Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 35 (4.5.1899)
- Date
- 1899-05-04
- Page
- Seite 666 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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H 66V l so versäume er nie, den Juden Feist mit seinem Besuche zu beglücken und längere Zeit in anregendem Gespräch bei ihm zu verweilen. Andererseits, so dozierte Tettenborn weiter, sei ebenso unglaublich das Verhältnis Feift's zu seinem Nachbarn, dem Holzhändler Robert Wegner. Dieses Verhältnis sei typisch für das Verhältnis der Christen zu den Juden in Göllheim überhaupt; ja, es sei sogar vorbildlich für die Uebrigen, die in dem freundschaftlichen Frieden zwischen den beiden Nachbarn ein aneiferndes Beispiel erblickten für ihr eigenes Verhalten. Es sei ein Skandal gewesen, wie vor mehreren Jahren die ganze christliche Bevölkerung an einem jüdischen Fest, einer Synagogen-Einweihung, theilgenommen habe. Wenn es gelänge, dieses innige Verhältnis zwischen Feist und Wegner zu lockern, oder gar Zwiespalt zwischen ihnen hervorzurufen, so wäre das der Anfang vom Ende. Dann wären die Juden bald isolirt und müßten in Zukunft ihre Feste unter sich feiern. Der Nutzen aber für die bevorstehende Wahl ergebe sich hieraus von selbst. Paul Biesfeld verhehlte sich nicht, daß hier seine agitatorische Kraft auf eine schwere Probe gestellt würde. Es galt, eine harte Nuß zu knacken. Aber mit der Aussicht auf die Schwierigkeit des Werkes wuchs auch die Kühnheit dieses Allerweltsmenschen, der sich untersing, eines der schönsten und herzerfreuendsten Freundschaftsbündniffe, die je geschloffen waren, mit frevelnder Hand, auf heimtückischen Schleichwegen zu zerreißen. Das böse Saatkorn, welches der Verkünder christlicher Liebe auf dem protestantischen Pfaarrstuhl zu Göllheim seinem ehrenwerthen Gesinnungskumpan anvertraut hatte, war in den rechten Boden gesenkt. Es begann zu keinem: Die wüste Szene in dem düsteren Hause der Dreikönigstraße zu H. war dafür klarster Beweis. —- Am Morgen nach seiner Heimkehr von H. war Robert Wegner mit wirrem Kopf erwacht. Er mußte sich erst besinnen, was denn eigentlich am Tage zuvor passiert war, daß ihm so eigenthümlich zu Sinn. Er kam sich als ein ganz Anderer vor, erschien sich selber wie ausgewechselt. Was war es dann gewesen? Etwas Neues! Etwas Ungeahntes, Unerhörtes! Soviel empfand er deutlich!;Aber was?-Was? Er rieb sich die Augen und setzte sich im Bette auf. Da fiel sein Blick durch das Fenster auf das Dach des gegenüberliegenden Hauses, an dessen Giebel der Strahl der Morgensonne hinglitt. Dieser Sonnenstrahl auf Seligmann Feift's Hause brachte Robert Wegner Erleuchtung! Ja! das war's! Er hatte gestern die Juden kennen gelernt, von Grund auf kennen gelernt, aus dem Munde ehrenwerther, erfahrener Lehrmeister hatte er die Wahrheit über diese Sippschaft erfahren! Und dann — dann halte er ein Bündniß geschloffen mit den Beiden, die nicht nur so ernst und gemessen reden konnten von den heiligsten Dingen der Menschenbrust, sondern die doch auch zu zechen verstanden und lustig und fidel zu sein! Nein, es war zu schön gewesen. Solch vergnügte Stunden in solch angenehmer und nützlicher Gesellschaft mußte man sich von jetzt an öfter verschaffen-! Das waren die Gedanken und Entschlüffe, die in Wegners Seele auftauchten, während er sich langsam ankleidete. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wfiohentlich zweimal, Montags and Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend hoher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Ulrv Buchhandel, verkehrt durch V. iff. Sleinacker, Leipzig, Rohplatz JC. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitze'le oder deren Raum. Preis ver Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen Lsterr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3784. Telephon 315. «ne Rücksendung per an die Redaction eingesandten «annseripten findet nicht statt, man bittet deshalb, sich von allen Einsendungen eine Eopie zurückzubehalten «ellensuchende erhalten auf Wunsch die Inseraten Beilage vier Wochen lang grätig und franco -»gesandt. Inhalt (Hanptvlattl. Leitender Artikel: Vorbereitung zum Schabuoih-Feste. — Zeitungnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: München. Worms. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Preßburg. Frankreich: Paris. Däne mark: Kopenhagen. -- Personalien; Bodenfelde. — Feuilleton: „Liebet eure Feinde." (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Betlaa«: Leitender Artikel: Heimgeleuchtet. — Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M. Lübeck. — Vermischtes. Inhalt der -weiten Beilage: Leitender Artikel: Die Nahrung deS gesunden u. kranken Magens. — Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen: Deutschland: Berlin. Mühlhausen. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Prag. Personalien: Eleiwitz. — Mittheilungen aus den jüd. Armenvereinen und für dieselben: Frankfurt a. M. Extra-Beilage: Sprüche der Väter. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Jsraeltt", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'scheu Hofbuchdruckerei-Actierr-Gefellschaft in Mainz. Hie*rrr drei Beilagen.