Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1899-04-27 · Heft 33 (27.4.1899) · p. Seite 620

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 33 (27.4.1899)
Date
1899-04-27
Page
Seite 620 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448953-2448984--48145-2498527
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

620 über den Erntesegen, nicht denjenigen zu vergessen, dem wir ihn verdanken, dem wir daher die erste Garbe in dem Erstlingsopfer huldigend in sein Gesetzesheiligthum brachten. Aber daß Besitz und Genuß nicht der Güter höchste sind, daß die Freiheit, die uns Pesach, daß die Segensfüllc, welche uns die Ernte brachte, ihren wahren, einzigen Werth, ihre volle Bedeutsamkeit erst erhalten, wenn sie sich dem Gesetze Gottes fügen, wenn sie zur Anerkennung des Gottesgesetzes führen, das sprechen wir dadurch aus, daß wir die Tage und Wochen zählen, welche von dem Feste der Freiheit, vom Segen der Ernte, zum Offenbarungstag des Gesetzes führen. Sociale Freiheit, politische Selbstständigkeit und materieller Besitz und Genuß des Bodens, sind somit nicht die Errungenschaften und Güter, auf welche wir zählen. Wir zählen allein auf der Güter höchstes, auf das Gut, das uns Gott selber gereicht, als der Himmel die Erde küßte und Gottes Majestät aus dem Gottesberg sich offenbarte, um uu§ das Gesetz zu reichen, nach welchem wir Freiheit und Besitz verwenden und genießen sollen. Alle menschlichen Gesetze, Verfassungen und Einrichturgen sind für das Volk und Land da, für welches ne bestimmt sind. Bei dem Gottesgesetz ist es umgekehrt. Volk und Land sind nur vorhanden um Gottes Gesetz tu ihnen zur Verwirklichung zu bringen. Die Thora ging der Schöpfung der materiellen Welt voran, er; r'arx erp ""r.z rx r,:~z pvw'2 .'"bbr\ "r-r "pr, reir ~zvz L—- Z'Z'xb bzv' „Er führte sein Volk jubelnd in die Freiheit, mit Jauchzen seine Erwählten, gab ihnen die Länder der Völker und ließ sie die Errungenschaft von Nationen in Besitz nehmen, damit sie seine Ge setze hüten und seine L e b r e n b e w a h r e n, Halleluja!" (Psalm 105. V. 43, 44, 55.) Das batten die jubelnd aus der Freiheit iu das Land ihrer Bestimmung Gezogenen, vergessen. Nicht die Zahl der zum Gesetze führenden Tage war der Gegenstand ihres Zählens, sondern 7-7 -zzz 7r7x die Zahl seiner Städte waren die Götter Judas. Deshalb spie das Land seine Bewohner aus, deshalb trug sie der Boden nicht länger, weil sie eben seine Gesetze nicht hüteten und seine Lehren nicht bewahrten. Das ist der Sinn des Midraschwortes, daß Mizwas Einer es war, wodurch Abraham getvürdigt wurde, das Land 311 besitzen. Das Land als von Gott gewährtes und ihm jederzeit zurückzugebendes Lehen hinzunehmen, das war die Bedingung, an die sein Besitz von vornhinein gekniipst war. Das spricht Mizwas Omer, das Erstlings-Opfer aus, das den: ganzen Lande und seinem Ertage das Gepräge der Golteshörigkeit aufprägt, und daher allein seinen dauernden Besitz dem Abrahanisvolke gewährleistet. Wenn wir daher allabendlich die Tage zählen, die vom ersten Garbenschnitt zum Offenbarungsfeste der Thora führen, so knüpfen wir an diese Zählung nicht die Bitte um Wiederbesitz des Landes, sondern um WiedererrichtttNg des Heiligthums, um dort diesen Dienst Gottes in der vorgeschriebenen Weise vollziehen zu können, das Land ohne diesen Dicttst Gottes würde uns heute so sicher wieder verloren gehen, wie es uns schon früher verloren gegangen war, weil wir Gott nicht freudig dienten, -nn' txn pm- “Z' tippen 7V2 r~r>\ Von diesem Dienste Gottes wollen unsere Zionisten nichts wiffen. Er steht nicht in ihrem Programm, er mag — im günstigsten Falle — wohlwollend geduldet werden, aber es ist nicht der Zweck ihrer Rückkehr in das heilige Land und ihres Weilens darin. Für die Verwirklichung von Thora und Mizwah in der neuen, alten Heimstätte hat die ganze zionistische Propaganda kein Sterbenswörtchen übrig. Wenn die nach Kanaan zurückkehrendcn Zionisten in freier Sicherheit wieder die Sichel an das eigene Getreide legen können, wenn sie die Güter gesichert glauben, die uns Pesach gebracht hat, so ist das Ideal ihrer Wünsche erreicht. Das Gesetz, das uns Schowuos gebracht, zählt bei ihnen nicht, und ihm zählen sie nicht ihre Tage und Wochen entgegen, tote das die ganze Judenheit thut, die auf der Überlieferung der Väter weiterbaut. rwzz b'-,: 'w *e. Wer steht uns höher als Moscheh? Von ihm sollen wir doch wie von keinem anderen die rechte Gesinnung lernen können, die uns für den Besitz des heiligen Landes begeistern soll. Denn auf die mosaische Religion muß er sich doch wie wohl kein anderer sonst verstanden haben. 'Nun denn; warum sehnte sich Moscheh, unser Lehrer, das Land Israels zu betreten? fragt Rabbi Simlai im Talmud, Traetat Sotah 14 a: „Wollte er von seinen Früchten genießen und sich an dessen Vorzüglichkeit sättigend" „Gewiß", würden unsere Zionisten auf diese Frage antworten, „gewiß wollen wir das. Wir wollen unseren armer: Brüdern eine öffentlich gesicherte Heimstätte schassen, und sie sollen die Früchte des heiligen Landes genießen und sich an seiner Vorzüglichkeit sättigen." Das ist ihr höchstes Ziel. Aber wie unvergleichlich höher steht die Gesinnung, die N. Simlai unserem großen Lehrer zuerkennt, wenn er ihn sprechen läßt: "w vru: -"*2 -zrn ntre ics "p xdx ■ ."t bv fsr lu^pn-r '~z ps6 ';x c:rx "1 xbx „So sprach Moscheh: Viele MizwoS wurden Israel geboten, die nur im Lande Israel erfüllt werden können, ich möchte das Land betreten, damit sie alle durch mich erfüllt werden."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.