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Der Israelit · 1899-05-08 · Heft 36 (8.5.1899) · p. Seite 686

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 36 (8.5.1899)
Date
1899-05-08
Page
Seite 686 (sequence 4)
Language
German
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686 rigkeit aller Erwerbsverhältnisse keinen Freibrief für die Unterlassung des Thoraftudiums. Freilich waren es auch damals nur einzelne Auserlesene, welchen die Thora ihr ganzer Lebens beruf, denen dwbw omr war. Aber wenn auch nicht alle rmo e^oy waren, alle hörten doch die Thora, halten ein Ohr für sse, halten Vereine, die sie allabendlich versammelten, um die Lehren der Thora zu lehren, halten Bothe Midrasch, die Tag und Nacht offen standen, und jedem der wollte und konnte, die Möglichkeit boten ihren Durst nach den Worten der Thora zu stillen. Es war in jeder jüdischen Gemeinde dafür gesorgt, daß der Gottes-Wunsch, der wenigstens Gehör für feine Thora erbittet, nicht unerfüllt auf der jüdischen Gesammtheit lastete, der Wunsch, den der Sänger des 81. Psalms in die Worte kleidete: br. r:3K »yor «fcr ot: 'b w b .'"P Z'VH VN'-IL „Möchte mein Volk doch auf mich hören, Israel mit Bedacht in meinen Wegen wandeln, wie schnell würde ich seine Feinde demüthigen und über seine Dränger meine Hand wenden." Eine prüfende Umschau in den jüdischen Gemeinden der westeuropäischen Diaspora nach dieser Seite hin, die im Hinblick auf die bevorstehende Gedächtnisfeier der Thoraoffenbarung nach den Stätten sucht, in welchen die geoffenbarte Thora gelehrt, verbreitet und weiter vererbt wird, führt zu einem ungemein betrübenden Ergebniß. (Schluß folgt). Zeitungsnachrichten und Correfpondenren. Deutschland. Frankfurt a. M. (Israelitischer Almo senk asten.) Im Jahre 1898 wurden vom Almosenkasten der israelitischen Gemeinde M. 14,821 Jahresbeiträge und M. 49,777 Spenden vereinahmt, wozu M. 15,612 Zuschuß aus dem Zinserträgniß kamen. Vertheilt wurden an 554 Familien und Alleinstehende M. 76,696 (im Vorjahre M. 79,232); die Verwaltungsspesen betrugen M. 35t4. Aus der Hecht'schen Stiftung wurden M. 1980, aus der von G. Speyer gegründeten besonderen Rücklage M. 5700 vertheilt. Die Verwaltung wäre in eine schwierige Lage gekommen, wenn nicht ein Vermächtniß des in Paris verstorbenen Dr. S. H. Goldfchmidt von M. 10,000 der Anstalt zugeflossen wäre; von sonstigen größeren Gaben sind zu erwähnen M. 4000 von Freifrau von Rothschild, M. 1040 von Frau Regine Weiller, M. 1000 von den Erben von H. Steffens u. s. w. Für die besondere Rücklage spendete Gg. Speyer M. 5000. Karlsruhe. Nun hatten auch wir unsere Schächtdebatte! Sie fand vor Kurzem in der Sitzung der zweiten Kammer des badischen Landtags statt und hatte dasselbe Resultat wie die Reichstagsverhandlung über denselben Gegenstand. Vielleicht sind die Schächtgegner in unserem Landtag noch mit etwas blauerem Auge davon gekommen, als die Anti-Schächter im Reichstage. Es ist hier wie dort dieselbe Couleur. Es ist die Liebe zu dem lieben Rindvieh und Kleinvieh, die es ihnen angethan hat. Gegen die Juden haben sie nichts, am allerwenigsten gegen das Schächten der Juden, wenn dieselben nur den passiven Theil bei dem Schächtverbot zu übernehmen so freundlich sein wollten. Daß die Juden diese Freundlichkeit nicht besitzen, ist in den Augen der Pfisterer und Polterer gegen das Schächten eine Anmaßung.. Der Umstand, daß der Badische Landtag den Forderungen der religiösen Toleranz und den Gutachten der Fachwissenschaft mehr Bedeutung beilegt als diesem Gepolter und Gepfister gegen das Schächten, hat ihm von dem Abg. Pfisterer den Vorwurf eingebracht, daß er unter jüdischem Einfluß stehe. Er hat diesen Vorwurf nicht allzuernst genommen und wir Juden haben gewiß keinen Grund uns zu echauffiren, wenn man den Einfluß der religiösen Toleranz und die Achtung vor der Wissenschaft als etwas specifisch Jüdisches bezeichnet. Die Debatte hat von ihrem eigentlichen, erfreulichen Resultat abgesehen zur Folge gehabt, daß sie verschiedene Abgeordnete, die bisher Gegner des Schächtens waren, zu Vertheidigern des jüdischen Schlachtverfahrens gemacht hat. — Zunächst hat dies der Berichterstatter Abg. Wittum von sich selber eingeräumt. Sein reichhaltiges, klares und übersichtlich geordnetes Referat zeigte, wie sich der Referent mit allen Seiten der Angelegenheit vertraut gemacht hat. Er gestand unumwunden zu, die maßlose Agitation der Thierschutzvereine mit ihren tausenden von Flugschriften habe auch bei ihm die Meinung zur Folge gehabt, daß die jüdische Schlachtmethode eine Thierquälerei sein müsse. Seitdem er aber die Angelegenheit ernstlich studirte, sei er zu der Ueberzeugung gekommen, daß man den Thierschutzvereinen nicht die Lösung dieser Frage überlassen könne, sie sei vielmehr einzig und allein Sache der Regierungsbehörden und Parlaments, die kompetente Fachmänner zu hören hätten um die Wahrheit zu ermitteln. Diese Fachmänner hätten nun gesprochen und zwar zu Gunsten des Schächtens. Der Referent würdigt dann eingehend auch die von den Schächtgegnern ins Treffen geführten Gutachten und die anderen für ihre Agitation geltend gemachten Momente, deren Unzulänglichkeit er ohne große Mühe nachweist.

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