Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 35 (4.5.1899)
- Date
- 1899-05-04
- Page
- Seite 664 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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i lyill|iyip||||||j 664 er ist dies ein Legat von 12,000 Kr., das ihm unter vielen Concurrenten zugefallen ist. — Ein langjähriger Repräsentant unserer Gemeinde, Herr M. Nathanson, ist zum Chefredacteur des Regierungsblattes ernannt worden; seit 40 Jahren hat derselbe als Journalist gewirkt. Personalien, -f »odenfelde, 1. Mai. Am O’B'np ntriD p'^y, den .21. April, verstarb in Uslar Herr Simon Driesen in einem Alter von 75 Jahren. Der Verstorbene erfreute sich sowohl bei seinen Glaubensgenossen, als auch bei den nichtjüdischen Mitbürgern der allgemeinen Achtung, wovon auch die Betheiligung am Leichenbegängnisse am 24. April Zeugnis gab. Geboren zu Obersitzko, Prov. Posen, übersiedelte er später nach Berlin und zog in seinen letzteren Jahren mit seiner Gattin zu seinem Sohne, dem Kaufmann Julius Driesen in Uslar. Er hat das Glück genossen, am 21. Oct. v. I. mit seiner Gattin das Fest der goldenen Hochzeit zu feiern, wovon ich seinerzeit dem ..Israelit" Bericht gab. Obgleich bisher körperlich rüstig, kränkelte er doch seit etwa einem halben Jahre; seit etwa 6 Wochen bettlägerig, hat ein sanfter Tod seinem Leben ein Ende gemacht. In der Filialgemeinde llslar hat der Verstorbene mit allem Eifer der Aufrechterhaltung des jüdischen Cultns sich gewidmet, auch selbst mehrfach die Stelle eines VorbeterS versehen. Am DmD noch hat er die mit lauter und kräftiger Stimme unter allgemeinem Beifalle vorgelesen. Wie er selbst, in Frömmigkeit und Wohltbätigkeit ausgewachsen, so war auch feine Frömmigkeit ungeheuchelt und ungezwungen: ohne zu übertreiben, wollte er das zum religiösen Leben Erforderliche beibehalten und nicht verkümmern lassen, und so suchte er auch bei seinen Glaubensge nossen zu wirken. Bei der Beerdigung, zu welcher aus den Nachbarge metnden, Moringen, Adelebsen, Carlshafen und Helmarshausen, viele herbeigeeilt waren, hielt zunächst Herr Lehrer Weinberg die Trauerrede, in welcher er ganz besonders das treue, herzliche Festhalten des Verstorbenen an dem überlieferten Judenthunl lobend hervorhob. Darauf verabschiedete sich Herr Lehrer Triefen—Tauberbischofsheim, welcher mit seinen beiden übrigen Brüdern aus der Ferne herbeigekommen, um dem Vater die letzte Ehre gu erweisen, mit rührenden Worten von seinem verstoroeneu Pater. „Wie Abraham zu 75 Jahren in ein anderes Land berufen wurde, so auch der Abgeschiedene." Die Trauerfeier machte einen erhebenden Eindruck! Möge dem Verstorbenen die Erde leicht fein! Zürich, 1. Mai. E-ines der angesehensten, verdienst vollsten Mitglieder der hiesigeil jüdischen Gemeinde, Herr- Raphael Lang, ist von jähem Tode dahingerafft worden. Der Heimgegangene, ein würdiger Sproß der vortrefflichen in dem benachbarten Baden domizilirenden Familie, tvar ein Muster tiefinniger Frömmigkeit, unerschöpflichen Wohlthuns, wahrhaften GesinnungSadels. Die gefetzestreue Gemeinde beklagt in ihm einen ihrer Begründer und langjährigen Leiter. Das Andenken des ausgezeichneten Mannes wird bei Allen, die ihn gekannt, reichgefegnet fortleben. rr'Diun. Feuilleton. iebet eure Weinde." -45c- Eine apologetische Erzählung Von fttmtfltr Hann 30) Nachdruck verboten. Biesfeld hatte sich nicht getüncht. Er wurde von dem Komitee als antisemitischer Agitator ausgenommen, nachdem er sich in mehreren Versammlungen, in denen er zur Probe austreten sollte, als ein ebenso vorzüglicher Redner wie schlagfertiger Debatter erwiesen hatte. Nun war ihm geholfen. Sein ganzes Streben war jetzt darauf gerichtet, sich über die Dinge, die zu seinem Berufe gehörten, die nöthigen Kenntnisse anzueignen. Ec verschlang förmlich die antisemitischen Hetzschriften und bald wurde man auf ihn selber aufmerksam, als er eine Anzahl der treffendsten und wirksamsten Flugblätter verfaßt hatte. Das wurde jetzt seine Spezialität, durch die er sein Einkommen allmählich ganz bedeutend erhöhte. Man hatte in ihm einen vorzüglichen Mitstreiter in dem würdigen Kampfe gefunden und nahm ihn, wie er sich darbot, ohne skrupulöse Fragen. Die antisemitische Bewegung hatte sich allmählich zu einer antisemitischen Partei konsolidiert, zu einer Partei, die im politischen Würfelspiel ihren Antheil beanspruchte. Es galt, der Partei eine Anzahl Sitze im deutschen Reichstage zu erringen. Das würde ihr Ansehen im Volke nicht nur bedeutend erhöhen, sondern gäbe, wenn auch erst in absehbarer Zeit, die Handhabe zu kräftigerem, erfolgverheißendem Vorgehen. Allein trotz aller Anstrengungen gelang es zunächst nur einen einzigen Kandidaten durchzubringen, der als einsame Säule im Parlamente dastand. Es war nicht zum Geringsten den gewaltigen Anstrengungen Paul Biesfeld's zu verdanken, daß wenigstens dieser eine Wahlkreis der Partei gerettet wurde. Er entfaltete eine unermüdliche Thätigkeit als Agitator, zahllose Versammlungen leitete er, erfüllte er mit fortreißenden Reden. Besondere Meisterschaft aber entfaltete er in der persönlichen Agitation. Er nahm sich die Bauern auf dem Lande einzeln vor und machte ihnen die antisemitischen Ideen plausibel, wobei er thatsächliche Vorkommniffe wirksam benutzte. Sein treuester Bundesgenosse aber war — der Neid. Wo es ihm gelungen war, ihn in den Herzen seiner Zuhörer aufzustacheln, da hatte er gewonnenes Spiel. Nicht immer zwar, aber doch in den meisten Fällen