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Der Israelit · 1899-04-20 · Heft 31 (20.4.1899) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 31 (20.4.1899)
Date
1899-04-20
Page
– (sequence 20)
Language
German
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598 Trauer Ausdruck zu geben, sondern die gesammte Presse ohne Unterschied, soweit solche durch gediegene Bildung und durch sittlichen Ernst dazu qualisizirt ist, für Wahrheit und Gerechtigkeit einzutreten, hat die unabweisbare Pflicht, an diesem offenen Grabe nicht achtlos vorbeizugehen. Für die Presse Münchens, welche Stadt von der Hochherzigkeit der Verklärten auch in sürstlicher Weise bedacht wurde, besteht diese Pflicht in erhöhtem Maße. Die hiesigen „Münchner Neuesten Nachrichten" tragen dem Rechnung, indem sie ausführen: „Baronin Klara von Husch-Gereuth, geborene Bischosfsheim ist nach schwerem Leiden in Paris gestorben. Am t. März 1897 errichtete die Verstorbene eine örtliche Wohlthä tigkeitsstiftung mit einem Kapital von Mk- 1,200,000. Hiervon bestimmte sie die Summe von M. 120.000 zur Herstellung und Ausstattung einer Rekonvaleszenren-Austalt. Die Zinsen aus der restirenden Summe von M. 1,«>80,000 sind bestimmt: 1. für Hilfsbedürftige verheiratete und unverheirathete Wöchnerinnen. 2. Für hilfsbedürftige Rekonvaleszenten jeder Art, die sich dauernd in München aufhalten, ohne Unterschied des religiösen Bekenntnisses. Die Pfleglinge sollen nach Entlassung aus einer Anstalt oder aus Privatpflege mit den nöthigen Mitteln zur Erlanguug einer geschäftlichen oder dienstlichen Existenz versehen werden. Die Verwaltung der Stiftung ist dem Magistrat München übertragen. München wird dieser edlen, hochherzigen Wohlthäterin stets ein ehrenvolles, treues Gedächtnis bewahren." In der ebenfalls in München erscheinenden „Allgemeinen Zeitung" ist zu lesen. „Wie bereits telegraphisch gemeldet wurde, ist in Paris am 1. April die durch ihr unermüdliches Wirken im Dienste der Wühltätigkeit bekannte Baronin Klara Hirsch-Gereuth im Alter von 65 Jahren gestorben. Die Dahingeschiedene hat sich durch ihre Bestrebungenen und Erfolge auf humanitärem Gebiete einen Namen gemacht, der weit über das Grab hinaus in allen Ländern und Zonen bestehen wird: Ihr großer unvergeßlicher Wohlthätigkeitssinn — seit dem vor etwa drei Jahren erfolgten Tode ihres Gatten soll sie etwa 2 )0 Millionen Francs für derartige Zwecke verausgabt haben — ist bekanntlich auch München zu Gute gekommen, indem sie an: 1. März 1897 hier eine unter der Verwaltung des Magistrates stehende WohlthätigkeitSstiftung mit einem Kapital von M. 1 200 000 errichtete. Hiervon bestimmte sie die Summe von M. 120 000 für die Rekonvaleseententenanstalt in Planegg, über die seinerzeit an dieser Stelle eingehend berichtet wurde. Dieser Akt der Wohlthätigkeit und großmüthiger Hilfsbereitschaft, sei hiermit bei dem Tode der vortrefflichen Baronin nochmals dankbarst registrirt." Dasselbe Blatt bringt einen weiteren Artikel, lautend: „Am Ostersonntag wurde Baronin Klara von Hirsch- Gereuth, die Wittwe des bekannten Finanzmannes, in Paris zu Grabe getragen. Sie hatte sich alles Gepränge verbeten und sogar ausdrücklich angeordnet, daß keine besonderen Todesanzeigen versandt würden. Der Großrabbiner Zadok Kahn verrichtete im Trauerhause die vorschriftsmäßigen Gebete, und dann wurde die Leiche von den nächsten Verwandten, den Adoptivsöhnen der Verstorbenen, ihrem Bruder, dem