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Der Israelit · 1899-04-20 · Heft 31 (20.4.1899) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 31 (20.4.1899)
Date
1899-04-20
Page
– (sequence 19)
Language
German
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597 sonen, die sie uns vorführt, find nach dem Leben gezeichnete sympatifche Gestalten. Von ergreifender und nachhaltiger Wirkung auf Herz und Gemüth des Kindes dürften ganz besonders sein, die Erzählungen: „Großpapa betet," ein „Chanukkafest," „der Boldchenmann."*) Die äußere Ausstattung des Buches ist seinem trefflichen Inhalt entsprechend: Druck und Papier sind tadellos, Einband und die Textillustralionen nebst einem Vollbild (Seder-Abend) äußerst geschmackvoll. Wir wünschen dem Buche die weiteste Verbreitung in jüdischen Kreisen. Cohn-Eschwege. Von anderer Seite wird uns über das gleiche Buch geschrieben: Das „Süddeutsche Verlags-Institut" in Stuttgart versendete dieser Tage einProlpekt zur Bestellung einer jüdischen Jugendschrift„Freitag Abend und andere Erzählungen, von Eugenie Wertheimer", von dessen zwei Illustrations-Proben eine den Sederabend darstellt. Der Züchner Franz Bergen hat entweder noch keinen Sederabend in echt jüdischen Kreisen mitgemacht, oder er will ihn in einer modernen Art gefeiert wissen. Der Hausherr steht während des Seders mit entblößtem Haupte am Tische, aus einem dicken (Bibel ähnlichen) Buche vorlesend, während die übrige Tischgesellschaft ohne Haggada, der Knabe ohne Kopfbedeckung, müssig herumsitzen. Es hat zwar richtig der Hausherr zwei Becher vor sich, aber die Uebrigen dürfen die nein j»n« nicht aus eigenen Bechern trinken, der Tisch ist schon von vornherein mit mehreren Tellern und Bestecken gedeckt und hat das “py eine andere Ordnung rc. Bei der Ansicht dieser Illustration fiel mir unwillkürlich ein Zwiegespräch ein, das ich vor mehreren Jahren mit einem Amerikaner hatte, der dem Emblößen des Hauptes beim Gebete das Wort sprach, weil wir auch im Hause eines jeden Vornehmen die Kopfbedeckung abziehen. Die Lächerlichkeit dieser Begründung bewies ich ihm mit der Frage, ob, wenn das Rockausziehen abendländische Höflichkeitsform wäre, wir auch in derSynagoge den Rock ausziehen müßten? Lächelnd stimmte mir der Amerikaner mit dem Bemerken bei: Von diesem Gesichtspunkte aus habe ich die Sache noch nicht betrachtet. L. (Es dürste der Verlagshandlung ein Leichtes sein, das Gerügte an dem anscheinend sonst guten Buche zu beseitigen. Red.) *) Boldchen nennt man in Rorddeutschland Bonbons für Pesach. Red. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. 4 Deutschland. Berlin, 14. April. Die Lstblingsideen de« Baron Hirsch, einen, wenn auch zunächst verhaltnißmäßig kleinen Theil seiner Glaubensgenossen der Landwirthschaft zuzuführen, scheint nun in Deutschland Anklang zu finden. Außer der israelitischen Erziehungsanstalt in Ahlem bei Hannover, wo seit einigen Jahren mit gutem Erfolge jüdische Gärtner ausgebilvet werden, finden jetzt bei dem Vorstandsmitgliede des „Vereins zur Beförderung der Bodencultur unter den Juden Deutschlands", dem Rittergutsbesitzer Dr. S. Papilsky in Gablenz bei Gassen, Provinz Brandenburg, jüdische landwirthschaftliche Eleven Aufnahme und Gelegenheit, sich nicht nur in der praktischen, sondern auch in der theoretischen Landwirthschast auszubilden. Einige Zöglinge sind bereits ausgenommen, darunter einer, der die genannte jüdische Gärtnerschule in Ahlem absolvirt hat. Dr. Papilsky, der bereits vor neun Jahren in verschiedenen jüdischen Blättern für Gründung von Vereinen zur Ausbildung jüdischer Landwirthe eingetreten ist und im Jahre 1892 mit dem Baron Hirsch darüber eingehend conferirt hatte, beabsichtigt nun, wenn eine Anzahl geeigneter jüdischer jungen Leute sich melden, eine jüdische landwirthschastliche Privatschule zu organisiren. Ferner bat Dr. Papilsky, um weitere Propaganda für die Sache machen zu können, es übernommen, ein Adreßbuch der jüdischen Gutsbesitzer, Gutspächter und Jnspectoren rc. herauszuaeben. (Man vergleiche das Referat unseres Berliner 8.-Correspondenten im heutigen Hauptblatt. München, 16. April. In Ihrem gesch. Bl. wurde bereits geziemend gewürdigt, welchen beispiellosen und unwiderbringlichen Verlust der Heimgang der Frau Baronin Klara v. Hirsch nicht etwa für eine Klasse von Bedrängten, sondern vielmehr für die ganze hilfsbedürftige Menschheit auf dem weiten Erdenrunde bedeutet. Eine solche einzigartige und wohl kaum jemals wiederkehrende Wohlthäterin der Menschheit, ausgezeichnet durch eine königliche Freigebigkeit und durch einen hochfliegenden Edelsinn, für den Schranken des Standes, der Religion, der Nationalität nicht existiren, gleicht nicht dem Lichte, welches Menschenhände entzünden und dessen Glanz nicht über den Kreis räumlich gezogener Grenzen hinausdringt, nein sie gleicht dem Himmelslichte, dieser echt göttlichen Schöpfung, dem heiligen und unvergänglichen Lichte, dessen Strahlen den ganzen Erdball erhellen und durchwärmen. Darum ist es auch nicht etwa allein Aufgabe der jüdischen Journalistik, angesichts eines solch unvergeßlichen, universellen Verlustes der

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