Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1899-05-08 · Heft 36 (8.5.1899) · p. Seite 687

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 36 (8.5.1899)
Date
1899-05-08
Page
Seite 687 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448953-2448987--48223-2498608
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

687 Der Abgeordnete Schmidt erklärte auf Provokation eines der Schächtgegner, daß er allerdings in früheren Jahren im Landwirthschaftskalender einen Aufsatz gegen das Schächten geschrieben habe, heute aber sei er durch die Gutachten und durch den ausgezeichneten Bericht des Abg. Wittum zu einer anderen Ansicht gekommen. Dieser Aufsatz hat seiner Zeit im „Israelit" die gebührende Zurückweisung gefunden. Wir hoffen mit dem Abgeordneten Dr. Heimburger, daß Herr Schmidt die Leser des Landwirthschaftlichen Kalenders am Jahresschluß auch von seiner anderen Ansicht in Kenntniß setzen wird. Eine Aufklärung der Bevölkerung auf dem Lande nach dieser Seite hin ist in hohem Grade wünschenswerth und gerade in dieser Hinsicht sind die jüngsten Landtagsverhandlungen hoffentlich von großem Werth. Wenn gebildete Vertreter des Volkes freimüthig zugeftehen, daß die Agitation der Thierschutzvereine gegen das Schächten sie in solcher Weise beeinflußt hat, so kann man sich den Eindruck vorftellen, den diese seit Jahren systematisch betriebene Hetzerei auf das Volk selbst haben mußte. Und es ist nicht nur das Volk, es sind selbst höher stehende Beamte, welche diese Propaganda gegen das Schächten für eitel Thierschutz hielten und die Animosität gegen das jüdische Schlachtverfahren mit der Zeit theilten. Als vor einiger Zeit Israeliten der Schweiz an der benachbarten badischen Grenze schächten wollten, wurde ihnen von Beamten und Behörden dies so erschwert, daß seit längerer Zeit dort nicht mehr seitens der schweizerischen Israeliten geschächtet wird. Damals kam übrigens Folgendes vor. Schweizerische Israeliten ließen durch ihren Schochet in einem badischen Grenzdorf schächten, in welchem gar keine Juden wohnen und niemals wohnten. Die christliche Bevölkerung ließ das Schächten ruhig gewähren. Aber der Schächter der nächsten jüdischen badischen Gemeinde lief von Pontius zu Pilatus und gewann unseren Oberrath sowie den Amtmann dafür, daß das Schächten den Schweizer Israeliten an der badischen Grenze zu untersagen sei, wenn sie nicht den badischen Schochet nehmen oder ihm eine jährliche Pauschalsumme zahlen wollten. Die betr. Israeliten aus der Schweiz wandten sich damals an mich, und ersuchten mich um meine Verwendung gegen diesen Gewaltakt, der ihnen ihre durch die Zoll- und Grenzabgaben ohnedies vertheuerte Schechita noch mehr erschwerte; ich war aber leider nicht in der Lage mich mit Erfolg für dieselben zu verwenden. Ich mag dieses ganze Verhalten hier nicht mit dem rechten Namen nennen; aber ganz verschweigen kann ich angesichts der religiösen Toleranz des Landtags diese jüdische, von der ersten jüdischen Behörde des Landes unterstützte Intoleranz doch nicht. Vielleicht hat unser Oberath der Israeliten inzwischen auch seine Anficht, wie der Abg. Schmidt geändert. Er hat sogar an den Landtag eine Denkschrift zu Gunsten des Schächtengerichtet, womit er im Hinblick auf seine Mitglieder, die das ganze liebe Jahr hindurch »an» gene öffentlich nv->v essen, kein kleines Jntellektopfer gebracht hat. Unseren iviv-Essern ist es übrigens in dieser Sitzung auch recht deutlich unter die Nase gehalten worden und wenn dieselben Angesichts dieser Verhandlungen sich gelobten, diese Schechita, für die sie petitioniren, um auch praktisch zu benützen, nicht aus religiösen Motiven — Gott bewahre — sondern aus Rücksichten des esprit du corps, des Chillul- Haschem, den jeder Jude, der unter den heutigen Verhältnissen noch nsna ißt, auf dem Gewissen hat, so wäre das noch die schönste Errungenschaft dieser Landtag-Verhandlungen. Wenn!! Aus der bahr. Pfalz. Vor einigen Tagen erging an sämmmtliche israelitischen Lehrer und Kantoren der Pfalz von Seilen des Lehrers H. Feibelmann in Dahn die Einladung zu einer Zusammenkunft zu Neustadt a. H. am 11. Mai nächsthin, um über die Gründung eines israelitischen Lehrervereins der Pfalz, bezw. über den Anschluß der phälzischen Lehrer und Kantoren an einen der anderen größeren israel. Lehrervereine, z. B. an den südwestdeutschen oder an den bayrischen Lehrerverein, zu berathen. Der Zweck dieses Vereins soll die Hebung des Religionsunterrichtes und die Besserstellung der Religionslehrer sein. Dabei soll aber der Verein auch die besonderen Interessen der israelitischen Elementarlehrer ins Auge fassen und sie nach außen vertreten. — Von den Herren Rabbinern der Pfalz, die ebenfalls zu der Versammlung eingeladen wurden, um den Lehrern und Kantoren berathend zur Seite zu stehen, haben bereits zwei ihr Erscheinen in Aussicht gestellt, wofür ihnen die bei der Versammlung erscheinenden Lehrer sicher dankbar sein werden. Möchten nur auch die sämmtlichen israel. Herren Elementarlehrer, Religionslehrer und Kantoren sich durch nichts abhalten lassen, der Versammlung beizuwohnen. Marklbreit a. M. (Unterfr.), 5. Mai. Zur besseren Orientirung in der von Herrn Löwinger, Frankfurt a. M., im vorwöchentlichen Israelit Nr. 35 gebrachten, eine gewisse Frau Clara Thalmann aus Lods betreffenden Angelegenheit, in welcher es sich um Entwendung der derselben gehörenden Legitimationsdocumente handelt, diene hierdurch jüdischen Kassen zur Unterstützung armer, israelitischer Durchreisender und insbesondere diesbezüglichen Jntereffenkreisen, daß der als unberechtigter Aneigner obenbezeichneter Papiere beschuldigte Jtzik Meier Fischhof aus Tomaschow bei Lods, sammt Frau und Kindern, in Gemeinschaft eines gewissen Solom Stryjkowsky

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.