Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 35 (4.5.1899)
- Date
- 1899-05-04
- Page
- Seite 663 (sequence 5)
- Language
- German
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WMWWWWWMWWMW^WM^ jüdischen, streng orth. Geiste jedoch sprachlich und bezüglich der äußeren Form dem heutigen Zeitgeiste entsprechend, anhören zu können. — Ferner verfolgt dieser Verein das erhabene Ziel, durch Creirung eines Stellenvermittelungsbureau, junge Leute in ihren Bestrebungen nur in solche Geschäfte thätig zu sein, wo v'i r\2» streng geschlossen ist, dadurch wirksamst zu unterstützen, daß man die Betreffenden in Eventualfällen der Vacanz nach Maßgabe der finanziellen Verhältniffe insolange mit Geldmitteln unterstützt, bis sie wiever Posten bekommen, wo es ihnen ermöglicht ist durch Nichtoerletzung eines der Kardinal- und grundlegenden Gebote unserer heiligen Thora dem angestammten, gesetzesfesten Judenthuine treu zu bleiben. In Würdigung dieser wahrhaft großartigen Intentionen, hat sich auch dieser Verein trotz der verhältnißmäßig kurzen Zeit seines Bestandes eine solche Popularität erworben, daß er heute schon mehr denn 180 Mitglieder zählt, von denen ein großer Theil den hervorragenden Gemeindemitgliedern angehören. Es ist dies das beste Zeugniß für die eminente Bedeutung dieses Vereins, wenn unser Verein sich, hier in der altehrwürdigen isr. Gemeinde Preßburg, wo das Vereinsleben in den verschiedensten Gestalten blüht, wo man also diesbezüglich sehr verwöhnt ist, so rasch in der allgemeinen Gunst so festzusetzen verstand. Doch darf es bei dieser Gelegenheit im Jntereffe der heiligen Sache nicht verschwiegen werden, daß es der Vereinsleitung bisher leider nicht möglich war, gerade eines der schönsten Ideale, welches den Initiatoren dieses Vereines bei Schaffung deffelben vorgeschwebt, in jenem Maße zu verwirklichen, welches der ihn innewohnenden, ethischen Bedeutung zufolge, doch so wünschenswerth wäre, d. i. die Stellenvermittlung. Ss sind seitens der Vereinsleitung Aufrufe ergangen an sämmtliche Führer der jüdischen Gemeinden Üngarn's, worin dieselbe in beredten Worten, um ergiebige Unterstützung zu diesem selbstlosen, gottgefälligen Vorhaben seitens der berufenen Faktoren bat, damit selbe in die glückliche Lage versetzt werde, gleich den bestehenden und prosperirenden Schwestervereinen in Deutschland eine in größerem Maße angelegte Thätigkeil zu entfalten, doch bis nun steht — wieder alles Erwarten, der Erfolg zu den gehegten Hoffnungen im Mißverhältniß. Vielleicht werden diese Zeilen auch etwas dazu beitragen, die Aufmerksamkeit oer respektiven, leitenden Kreisen auf diesen Zweig unseres Vereines in erhöhter Weise zu lenken; mögen sie doch bedenken, wie nöthig eS gerade in unserer so arg zerfahrenen Zeit, wo die heilige Religion so im Niedergange ist, unserer dem Handelsstande sich widmenden Jugend in den 663 Kämpfen des Lebens einen moralischen Halt zu bieten, daß sie nicht bemüssigt werde, bei einer etwa eintretenden, andauernden Vacanz v'*> ra» bbnv zu sein und so des einzigen Bindemittels am Judenthume verlustig werde. Frankreich. Paris, 28. April. „Libre Parole" fällt heute über den russischen Minister Witte her, der entweder Jude sei oder mindestens eine jüdische Frau habe und jedenfalls in Rußland das internationale Judenthum vertrete; er bekämpfe das Bündniß mit Frankreich, das ein ausgepreßter Schwamm sei und darum nach Judenbrauch von ihm weggeworfen werde u. s. w. Dänemark. Kopenhagen, 30. April. Im vergangenen Winter hat der hiesige Ez Chajim-Verein, dessen eigentlicher Zweck ist, wöchentliche n->m-Vorlesungen abzuhalten, welche Vorträge jeden mp einen großen Zuhörerkreis sammeln, mehrere größere Vortrags- und Geselligkeits-Abende veranstaltet, wobei sowohl der Herr Oberrabbiner, als der seit einem Jahre hier wirkende Herr Rabbiner Dr. Goithein sehr interessante Vorträge gehalten haben. Ein sehr gelungenes Purimfest mit Vortrag, musikalischer und dramatischer Aufführung, hat so großen Beifall bei den ca. 200 Anwesenden gefunden, daß der schöne Verein, dessen Leiter Herr Jos. M. Goldschmidt (Vorsteher, Herausgeber des jüdisch. Kalenders) ist, sich um viele Mitglieder vermehrt hat und das Interesse für seinen eigentlichen, ernsteren Zweck auch gestiegen ist. Außerordentlicher Beliebtheit in allen Kreisen erfreut sich auch Herr Dr. Goithein, dessen tiefdurchdachten, lehrreichen und in schönster Sprache gehaltenen Predigten allgemeine Begeisterung finden und bei allen den Wunsch erwecken, daß dieselben — wenn Herr Dr. G. bald dänisch reden wird — eine noch größere Zuhörerschaft versammeln mögen. Natürlich ist er, sowie seine herrliche Frau, schmerzlich berührt durch die letzten Vorgänge in Nachod, wo er jüngst amtirte, doch sind G. s. D. von seinen Nächsten keine unter den so hart Geprüften. So möge er auch ferner vor Schicksalsschlägen bewahrt werden und sich hier mehr und mehr zufrieden fühlen. — Vor einigen Wochen ist hier wiederum ein Jude zum Professor an der Universität ernannt worden, es ist der bekannte Dr. Fredericia, der viele Werke historischen Inhalts herausgegeben. — Ein ganz junger Gelehrter Namens Raphael Meyer, wird zum Herbst nach Rom gesandt, um sogenannte lateinische Pagenbriefe abzuschreiben und in's Dänische zu übersetzen; vier Jahre soll er sich dort aufhalten;