Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 31 (20.4.1899)
- Date
- 1899-04-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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WWWWWM 589 ein zur Förderung der Boderrtultur weiter zu fördern sind, soll zunächst durch den Vorstand näher erörtert werden. Mit der Bildung der Ortsgruppen sei bereits eiir Anfang gemacht worden, in München habe Rechtsanwalt Beer, in Hamburg Guftuv Tuch, in Fraukfurt a. M. Herr Wiesloch den Vorsitz des Komitees übernommen. Es stehe zu hoffen, daß der Verein im Stande sein werde, auf dem beschrittenen Wege auch rüstig vorwärts zu kommen. In der Diskussion betont Herr Rosenstrel, daß die Schwierigkeit der Thätigkeit des Vereins noch im Mangel an Menschenmaterial liege. Die Ortsgruppen seien von der größten Bedeutung für die Vereinsarbeit; auch in Posen dürfte der Verein recht bald festen Fuß fassen. Zur Erledigung der eingebrachten Anträge solle ein Arbeitsausschuß errichtet, die Zahl der Berliner Vorstandsmitglieder vergrößert werden. Die gewünschte Enquete solle eine wichtige Grundlage bilden, weil dauernd darüber Zweifel kommen, ob die ausgebildeten Kolonisten auch eitle Zukunft haben. Das Material zur Landwirthschaft solle nur aus den mittleren Schichten genommen werden, wo die jungen Leute bei Stellenlosigkeit auch eventuell eine Unterstützung durch die Familie erfahren könnten. Der Rittergutsbesitzer Dr. Papilsky aus Gablenz bei Gaffen (Lausitz), der bereits vier Lehrlinge zur Ausbildung auf seinem Gute ausgenommen hat, giebt alsdann einen Ueberblick über die Thätigkeit der Lehrlinge, die sich sämmtlich zu bewähren scheinen. Dieselben müssen wie die Knechte bei ihm arbeiten und würden keineswegs, wie besürchtet werde, nur zu Jnspectoren herangebildet Er ist der Ansicht, daß in Ahlem zu viel Werth auf die Blumengärtuerei und zu wenig auf Landwirthschaft und Ackerkultur gelegt werde. Die Neigung zur Landwirthschaft habe bereits weite Kreise ergriffen. Er habe die Ausarbeitung eines Adreßbuchs der jüdischen Gutsbesitzer, die weit zahlreicher seien, als man gewöhnlich annehme, in die Hand genommen und eine größere christliche Verlagsbuchhandlung habe sich bereits um den Verlag des Buches beworben. Auf die an ihn gerichtete Anfrage giebt er noch nähere Auskunft über den Pensionspreis für Lehrlinge, der ein mäßiger ist und schon nach einem Jahre unter Anrechnung der Arbeitsleistung herabgesetzt werden soll. Die Dauer der Lehrzeit lasse sich vorläufig noch nicht bestimmen; er gedenke noch 3 — 4 Lehrlinge bei sich aufzunehmen. Herr Redakteur Klausner betont, daß es nur wenige Unternehmungen innerhalb der Judenheit gebe, die so sympathisch seien wie die Förderung der Bodenkultur, und bittet, sich nicht durch Mißerfolge abschrecken zu laffen. Das lebendige Material sei sicher unter den Juden vorhanden. Die Hinderniffe liegen nur darin, daß die Juden thaisächlich zum überwiegenden Theil eine städtische Bevölkerung seien und deßhalb nicht die hinreichende Neigung zur Landwirthschaft hätten. Es solle nur im Verein der Fehler nicht gemacht werden, der sich vielfach in andern jüdischen Vereinen finde, daß zu viel dekorativ gearbeitet werde. Herr Werner aus Posen macht die Mittheilung, daß in Posen wahrscheinlich bald ein praktischer Anfang in der Förderung der Bodenkultur gemacht werden würde auf Grund eines Legates von 6000 Mark, das in einem sehr interessanten Testament aus dem Jahre 1873 (das auf Antrag Papilsky auch weiteren Kreisen bekannt gegeben werden soll) bereits zur Förderung der Bodencultur ausgesetzt worden sei. Zu dem Ankauf eines circa 30 Morgen großen Gutes in der Umgegend von Posen seien nur 4—5000 Mark erforderlich, der Bebauer würde hierbei bei rationeller Bearbeitung sehr gut seine Rechnung finden können. Man sollte möglichst darauf achten, daß die Accker in unmittelbarer Nähe kleiner Städte liegen, damit die jungen Leute nicht auf ihrem Gute verbauerten. Der Vorsitzende hebt hervor, daß der Verein noch keine Mittel habe, um praktisch mit dem Ankauf von Gütern vorzugehen. In die Sache dürfe jedenfalls nicht, wie es bereits geschehen sei, zu viel Idealismus hineingetragen werden, da sonst so manche von der aussichtsvollen Tendenz des Vereins wieder abgedrängt würden. Auf Antrag zweier Mitglieder soll dem Vorstande unterbreitet werden, zwecks größerer Propaganda für den Verein auch die Tagespresse nutzbar zu machen und zu diesem Zweck Herrn Redakteur Klausner in den Vorstand zu kooptiren. Zu Punkt 3 der Tagesordnung wurde der Rechnungsabschluß pro 1898 gegeben, der bereits die doppelte Einnahme wie im ersten Jahre aufweist; die beantragte Decharge wird ertheilt. Als Vorsitzender des Vereins wurde durch Zuruf Herr Oberamimann Cohn wiedergewählt; gegen die akklamative Wiederwahl der 13 ferneren Vorstandsmitglieder wurde seitens des Herrn Klausner Widerspruch erhoben. In der Einzelwahl wurden die 13 Mitglieder wiedergewählt und dazu noch die Herren Rechtsanwalt Beer— München, Prof. Badt—Breslau, Werner—Posen und Rosenthal—Posen, zu Revisoren der Kasse die Herren Ber und Jacobi. Nachdem noch Herr Klausner den Dank der Mitglieder dem Vorsitzenden für die umsichtsvolle Leitung des V.'reins ausgesprochen, schloß die Versammlung. Rumänien. Bukarest. Wir haben abermals eine Judendebatte in der Kammer gehabt und wenigstens moralisch ist dieselbe zum Nachtheilc des Ministeriums