Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 32 (24.4.1899)
- Date
- 1899-04-24
- Page
- Seite 605 (sequence 3)
- Language
- German
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(Der mit dieser Deduktion verbundene Hintergedanke ist nämlich, wie die weitere Ausführung darthut, der, die Erzväter unseres Volles als jedes Verdienstes baar hinzustellen, ja sogar Schlimmes ihnen anzudichten.s Aber gerade der Vers, der diese Ansicht soon der „freien Gnade"s Lügen strafen würde, wird vom Verfasser falsch übersetzt, er escamotirt geradezu Worte aus dem Vers hinaus. Es heißt nämlich Kap. 15,V.v.np-w^ rtMprm'ro pe»m „Er (Abraham) glaubte dem Ewigen, und dies rechnete er (Gott) ihm zur Tugend an." Da erlaubt sich nun der Verfasser das Sinai-Wort zu fälschen und übersetzt: „Und Abraham glaubte dem Herrn abermals, zur Gerechtigkeit." Wo in aller Welt hat er die Worte „abermals" im Urtext? (Abgesehen hiervon, ist diese Uebersctzung überhaupt sinnlos). Aber es paßt dies dem Herrn Ströter in seinen Kram. Denn aus den Worten „dieses rechnete er ihm zur Tugend an", geht gerade zur Evidenz das Gegentheil seiner Behauptung hervor, daß Gott nämlich die gerechten Verdienste dcs Menschen belohnt. (Die Absicht, mit der Ströter verfährt, geht auch daraus hervor, daß er die Luther'sche Übersetzung, die für seinen Standpunkt doch maßgebend sein müßte, die diesen Vers aber richtig, wortgetreu wiedergibt, ignorirts. Nur des Verdienstes Abrahams halber wurden seine Nachkommen belohnt, das ist unumstößlich wahr. Denn hat Gott den Abraham nicht etwa in 10 Versuchungen geführt, deren das Opfer des Sohnes das größte Zeichen der Hingebung eines Menschen ist? Und wie wollen Sie, wenn Sie mit Herrn Ströter die „freie Gnade" annehmen, die Verse 4 und 5 des 20. Kapitels, 1. B. M. erklären, wo es heißt: „Deine Nachkommen will ich machen, so viel Sterne am Himmel, und will deinen Nachkommen alle diese Länder geben, so daß sich mit deinen Nachkommen segnen werden alle Völker der Erde, weil Abraham meinerStimme gehorsam war undmeine Vorschriften beobachtete, meine Gebote, meine Gesetze und meine Lehre." Ist da nicht ausdrücklich Lohn für Befolgung und werkthätigen Gehorsam zugesichert? Und nun will jemand, diesen klaren Worten entgegen, von einer „freien Gnade" sprechen, [Die der Herr Abraham habe angedeihen lassen^? Wo bliebe da die Gerechtigkeit Gottes, wenn er unfern Wandel in Gesetz und Recht nicht belohnen würde? Allerdings bedürfen wir auch stets der Gnade Gottes, denn, wenn wir auch noch so sehr bestrebt sind, sein Wort, für desien Ausführung er uns Lohn versprochen (siehe 5. B. M., Cap. 4, V. 1, ebendas. Cap. 5, V. 10, Cap. 0, V. 30, Cap. ll, V. 13, 14, 15 nnd tausend andere Stellen) zu befolgen, der Mensch ist durch das ihm anhaftende Irdische zu sehr der Verführung ausgesetzt, er irrt gar häufig, wie es auch Prediger Cap. 7, V. 20 heißt: „Denn kein Mensch auf Erden ist so gerecht, daß er immer nur thue, was gut ist und niemals fehle." So wie nun das Wunder nur da einsetzt, wo des Menschen Kraft nicht ausreicht, so die Gnade Gottes, wo seine (des Menschen) seelische Kraft nicht genügt. Wenn wir uns lediglich auf Gnade verlassen müßten, nun dann dürften wir unser ganzes Leben lang sündigen, und im Alter, oder in schwerer Krankheit, da flehten wir höchstens um Gnade swas übrigens nach den Ansichten Ströter'S gar nicht mal nöthig wärej, das wäre eine schöne Welt! Wie reimt sich nur Belohnung und Bestrafung, die wir im Jenseits zu erwarten haben, wie das jüngste Gericht mit der „unverdienten freien Gnade?" Wahrlich solche Ideen von einer derartig aufzufasienden Gnade sind absurd und nicht in Gottes Wort zu finden, fast möchten wir sie lästerlich nennen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten nnd Eorrefpondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M. Dem Bericht der Verwaltungs-Commission der Israelitischen Volksschule zu Frankfurt a. M., über den Zeitraum vom 1. Januar 1r>96 bis Ende Dezember 1898, entnehmen wir: Wir dürfen mit Genugthuung auf unsere Bestrebungen, auf das Wirken unserer Volksschule zurückblicken, die nunmehr das 18. Jahr ihres Daseins zurückgelegt. Daß die Gründung einer solchen Schule ein dringendes Bedürfniß war, beweist der von Jahr zu Jahr sich steigende Besuch derselben. Die Ueberfüllung aller Klassen hat uns bereits an die Grenze unserer finanziellen Leistungsfähigkeit gebracht. Mit den großen Anforderungen, die an uns herantreten, haben unsere Einnahmen nicht gleichen Schritt gehalten, und es wird uns immer schwerer, die letzteren mit unseren wachsenden Ausgaben in Einklang zu bringen. Herzlichen Dank schulden wir Herrn Direktor Dr. M. Hirsch für die eifrige, selbstlose und aufopfernde Weise, in welcher er die Leitung unserer Anstalt 17 Jahre lang führte. Durch seinen gegen Ende des letzten Jahres infolge von Ueberbürdung mit Arbeit veranlaßten Rücktritt verliert die Schule einen hochherzigen, allen edlen Bestrebungen zugewandten Führer, desien segensreiches Wirken bei uns stets in dankbarster Erinnerung bleiben wird. Es ist uns gelungen in Herrn Benjamin Falk eine neue bewährte Kraft zu finden. Der vortreffliche Ruf, der Herrn Falk nach vierzehnjähriger ersprießlicher Lehrthätigkeit vorangeht, berechtigt uns zu der