einer kurzen Pause hinzu. „Du kannst über mich verfügen, Robert, daran wirst Du doch nicht zweifeln?" . entgegnete Feist feierlich. Wegner erzählte nun von dem gestrigen Holz-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.