Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 33 (27.4.1899)
- Date
- 1899-04-27
- Page
- Seite 622 (sequence 4)
- Language
- German
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622 ein wohlthätiges Werk zu verrichten war, namentlich solche Werke, die den thätigen Eingriff von Frauen erforderten, da war sie es, die zuerst am Platze und sich mit ganzer Kraft an der Liebesthat betheiligte. Mit solchen Vorzügen des Herzens waren auch nicht minder große Anlagen des Geistes verknüpft. Bei ihr fand man immer anregende Unterhaltung, ein verständnißvolles Eingehen auf alle Fragen des TageS und eine Kenntniß der neuesten Erscheinungen auf dem Gebiete der Literatur, die oft Erstaunen erregen mußte. So ward ihr Heim, ohne daß sie es beabsichtigte, zum geistigen Mittelpunkte der Familie und auch weiterer Kreise innerhalb unserer Religionsgesellschaft. Ihr Edelmuth, ihre Bildung und rhr Wissen beeinträchtigte indeß nicht ihre Tüchtigkeit im Haushalte, fast noch in den Kinderjahren stehend, mußte sie die Führung der Wirthschaft im elterlichen, zahlreiche Glieder umfassenden Hause übernehmen und sie entledigte sich dieser Aufgabe zur vollen Zufriedenheit ihrer Angehörigen. Als hochbetagt und satt an Jahren ihr theurer Vater vom Schauplatze seiner irdischen Thätigkeit abberufen wurde, und ihr segensreiches Walten im Elternhause sein natürliches Ende fand, da endlich entschloß sie sich, dem Manne ihrer Wahl die Hand zu reichen. Herr Marcus Plato "v, der würdige Sohn seines ehrwürdigen Vaters, führte sie hinweg nach seinem Heime auf dem britischen Jnselreiche, um mit ihr ein Haus zu begründen, in dem mitten in dem Gewühle der großen Weltstadt eine Stätte errichtet werden sollte für jüd. Leben und jüd. Sinn, für Thora und Gottesfurcht. Ach, es sollte nicht sein. Vor kaum Jahresfrist waren wir alle vereinigt beim frohen Hochzeitsmahle, die glückliche Braut erstrahlte an der Seite ihres Erwählten und heute zuckt unser Herz krampfhaft zusammen beim Anblick eines frischen Grabeshügels. „Der Herr stieg in seinen Garten und pflückte sich die holdeste Menschenblüihe." Also leitete Herr Rabbiner Dr. Bondi seine Rede ein, die er bei der in ihrem hiesigen Elternhause gestern veranstalteten Trauerfeier hielt und in der er die trefflichen Eigenschaften der nnoa rpnx in meisterhafter Weise schilderte. Die Beerdigung dieser edlen Frau fand am 7. Jjar in London statt. Im Hause rang sich gramdurchwühlt deren Bruder,Herr Hugo JonaS Bondi, einige Worte des Nachrufes ab, am Grabe in Edmonden gab Herr Josef Levi der tiefen Trauer aller Freunde Ausdruck. „Eine unverdiente Gnade hast du uns erwiesen, indem du die Herrliche bis heute unter uns weiten ließest. Deinem unerforschlichen Rathschlusse beugen wir unS!" .Taaun. Berlin, 22. April. Die Allersversorgungsanftalt der jüdischen Gemeinde, welche bereits zwei Hospitäler mit zusammen 240 Betten an der Schönhauser Allee und an der Großen Hamburgerstraße besitzt, hat den Magistrat um Ueberweisung einer Baustelle an der Exerzirstraße zur Erbauung eines dritten Hospitals mit 160 Betten ersucht. Die Baustelle hat 6419 Qadratmeter Umfang von circa 100,000 Mark Werth und liegt auf dem nördlichen Hospitalgelände des Wedding zwischen der Lang- Schuck-, Reuter- und Kaiser Wilhelm-Augusta-Stiftung. Mit Rücksicht nun auf die zahlreichen Wohlthätigkeitsanstalten und Wohlfahrtseinrichtungen, welche die hiesige jüdische Gemeinde aus eigenen Mitteln unterhält, wodurch der Stadtgemeinde ganz erhebliche Kosten erspart werden, hat das Magistratskollegium beschlossen, dem Gesuche dahin zu willfahren. Zu bemerken ist noch, daß die jüdische Gemeinde nach der Errichtung der neuen Anstalt in der Lage sein wird, 400 altersschwachen Personen Aufnahme zu gewähren. Karlsruhe, 22. April. Gestern Mittag verschied nach längerem Leiden Herr Medizinalrath und Oberrath Albert Seligmann. Der Verblichene war 28 Jahre lang Mitglied des hiesigen Synagogenraths. Die Gemeinde verliert in ihm einen schaffensfreudigen, hingebungsvollen Führer. Die Beerdigung fand gestern Vormittag um 11 Uhr unter überaus zahlreicher Betheiligung der Gemeinde, sowie der Freunde und Bekannten des Dahingeschiedenen statt. Herr Rabbiner Dr. Appel hielt eine tief ergreifende Gedächtnißrede, in welcher derselbe die Verdienste des Verewigten um die jüdische Gemeinde der Residenz, wie des Landes hervorhob, seinen hervorragenden Wohlthätigkeitssinn betonte und mit den Worten schloß, daß ein guter Mensch, ein gerader, ehrlicher Charakter zur letzten Ruhe bestattet werde. Regierungsrath Meyer widmete dem Verstorbenen Namens des Oberraths dankbare Worte der Anerkennung seiner Thätigkeit und Kollegialität. Stadtrath Fritz Homburger hob die Verdienste desselben als Mitglied des hiesigen Synagogenraths, dem er nahezu 30 Jahre angehörte, zuletzt als Vorstand der Gemeinde nach dem Tode Bielefeld's hervor. Rechtsanwalt Dr. Ludwig Weyl gedachte in bewegten Worten Namens der Vereinigung der Israeliten Badens der Thätigkeit des Verstorbenen und rief ihm ein letztes Lebewohl nach. Würzvurg. Am kommenden Freitag den 28. d. M. feiern dahier die Leopold Oster'schen Eheleute das Fest ihrer silbernen Hochzeit. Wenn wir sonst die gerade nicht mehr allzu große Bescheidenheit unserer Zeitgenossen, mit der tägliche Familienfeste mit lautem Lärm und pompösem Jubel gefeiert werden, sehen, oder ihre diesbezüglichen Ansprüche ga r noch in Referaten durch