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Der Israelit · 1899-05-04 · Heft 35 (4.5.1899) · p. Seite 667

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 35 (4.5.1899)
Date
1899-05-04
Page
Seite 667 (sequence 9)
Language
German
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XJL. Jahrgang. Erste Keilagr M M 35 -es «Israrüt". Leitender Artikel. Heimgeleuchtet. Von Simon Frankfurter, Wesel. (Fortsetzung.) Der antisemitische Pferdefuß der Schrift des Herrn Ströter kommt aber, trotz des ihr so schön übergeworfenen Mantels der Liebe in seiner Art, mit der er von Jacob, unserem Erzvater, als einem „Ränkeschmiede" fliehe Schluß des ersten Kapitels, Ste. 3) spricht zum Vorschein j „Schon vor der Geburt ein Fersehalter, von der Mutter selbst auf Schleichwege geführt, ist Jakobs ganzes Leben bis zur Furt Jabbok ein fortgesetztes Ringen und Pläneschmieden um den eigenen Vortheil. Das färbte sein Gebet zu dem Gott, der ihm bei Bethel erschien; unb das färbt jetzt noch seinen aufrichtigen Sühneakt gegen seinen Bruder Esau", so heißt es in dem Ströter'schen Pamphlet. Herr Ströter sucht nämlich, wie deutlich aus allem hervorgeht, zu beweisen, daß Esau ungerechter Weise hintergangen war, daß er in seinen Rechten geschmälert worden, so sagte er mit einer gewissen Wehmuth: „Gern hätte der Vater den verheißenen Segen auf den erstgeborenen Esau übertragen."J Aehnliches haben ja auch Ahlwardt und Genoffen von den Juden gesagt, sie seien „Ränkeschmiede" schon von ihrem Erzvater Jakob an. — Verheißt aber nicht Gott, der allwissend ist, und — wie der Prophet Jeremias Kap. I. V. 5 sagt: Bevor ich dich im Mutterleibe gebildet, habe ich dich gekannt" — weiß, welchem Wandel Esau und welchem Jakob sich ergeben wird, schon vor der Geburt der Zwillinge dem Jsaac: (1 B. Mos. Kap. 25, V. 23.) „Der Aeltere soll dem Jüngeren dienen?" Und ist es nicht göttlicher Wille, daß Jsaac den Jakob segnet, weil er, wie die Bibel sagt (1. B. Mos. Cap. 25, V. 24.) ein er b»*k ein „frommer Mann" falso nicht der unverdienten freien Gnade, sondern des Verdienstes halber erwählt), während Esau ein wilder, roher Geselle ist, der auf die Jagd geht und seinem Blutdurst fröhnt? Ist er nicht genügend von der Bibel als roh gekennzeichnet, wenn man nur die Schilderung liest, wie er von der Jagd zurückkehrt und von dem „Rothen" verlangt und dafür, für ein Linsengericht, für einen augenblicklichen irdischen Genuß, das hohe geistige Gut, das Recht der Erstgeburt verkauft? Da müffen Sie, werther Herr M-, erst den Urtext lesen und das Sprachgefühl für das Hebräische mitbringen, wie eS nur ein Jude besitzen kann; dann lesen Sie in dem Vers 30 das kj yin&i, welches man sonst nur von Thieren gebraucht, denen man Nahrung giebt, es heißt wörtlich: Gieße mir doch den Hals voll von diesem Rothen ssiehe Raschi zur Stelle) und ist etwa mit dem deutschem Ausdrucke „zu fressen geben" zu vergleichen. Liest man so den ganzen Zusammenhang, erkennt man Esau's thierischen Charakter. Ersehen Sie dann später, wie Esau sich Frauen genommen, die demJsaac und der Rebeckah gram waren, dann lernen Sie ihn nochmals kennen. — Hätte man nun erwarten dürfen, daß Gott einem solch verkommenen Subjeete Heil oder, wie Herr Ströter sagte „Gnade" zutheil werden ließe? — [Unb dennoch will Herr Ströter beweisen, daß es nur unverdiente freie Gnade war, die dem Jakob zu gute kam.)" — Einem Menschen, der da sagt: (Cap. 27. V. 41, 1. B. Mos.) „Die Trauertage meines Vaters werden kommen, so will ich meinen Bruder Jacob umbringen", will man noch gewissermaßen (wie zwischen den Zeilen Ströter's zu lesen ist, der Jacob als Betrüger hinstellt) das Wort reden? Nein, Jsaks Verblendung mußte von Gott, da er gerecht ist, entgegengewirkt werden, und Jakob, dem Frommen, mußte von der von Gott durchdrungenen Rebecka der Segen besorgt werden. — Wie kann sich Herr Ströter unterstehen, das Gelübde Jacob's in Beth-El zu schmähen und es als eigennütziger Act, mit anderen Worten als ein Feilschen zu bezeichnen? Das ist geradezu eine Schändung der Ehre des Erzvaters, der allerdings durch Ströter's Angriffe nimmermehr berührt, geschweige denn verletzt werden kann. Also das Gebet zu Gott, von dem er nur Hut auf dem Wege ersteht, den er auf der Eltern Befehl einschlägt, (flehe Cap. 28. V. 1 und 2) nachdem ihm die Gottheit erschienen ist und ihm die herrlichsten Versicherungen gegeben hat, dieses Gebet, in dem er Gott in demüthigster Weise nur um Brod und Kleidung bittet und um Rückkehr in Frieden zum Elternhause, dafür aber verspricht, gottesfürchtig zu sein und Wohlthaten auszuüben, dies echt menschliche Gebet sollte von Ringen und Pläneschmieden um den eigenen Vortheil gefärbt, mithin ein Feilschen sein? Dabei kennt Herr Ströter den Sinn des Wortes ofcr (V. 21) nicht mal. Jakob sagt hier V. 21: „Wenn ich in Frieden zurückkehren werde", d. h. nicht in körperlichem, sondern, wie der Geist des Wortes besagt: „in Seelenfrieden" d. i. behütet vor der Sünde, da er befürchtet, wie die Tradition lehrt, im Hause des Götzendieners Laban Schaden anlder Seele zu^leiden. —.Nun genug hiervon.' Gerade durch diese Schmähung zeigt

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