Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 33 (27.4.1899)
- Date
- 1899-04-27
- Page
- Seite 625 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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625 Feuilleton. „fggtebet eure Weinde." Eine apologetische Erzählung Von Arnold Mnnn 8) Nachdritck verboten. „Merken Sie sich mal, lieber Wegner," siel Biesfeld ein, „keine Regel ohne Ausnahme, ja, die Ausnahme bestätigt erst die Regel! Ein blindes Huhn findet auch mal eine Perle, und unter sieben Millionen Juden, die völlig unnöthiger Weise auf dieser schönen Erde herumlaufen, sollte nicht ein ehrenwerther sein? Und sind Sie dessen so sicher, daß Sie sich in Ihrem Intimus gar nicht täuschen? Er sah mir gar nicht so unverfänglich aus, und übrigens — den einen Charakterzug seines Stammes, die Unverschämtheit, das unbescheidene Vordrängen, hat er ja heute früh, denk' ich, zur Genüge kundgegeben. Könnt' er's nicht das halbe Stündchen auf seinem Platze aushalien? Muß er fremde Leute mit seinen Zumuthungen belästigen?" Dieser würdige Vertreter seiner Zunft betrog sich selber mit dieser Aussasiung. Ec fühlte sehr wohl, wie harmlos im Grunde die Bitte Feift's gewesen war, und daß er allein, der sie mit gröblicher Nichtachtung beantwortete, verwerflich gehandelt habe. Aber das sittliche Empfinden des Herrn Biesfeld war bereits so weit abgestumpft, daß er ohne alle Gewissensbisse einfach den Spieß umdrehte und mit vollem Bewußtsein , einem Unschuldigen ausbürdete, was er zu tragen verpflichtet war. Jetzt galt es ja, diesen Judenfreund zu übertölpeln, ihn mit Worten zu fangen und mit anderen Mitteln sestzuhalten. Da war Alles erlaubt, selbst eine Niedertracht, wie sie in den letzten Worten Biesfeld's lag. Im Uebrigen gewahrte er mit Vergnügen, daß diese Worte nicht auf ganz unfruchtbaren Boden gefallen waren. Wegner war ein einfacher Mensch, der keine Winkelzüge kannte; er nahm die Menschen im Allgemeinen so, wie sie sich ihm gaben. Es lag gar nicht in seiner Natur, Böses von ihnen zu denken. Biesfelds Worte aber stimmten ihn ein klein wenig nachdenklich. Es schien ihm, als ob dieser Mann da vor ihm gar nicht so ganz Unrecht habe. Es war doch wirklich so. Feist konnte doch die wenigen Minuten in der That auf seinem Platze bleiben und brauchte dann andere nicht zu behelligen. So weit ging Wegner's Begriffsfejiigkeit nicht, daß er sich sagte, auch bei dieser Auffaffung liege die schwerere Schuld auf Biesfelds Seite. Vielmehr zog Wegner unwillkürlich daraus einen Schluß, der den Absichten Biesfeld's entsprach. Hatte Biesfeld doch von diesem Standpunkt aus überhaupt gesprochen! Nun schnell das Eisen schmieden, so lang e« warm ist, dachte Biesfeld und fuhr nach einer kurzen Pause, während der Wegner stumm und in Gedanken gesessen hatte, bedächtig fort: „Und sehen Sie, mein lieber Wegner, so sind sie alle. Unbescheiden und vordringlich, nur ihren Vortheil, ihr Profitchen kennend, mögen auch Andere darüber zu Grunde gehen. Ja, sehen Sie, Sie haben gut reden! Sie kennen nur diesen Feist und die paar anderen Juden zu Göllheim! Aber kommen Sie mal in die weite Welt! Zunächst finden Sie überall Juden: in den höheren Schulen bereits — Juden, mehr als ihrer Verhältnißzahl entsprechen, auf den Universitäten — Juden (nur dem Fechtboden bleiben sie fern, denn Muth haben sie nicht), dann in den Großstädten — Juden, auf den Dörfern — Juden, in Vadeplätzen — fast nur Juden, kurz, überall sind sie an erster Stelle, weil sie sich überall vordrängen, und das wäre auch nicht alles! Wenn sie sich noch als einen nützlichen Theil der deutschen Bevölkerung geberden würden, dann ließe es sich wohl noch ertragen, daß man sie überall zuerst trifft, aber sie sind in Wirklichkeit ein Fluch für unser armes deutsches Volk, sie reißen den gelammten Handel an sich, sie drängen sich in alle Berufsarten, und jeden Beruf, dem sie angebören, kompromittircn sie; sie verjuoen unfern Richterstand, denn der Juoe wird doch als Richter den Juden natürlich schonen, das ist doch klar; sie verjuden den Aerztestand, denn deutsche Gewissenhaftigkeit, die doch beim Arzte erste Bedingung ist, liegt nicht in ihrer Natur. Ich würde mich fürchten, meinen Körper solch einem Judcnarzt anznvertraueu! Sie dringen allmählich überall an erste Stelle, sie beuten unser armes Vaterland ans; gleich einem Vampyr halten sie es umkrallt, um ihm allen Saft und alle Kraft auszusaugen und es dann selber beherrschend, in Schmach und Schande darniederzuhalten. Haben Sie nicht von dem großen Prozeß gehört, der im vorigen Jahre zu Lobingen statifand? Wer waren die Wucherer? Juden! Haben Sie nicht von dem Skurzer Mord vernommen? Wer waren die Mörder? Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, daß es die Juden waren, die den armen Knaben geschlachtet haben, um sein Blut am Osterfest zu gebrauchen. Da in Ungarn haben sie'S auch gerhan, und wenn sie tausend Mal freigesprochen wurden. Sie haben eh.en die Macht in Händen und finden Dadurch ftetsi Mittel, den Hals aus der Schlinge zu ziehen. Sie sind