Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 35 (4.5.1899)
- Date
- 1899-05-04
- Page
- Seite 662 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2448986--48189-2498573- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
662 die Verwendung dieser Hülste für den genannten Zweck ihm zu überlassen. Der Verwaltungs-Ausschuß ist bereits in der erfreulichen Lage gewesen, an zwei geeignete Bewerber das Stipendium zu verleihen. Im Uebrigen aber sind leider die Mittel des Vereins, die sich im Wesentlichen aus den durch die Convertirungen erheblich geschmälerten Erträgnissen seines Kapitalvermögens, aus eingehenden Spenden und den regelmäßigen Beiträgen der Mitglieder zusammensetzen, viel zu beschränkte. Die erhebliche Anzahl höherer Bildungsanftalten in München bewirkt hier einen Zusammenfluß von bedürftigen Studirenden nicht nur aus unserem engeren Vaterlande, sondern aus der ganzen Welt. Insbesondere die technische Hochschule zieht vielfach bedürftige Bildungssuchende hieher, welche durch erfolgreiches Bestehen der vorgeschriebenen Prüfungen beweisen, daß sie ihre Zeit hier auf das beste verwenden. Ferner wenden sich nicht nur aus München, sondern aus den kleinsten und ärmsten Landgemeinden des ganzen Königreiches die handwerksbefliffenen Lehrlinge an den Verein. In letzter Zeit konnte die erfreuliche Wahrnehmung gemacht werden, daß die Anzahl derjenigen, welche sogenannte schwere Handwerke erlernen, wie Schlosserei, Schreinerei, Sattlerei in der Zunahme begriffen ist. Es braucht wohl nicht erst des Weiteren aufgeführt zu werden, von welch großem Segen gerade in unserer Zeit die Förderung des Handwerks unter den Israeliten ist. Allerdings befinden sich innerhalb der Gemeinde München edeldenkende Männer, welche stets opferbereit, bei jedem geeigneten Anlaffe des Vereins und seiner Schützlinge wohlwollend und großmüthig gedenken. Sollen aber die geeigneten einheimischen Elemente ergiebig, die aus der Fremde hieher kommenden auch nur nothdürftig unterstützt werden, so bedürfen die Mittel des Vereines einer weitgehenden Erhöhung. Allen Menschenfreunden sei es daher ans Herz gelegt, insbesondere durch den Beitritt zum Studien- und Arbeitsbeförderungs-Verein, deffen Mitgliederzahl angesichts der von demselben erstrebten hoch idealen Ziele eine verhältnißmäßig geringe ist, sowie durch Zuwendungen bei sich bietenden Gelegenheiten die Vereinsmittel zu erhöhen und dadurch beizutragen, daß sowohl durch Heranbildung tüchtiger Handwerker, als durch Unterstützung derjenigen, die sich einen wissenschaftlichen Beruf zum Ziele ausersehen haben, Zweck und Aufgabe des Vereines, nämlich die Förderung des bürgerlichen Fortschrittes der Israeliten in Bayern erreicht werden. Aus dem Rechenschafts-Bericht pro 1898 ist zu entnehmen, daß die verschiedenen Spenden Mark 520 ergaben. Hiezu kam ein Legat des Verstorbenen Rentiers Herrn Hermann Bachmann mit Mk. 1000, Herr Großhändler Leopold Neumeyer spendete zu seinem 70. Geburtsfeste Mk. 300, Sammlungen innerhalb der Gemeinde ergaben Mk. 633.70, Anläßlich des 100. Geburtstages des verstorbenen Dr. Karl Feust, Fürth, von dessen Verwandten Mk. 200, Von Herrn Jos. Kronheimer Melbourne Mk. 500, Mitglied-Beiträge und Zinserträgniffe 2912.25, Summa Mk. 5964.95. Für Unterstützungen und Stipentien an 98 Studirende, Handwerker und Handwerkslehrlinge wurden verausgabt Mk. 5349.83. Das Vereinsvermögen wird ausgewiesen: Bankguthaben Mk. 2274.20, und Werthpapiere angelegt Mk. 49 800. Den Ausschuß des Vereins bilden: die Herren Justizrath Dr. Rau, I. Vorstand; Rabbiner Dr. Werner, II. Vorstand; Bankier H. Aufhäuser, Cassier; Rechtsanwalt I. Feust, Schriftführer; Rentier Louis Danhauser, Großhändler Jakob Reinemann, Landgerichtsrath E. Silbermann, Beisitzer; Bankier Albert Schuhmann Controlleur. Worms. Der Jahresbericht des hiesigen israelitischen Unterstützungsvereins ist erschienen. Der Vorstand sieht mit großer Befriedigung auf das abgelaufene Vereinsjahr zurück, das eine Gefammteinnahme von M. 4554.21 zu verzeichnen hatte. An Geschenken wurden M. 1346.25 überreicht, während dem unangreifbaren Kapitalstocke 1000 M. zugeführt wurden. Verausgabt wurden 1932 Gaben mit M. 3481, gegen 1810 Gaben mit M. 3348 im Vorjahre. Dieselben vertheilen sich an: 171 Handwerker, 206 Gewohnheitsbettler aus dem Inlands, 1217 Gewohnheitsbettler aus dem Auslande, 243 verschämte Arme, 59 Hausirer, 14 Gelehrte und Lehrer, 20 Kaufleute, 3 Künstler. DaS Vermögen des „Eisener Stock" beträgt. M 25,260.91. Oesterr.- Ungar. Monarchie. Wie«, 29. April. Im niederöfterreichischen Landtage griff der Abgeordnete Schneider wegen des Mädchenmordes die Juden auf das Heftigste an und wurde dreimal vom Landmarschall zur Ordnung gerufen; da der Redner mit seinen Beschimp ungen fortfuhr, suspendirte der Landmarschall die Sitzung. Pretzvurg, im April. Vor ungefähr 11j2 Jahren thaten sich mehrere Herren, zumeist dem Kaufmannsstande angehörend, die aber wahren Sinn und Verständniß für die Ideale des Judenthums sich zu bewahren wußten, zusammen und gründeten einen Verein unter dem Namen min Zwecke und Ziele dieses Vereines sind durch Jnaugurirung allwöchentlicher homiletischer Samstagsvorträge und solcher an Sonntagen aus dem reichen Schatze der jüdischen Geschichte und Literatur, für welche hervorragende, tüchtige Männer gewonnen wurden, jenen intelligenten Kreis heranzuziehen, die den Wunsch haben, das lebendige Wort Gottes zu hören, aber berechtigten Anspruch erheben, Vorträge im wahrhaft