Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 33 (27.4.1899)
- Date
- 1899-04-27
- Page
- Seite 624 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2448984--48149-2498531- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Ji MMMWWIMWWMW 624 des Kaiser-Jubiläums-PensionsfondeS zuzuweisen, von der Regierung nur unter der Bedingung genehmigt wurde, wenn die §§ 6 und 9 des Statutes zuvor entsprechend abgeändert werden und zugleich ein Statut für den Pensionsfond zur Genehmigung vorgelegt würde, wurde das Curatorium ermächtigt, einer demnächst einzuberufenden Delegirtenversammlung den abgeänderten Text der bezüglichen Paragraphen des Statutes, sowie überhaupt eine umfassende zeitgemäße Statutenrevision und ein Pensionsstatut in Vorlage zu bringen, diese Vorlagen jedoch vorher den Cultusvorfiänden zur Bekanntgabe ihrer diesfälligen Wohlmeinung zu übermitteln. Prag. 20. April. (Der „Eid der Juden/') Anfangs dieses Monats fand beim Bezirksgerichte der Königlichen Weinberge eine Streitverhandlung statt, bei welcher der Richter, Herr Gerichtssecretär Machalicky, einen jüdischen Zeugen Namens Black verhörte. Nach Einvernahme dieses Zeugen boten die Parteien weitere Beweise an, die der Richter jedoch mit dem Beifügen zurückwies, er habe die volle Ueberzeugung von der Richtigkeit der eben gemachten Aussage, zumal er wisse, mit welcher Gewissenhaftigkeit bei den Israeliten ein Eid aufgefaßt werde. Nachod, 25. April. Obwohl in den Fabriken voll gearbeitet wird, ist doch eine erbitterte, namentlich gegen die Israeliten gerichtete Bewegung bemerkbar. Bisher wurden wegen Verdachts der Theilnahme an den Plünderungen 109 Personen verhaftet, wovon 84 dem Kreisgerichte eingeliefert wurden; bei 190 Personen wurden Haussuchung vorgenommen, bei 76 wurden von der Plünderung herrührende Gegenstände gefunden. In Eipel und Hrsnov dauert der Ausstand an; unter den Arbeitern macht sich bereits Roth bemerkbar. Frankreich. Pari-, 12. April. Herr Bernard Lazare ist vor einigen Wochen aus dem zionistischen Aktions-Komitee ausgeschieden. Das bemerkenswerthe Schreiben, in welchem er diese seine Resignation kundgibt, hat in deutscher Uebertragung folgenden Wortlaut: Paris. 24. März 1899. Ich bitte Sie, meine Demission als Mitglied des zionistischen Aktions-Komitees entgegenzunehmen und freundlichst diesen meinen Entschluß Ihren Kollegen zur Kenntniß zu bringen. ES ist mir unmöglich, länger an dem Werte eines Komites theilzunehmen, dessen Tendenzen, Maßnahmen und Handlungen ich nicht billigen kann. Ich kann nicht das Mitglied einer Art autokratischen Regiments sein, welches als Princiv eine unannehmbare Geheimthuerei (65otsrism6) aufstellt, die nichts in meinen Augen zu rechtfertigen vermag. Das Aktions-Komitee nimmt sich heraus (imHend), die jüdische Masse wie ein unwissendes Kind zu leiten, ohne nach ihren Bedürfnissen oder ihren Wünschen zu fragen, oAie sich über ihren ökonomischen, intellektuellen oder mora lischeie Zr^stattb Rechenschaft zu geben. Es ist das eine Auffassung, die mit allen meinen politischen und sozialen Anschauungen direkt in Widerspruch stellt und für welche ich daher die Verantwortung nicht auf mich uehmen kann. Morgen wird das Aktion-Komitee ohne Zweifel das furchtbarste Instrument zur Unterdrückung und Demoralisation besitzen: die Kolonialbank, Ihre Regierung wird fernerhin ihre Veriretung in einem Geldschrank finden, Ich gehöre nicht zu dieser Regierung. Sie ist nicht diejenige, von welcher einst die Propheten oder jene bescheidenen Männer träumten, die die Psalmen verfaßt haben. Aber wenn ich mich von Ihnen trenne, so trenne ich mich nicht von dem jüdischen Volke, von meinem Volke von Proletariern und Elenden, und an seiner Befreiung werde ich weiterhin arbeiten, wenn auch auf Wegen, die nicht die Ihrigen sind. Genehmigen Sie :e. Bernard 9 a z a r e. Diese Absage des gefeierten Publizisten und Politikers wird Niemanden, der ihn kennt, überraschen, eher könnte man erstaunt sein, daß er dieser Erkenntniß erst jetzt Folge gegeben hat. Man dürfte nicht fehlgehen in der Voraussicht, daß sein Beispiel bei einigen hiesigen Herren, die bis vor Kurzem treu zu dem „politischen" Zionismus hielten, Nachahmung finden wird. Daß Herr Lazare zugleich mit seinem Ausscheiden aus dem Aktions-Komitee sich zum Eintritt in das Central-Komitee der Kolonisations-Vereine bereit gefunden hat, verleiht seinem Vorgehen erhöhte Bedeutung. Afrika. Algier, 24. April. Eine große Anzahl Antisemiten, welche sich im Zuge zu dem Gefängniß begeben hatten, worin Max Negis internirt ist, kam aus dem Rückwege an der Wohnung des Gouverneurs vorüber. Es kam daselbst zu einer Kundgebung, in deren Verlauf der eben hier eingetroffene Drumont, der Bürgermeister von Algier, Boinot, der Redakteur der „Libre Parole" Jean D r a u l 1 und der Munizipalrath Lion ne verhaftet wurden. Drumont und Voinot wurden später wieder freigelassen. Im Laufe des Abends wurden wieder Kundgebungen veranstaltet, gegen welche die Polizei einschritt. Ein Polizeikommissar und Polizist wurden verwundet. Es wurden 22 Verhaftungen vorgenommen. Am späteren Abend war die Ruhe wieder hergestellt. Vermischtes. Aus Hamburg wird gemeldet: Rechtsanwalt Dr. Vielhaben (Antisemit) theilt durch Rundschreiben mit, daß er sein Reichstagsmandat für den Wahlkreis Kassel Hofgeismar-Rinteln ans Geschäftsrücksichten niederlegt. Wien, 20. April. Ter Kaiser g ruhte die Uebernahme des Oberstabsarztes erster Klasse (Oberstrang) Dr. Moriu Lein, Sanitätschef des 9. Korps, über sein Ansuchen an-, zuordnen und demselben bei diesem Anlasse den Generalstabscharakter (Generalsrang» nä hunores und den Orden der eisernen Krone, beides mit Nachsicht der Taren, -zu verleihen. 1