Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 35 (4.5.1899)
- Date
- 1899-05-04
- Page
- Seite 659 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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WWWW XL. Kch»g>«k- ... ■ M 85 Der Israelit. Ein Henlrat-Hrgan für das orthodore Iudenthum. Begründet von Dr. g*£matm in tttxinf. Donnerstag, de« 4. Mai. 5SS9 (1899). Leitender Artikel. Vorbereitung rum KHabuoth-Frflr. Mainz, 3. Mai. I. Auf keines unserer Feste bereitet uns die sinnige, jr.t ’r r;r Sitte so lange und so nachdrücklich vor, als das Fest der Feste, als auf das Schabuothfest. Sie schreibt uns bereits vom zweiten Peßachtage an vor die Tage und Wochen zu zählen, die zn dem Feste führen und diese Zählung der Wochen hat dem Feste seinen geläufigsten Namen gegeben. Diese Vorbereitung gehörte mit zu dem Akte der Offenbarung am Sinai. Drei Tage mußten alle, welche gewürdigt waren an dieser Offenbarung theilzunehmen, sich dafür vorbereiten. Erft durch rwnc rotsnpm und r6s;rr, erst durch Lossagung von allem was die persönliche Lauterkeit zu trüben geeignet ist, durch Selbstbearbeitung, Selbstheiligung und Abgrenzung mußte die Nähe Gottes und die Aufnahme feines Gesetzes gewiffermaßen verdient werden. Wenn unsere heiligen Festeszeiten von ihrem sittigenden, heiligenden Einfluß in unserer Zeit so sehr viel eingebüßt haben, so haben wir wohl zuallernächst den Grund dafür darin zu suchen, daß viele ohne die rechte Rüste und Weihe an dieselben herantreten. Die alte Mahnung onp ov avpbv jnn «stow ptmm pW dreißig Tage vor jedem Feste sich in seine geschichtliche Bedeutung zu vertiefen und die besonderen Pflichten, die es fordert, sich in Erinnerung zu bringen, findet leider in unfern Tagen in großen Kreisen nicht die gebührende Beachtung. Da wo sie gewissenhaft beobachtet wird, wird das Fest im Geiste und Gemüth bereits gefeiert, bevor es selbst seinen Einzug hält, und sein wirklicher Eintritt ist nur ein Uebergang von der rechten Theorie in die rechte Praxis. Wo aber erst mit dem Feste selbst die Wochengedanken und Wochenkleider abgelegt werden und bis hart an seine Schwelle das wochentägige Sinnen und Handeln uns beherrscht, sind die davon erfüllten Geister und Gemüther nur schwer empfänglich die heiligen Sanktionen aufzunehmen, welche die heiligen Weihestunden des jüdischen Lebens mit so vollen Händen ausstreuen. Gilt das von allen Festen, so gilt es in noch höherem Grade vom Schabuothfest. Denn jedes andere Fest hat feine Symbole und äußeren Abzeichen, hat seine besonderen Pflichten, welche auch den Gedankenlosen an die Bedeutung derselben erinnern. Peßach hat seine Mazzoth, Sukkoth seine Festhütte und Rosch Haschono seinen Schofar, aber Schabuoth hat nichts von alledem. Wenn wir uns seine Bedeutung nicht selber in die Seele reden, so wird sie uns nimmermehr ergreifen. Und doch gehen diesem Feste alle äußeren Abzeichen vielleicht nur deßhalb ab, weil keine Handlung, kein Symbol es gibt, das die vielseitige Eigenart dieses Festes in seiner ganzen umfassenden Bedeutsamkeit auch nur annährend anzudeuten und gar wiederzugeben vermöchte. Die Mazza in unseren Händen, die Sukka, die uns aufnimmt, der Schofarhall, der Ohr und Herz trifft, sie alle wollen einzelne, bedeutsame Momente unseres Volks- und Einzellebens zur besonderen Würdigung und Beherzigung uns zum Bewußtsein bringen. Aber, wo gäbe es ein Symbol, wo gäbe es eine Handlung und ein Zeichen, welches auszusprechen vermöchte, was uns nv'vn n min die alles umfassende Thora, welche uns an diesem Feste vom Sinai geworden ist! Als wenn uns der Brauch der Väter mit jeder Nüance an die Offenbarung am Sinai erinnern i