Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 35 (4.5.1899)
- Date
- 1899-05-04
- Page
- Seite 660 (sequence 2)
- Language
- German
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660 wollte, greift er aus dem Gotteswort, das unmittelbar vor dem Schabuothfeste in unseren Synagogen verlesen wird, diejenigen Partien heraus, welche mit der Erinnerung an den Sinai beginnen und damit ausklingen. Von den beiden Sidroth dieser Woche beginnt die erste mit dem Hinweis auf den Berg Sinai und die zweite endigt damit. ’i mx “ib>k msn nSx — wo ~ns wo Sx n nsm . \3'd ms SxiL" 'is Sk mro nx „Gott redete zu Moscheh auf dem Berge Sinai — das sind die Gebote, die Gott Moscheh für die Kinder Israel geboten, auf dem Berge Sinai." Ebenso leitet der Wochenabschnitt, der unmittelbar vor dem Schabuothfest gelesen wird, mit dem Hinweis auf die Wüste Sinai ein: ennS "ttiks "tyiö S.nxs 'i'D isnos ntpa Sk n 1S“1': : “iokS onxo pxo cnxjtS n'JPH n:tr»s 'jr,*: „Es redete Gott zu Moscheh in der Wüste Sinai im Zelte der Zusammenkunft am ersten des zweiten Monats im zweiten Jahre nach dem Auszug aus Egypten, was folgt." Welch' ein ergreifender Beweis für die Göttlichkeit der Thora, wenn wir dessen noch bedürften, liegt doch schon in der bloßen Oertlichkeit ihrer Offenbarung in der Wüste Sinai! Die abgeschiedene, von den Hochmärkten des Weltverkehrs weit abgelegene Wüste, wählte Gott zur Offenbarung seines Willens und doch hat diese Abgeschiedenheit den Siegeslauf des Gottesgesetzes nicht gehindert. Es hat von der fernen arabischen Wüste den Weg über Länder und Meere in die Geister und Gemüther der Menschen gefunden und findet ihn noch heute, trotz der mehr als drei Jahrtausende, die zwischen jenem denkwürdigsten Ereigniß der Menschengeschichte und unserer Gegenwart liegen! Dieses Wort Gottes, das Er in der Wüste an Israel gerichtet hat, ist heute in mehr als dreihundert Sprachen übertragen und seine Kenntniß und Verwirklichung ist zum Maßstab aller Sitte und Kultur geworden. Es ist so sehr das Buch der Bücher geworden, daß es nur schlechtweg als „Das Buch", „Die Bibel", bezeichnet und von allen verehrt wird, die nur irgend welchen Anspruch auf Gesittung und Bildung erheben. Wenn es wahr ist, budeut Ma fata libelli, daß Bücher ihr besonderes Schicksal haben, so verkündet der Stern, der über diesem Buch der Bücher leuchtet, seine Göttlichkeit, wenn wir auch von dem Inhalte desselben einmal ganz absehen und uns nur an das Buch selbst halten. Sein Besitz hat uns die höchste Würde und die schwerste Bürde auferlegt, hat uns die Hochachtung und den Haß der ganzen uns umgebenden We^t eingebracht, hat uns schon mit tausendsältiaem Md bedroht und uns gleichzeitig das ewige Leven gesichert. Und wenn nun in wenigen Tagen die Stunde wiederkehrt, in welcher uns Gott von allen Völkern erwählte, indem er uns seine Thora gab, wenn wir unsere Häuser und Tempel mit den Erzeugniffen von Wald und Flur schmücken, um das Gedächtniß der Offenbarung am Sinai neu zu beleben, dann dürste es wohl am Platze sein, uns darüber zu orientiren, ob dieser äußeren Huldigung auch die wahre, innere entspricht, ob wir nicht nur in unseren Synagogen, sondern auch im täglichen Leben dieses Kleinod Hochhalten, als die Thora, wie sie Moscheh einst den Kindern Israels brachte, als den Baum des Lebens, für diejenigen, welche daran fefthalten, ob wir sie pflegen und fördern mit dem Bewußtsein, daß von dieser Pflege und dieser Förderung unser ganzes Lebensglück, ja unsere bloße Existenz abhängig ist, oder ob es auch bei uns Kreise, Zeiten und Verhältnisse giebt, welche der Thora diese rückhaltlose Anerkennung versagen. — Wenn ja, so erscheint angesichts des herannahenden Festes es geboten, unsere Stellung, unser Verhalten, unsere ganzen Beziehungen zur Thora aufs Neue zu prüfen und sie dieser Prüfung entsprechend zu gestalten. Greifen wir zum Zwecke einer solchen Untersuchung, aus unserer zweiten dieswöchentlichen Sidra die ersten Worte heraus, um einen untrüglichen Maßstab zu besitzen für dasjenige was die Thora von uns verlangt, und wie sie uns verlangt und vergleichen wir damit die Wirklichkeit, wie wir thatsächlich zur Thora stehen, was sie uns ist und was wir ihr sind; so wäre das gewiß die entsprechendste, würdigste Vorbereitung für das Fest der Thoraoffenbarung am Sinai. ♦ anx cnw ne»n tur: nxi isSn 'npns dx „We nn ihr in meinen Gesetzen gehen, meine Gebote hiiten, und sie erfüllen werdet". (III. B. M. Cap. 26. 3.) Wir haben diese Worte in der landläufigen Weise hier wiedergegeben, um der letzteren Unzulänglichkeit zu veranschaulichen. Nach ihr würde ein abgeschlossener Satz einen unabgeschlossenen Gedanken wiedergeben. Wenn die Gliederung der einzelnen Gedanken, das Motiv ihrer Theilung in verschiedene Sätze ist, so ist nicht abzusehen, warum die Satztheilung hier den Gedanken unterbricht, der doch mit dem folgenden wie Ursache und Wirkung ein einheitliches Ganzes bietet. In der That fassen die Weisen im Talmud die Stelle anders auf, indem sie das Wort as nicht als Bedingungswort, sondern als Wunschpartikel erklären, und sagen: kSx dk px isSn 'npns dk fssn rjn in m n-nsy) D'jrnn p»S. „O, möchtet ihr doch in meinen Gesetzen wandeln! Dann gebe ich nur Regengüsse zu ihrer Zeit" u. s. w. Noch deutlicher findet sich diese Auffassung im x^dc zur Stelle betont. Es heißt daselbst: v'Svr Sk“!B” wtop nwno oipomp noSo :sSn 'npns dx