Bankier Bischoffsheim, ihren Schwägern Goldschmidt und Montefiore Levy, sowie Freunden des Hauses und Vertreter von Anstalten, denen sie Gutes gespendet hatte, nach der Familiengruft auf dem Montmartre-Friedhof geleitet. Zu diesen Anstalten gehört das Institut Pasteur, zu dessen Neubau die Baronin von Hirsch beigetragen hatte. Sie gab außerdem in den letzten Jahren zuerst 2 Millionen und dann noch 21/o Millionen für zinsenfreie Darlehen an Pariser Arme, welche kein Almosen annehmen mochten, ferner mehrere Millionen zur Unterstützung von Fraueil höherer Stände, die in Armuth gerathcn und erwerbsunfähig geworden sind. Wo iininer große Noth zu lindern oder ein phtlantropisckieö Werk zu fördern war, wandte man sich stets auch an die Baronin von Hirsch und immer fand man diese fürstliche Wohlthätigkeitsspenderin hilfsbereit. Ihr Nachlaß wird jedoch trotz aller Opfer, die sie brachte, immer noch auf •WO Millionen veranschlagt. Ihre Haupterben, zwei Brüder de Forest, denen der Kaiser von Oesterreich unlängst erlaubt hat, mit dem Baronstitel auch den 'Namen von Gereuth zu tragen, den er dem Gatten der Verstorbenen einst verliehen hatte, sollen die natürlichen Kinder ihres relativ jililg verstorbenen Sohnes fein. Es heißt, die Baronin habe Verfügungen getroffen, damit die von ihr gegründeten wohl tätigen Stiitlingen auch nach ihrem Tode materiell ge sichert bleiben: das Denkmal, das sich diese edle Menschenfreundin durch solche Werke gesetzt hat, ist ein schöneres und unvergänglicheres, denn ein solches von Erz und Stein." Oe st er r.- Ungar. Monarchie. Wien, 10. April. Aus dem Leben des diese Woche verstorbenen Erzherzogs Ernst wird erzählt, daß derselbe eine besondere Vorliebe für jüdische Lieder hatte. Er wußte die Melodie sämmtlicher Gebete und Psalmen nach deutscher und jüdisch-polnischer Art zu pfeifen, ebenso alle Kuplets der polnischjüdischen Sänger. Seine Vorliebe für diese Melodien waren so groß, daß man ihm in Wien zumuthete, er habe die jüdischen Melodien zu den Texten des bekannten Volkssängers Ludwig Eröß, genannt der „schöne Dowidl", komponirt. Erzherzog Ernst gab in den 50er Jahren eine Tafel, zu welcher auch ein damals vor Kurzem geadelter jüd. Börsenmillionär geladen war Als dieser den Speisesaal betrat, stimmte die Militärkapelle plötzlich altjüdische Weisen an. Der Millionär stutzte und stand verlegen da, der Erzherzog aber rief ihm lachend zu: „Nur vorwärts, Potentaten werden immer mit ihren Volkshymnen empfangen!" Der verblichene Erzherzog bekundete überhaupt lebhaftes Interesse für jüdisches Wissen. Grotzwardein, 14. April Unsere Gemeinde hat in wenigen Monaten zwei schwere Verluste erlitten. Herr Raphael Kurländer v'D ist vor drei Monaten und vorige Woche Herr Mos es U llmann aus dem Leben geschieden. Beide, große Talmudkenner und Männer der That nach jeder Richtung, haben in unserer Gemeinde eine ersprießliche Thätigkeit entfaltet. Letzterer hat von frühester Jugend dem Talmudstndium obgelegen und hierin es zu großer Versirtheit gebracht. Seine Frömmigkeit und große Bescheidenheit läßt sich nicht in Worten schildern. In gleichem Sinne verstand er seine Kinder zu erziehen, die alle in seine Fußtapfen getreten. Sein Lerchenbegängniß legte Zeugniß davon ab, in welch hoher Achtung er bei sämmtlichen Geme'mdemitgliedern stand. An seinem Grabe wurden mehrere liefergreifende L'-ir-vn gehalten. mfcan

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