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Der Israelit · 1899-04-27 · Heft 33 (27.4.1899) · p. Seite 621

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 33 (27.4.1899)
Date
1899-04-27
Page
Seite 621 (sequence 3)
Language
German
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621 An diese Pflichten denken die Wortführer unserer Zionisten nicht, dürfen sie nicht denken und können sie nicht denken. Wie könnten sie auch die Pflichten, die sich an das heilige Land knüpfen für dasselbe begeistern, wenn sie nicht einmal denjenigen Pflichten gerecht werden, die auch außerhalb Erez Jsrael's unerfüllt auf ihnen lasten. Deßhalb haben die zionistischen Bestrebungen nichts mit der großen ma» von ^xw px gemein. Wenn es von dieser Mizwo heißt, daß sie so schwer auf Gottes Wage wiegt, wie alle übrigen Mizwos zusammen, so begreift sich das Verlangen derer nach dem heiligen Lande, deren Leben auch außerhalb derselben in der Sehnsucht ausgeht, Gottes Gebote mit treuer Gewissenhaftigkeit zu erfüllen. Wie edel die Motive unserer Zionisten auch sein mögen, dieses einzige, jüdische Motiv für den Aufenthalt im heiligen Lande geht ihnen ab. Sehen Sie sich unseren zweiten Moses an, ich meine Esra, unter dem sich die Rückkehr der babylonischen Exulanten in das heilige Land vollzog, wie er seine Kleider zerriß, sich das Haar ausraufte, als ihm die Fürsten mittheilten, daß das Volk, die Priester und Leviten, sich mit nichtjüdischen Frauen verbunden hätten und wie er im Verein mit denjenigen, die für Gottes Sache zitterten, nicht ruhte und rastete, bis dieser Treubruch gesühnt, das Unrecht beseitigt m-re: und gemäß der Thora verfahren würde! Sein ganzes Werk, die Rückkehr des Volkes in sein Land war für Esra in Frage gestellt, so lange dieses Unrecht ungesühnt fortbestand, und wir sollten an die Möglichkeit einer Rückkehr in das heilige Land glauben, unter der Aegide von Agitatoren, deren erster Wortführer sich fcrupellos durch die Thal seines Lebens über dieses Bedenken hinwegsetzt? Im Gegensatz zu diesem w mvo Esra's, im Gegensatz zu der Bitte "pure i:pbr, pi, die wir allabendlich an unsere Zählung knüpfen, hat dieser Wortführer auf die Frage, wie die Zionisten sich zu dem jüdischen Religionsgesetz stellen, einem mir bekannten Rabbiner geäußert: „Obwohl wir den Beweis in Händen haben, daß die jüdischen Gesetze ihren Werth und ihre Bedeutung für unsere Zeitvollständig verloren haben, werden wir doch niemals etwas gegen dasielbe thun, um seine Ausübung zu hindern." Seitdem ich das weiß, weiß ich, daß diese Bewegung uns die Erlösung nicht bringen wird, daß ihr Name eine Blasphemie auf das Zion ist, wie es in unser aller Herzen lebt, daß weder Congresie, noch Colonialbanken und Zeitungsreklamen etwas daran ändern werden. Um so inniger klammere ich mich an Mizwas Omer, die dem Ahn unseres Volkes das Land unserer Verheißung gesichert hat und deren Geist auch uns die Erlösung bringen wird. iran vn'sisa aSv;,-; ps ijpSx ’n nnx -pi — —- — — — — —- — — — .*m\" JTTBD W In unserer Gemeinde hat Keiner einen Pfennig zur Colonialbank der Zionisten gezeichnet! Zeitungsnachrichten und Corresponvenzen. Deutschland. Mainz, 21. April. Noch auf das Tiefste erschüttert, haben wir heute über einen Verlust zu berichten, den mit dem Hintritt einer edlen Frau das gesammte Judenthum erlitten. Frau Jeanette Plato in London, eine Tochter von JonaS Bondi von hier und eine Schwiegertochter von Rabbiner Dr. Plato iw:ign iw ■px’ n in Köln, hauchte am 13. April ihre reine Seele aus. In dieser Zeit, in der auch das schwache Geschlecht mit fortgeriffen wird von dem rastlosen Kämpfen und Ringen für die Existenz, das bereits die ganze Zeit und Thätigkeit der Männer absorbirt, in unserer Zeit, in der auch die Tochter und Gattin nur gar zu oft mit hinuntersteigen muß in die Arena, in der das tägliche Brod errungen wird, in dieser Zeit werden Frauengestalten, wie die Dahin geschiedene eine gewesen, immer seltener. Es ist vielleicht schwer für den Fernerstehenden, es zu glauben, aber die näher standen, wissen es, es gibt und gab selten eine Frau, die in so hohem Maaße alle Tugenden eines Weibes in sich vereinigte, wie Jeanette Plato. Als Mädchen wies sie standhaft alle Bewerber zurück, so lange sie in Vertretung der in früher Jugend Heimgegangenen Mutter ihren im hohen Alter stehenden Vater wartete. Wer hier den Verkehr zwischen Vater und Tochter zu beobachten Gelegenheit hatte, der mußte sich sagen, es giebt noch Familienkreise, die sich die Erhaltung und Überlieferung der jüdischen Weltanschauung zur Lebensaufgabe gemacht haben. Wenn die Tochter es nach vielein Bitten fertig brachte, daß der vom Fasten und Lernen geschwächte Vater eine kräftige Suppe zu sich nahm, wenn es ihr gelang, aus dem Bücherschrank das richtige „Sefer" zu finden, ohne daß der Vater sich von seinem Sessel zu erheben nöthig gehabt Hütte, dann verklärte ein kindlich, glücklicher Ausdruck das Müdchenantlitz und der Vater, beglückt, eine solche Tochter zu besitzen, legte häufig wie feg- : nend seine zitternden Hände auf das lichte Haar des Kindes, ein Bild, das würdig gewesen wäre, durch einen Oppenheim verewigt zu werden. Die hingebende Pflege des Vater's war aber, nicht die einzige Perle in dem Schmucke, den Jeanette Plato's Haupt zierte. Wenn irgendwo in der Stadt

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