Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 31 (20.4.1899)
- Date
- 1899-04-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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584 zudem der betreffende Schuldienftexspektant der Religionslehrer der israelitischen Kinder sei, welche die protestanische Schule in der fraglichen Gemeinde besuchen, so sei es als ganz entsprechend zu betrachten, daß er an dieser Schule praktizire. —A.— Wreschen, 16. April. Herr Kaufmann K. Ja ff 6, Mitinhaber der Firma „Gebrüder Jaffö" Hierselbst, siedelt in einigen Tagen nach Posen über. Die Gemeinde, der der Scheidende eine lange Reihe von Jahren angehört und viele Ehrenämter bekleidet hat, verliert ungern Herrn Jaff6 aus ihrer Mitte. Wohlthätigkeitsinstitute und Vereine haben sich stets eines großen Wohlwollens desselben zu erfreuen gehabt. Um nun auch für spätere Zeiten seine Hülfsbereitschaft zu bekunden, hat Herr Jaff6 2000 Mark zur Umfriedung des Begräbnißplatzes für die hiesige Gemeinde bestimmt und außerdem die Zinsen von 1000 Mark für die Kultusbeamten gesichert, mit der Verpflichtung, die üblichen Gebete für das Seelenheil seiner verstorbenen Angehörigen zu verrichten. Ein Bruder des Herrn JaffH, Herr Kaufmann W. Jaffö, jetzt in Posen, der als Magistralsmitglied hier längere Zeit thätig gewesen, hat bei seinem Wegzuge zwei Schenkungen, zu je 2000 Mark für die Stadtkommune und die Israelitische Gemeinde gemacht. Rußland. Petersburg, 12. April. Der Zar hat eine sehr wichtige Entscheidung getroffen, welche den russ. Juden vielleicht einen Weg zur Verbefferung ihrer Lage eröffnen kann. In Elisabethgrad befinden sich zwei Gruppen von jüdischen Familien, welche, da es ihnen sehr schlecht geht, sich an den Zar mit einer Petition wendeten, um die Erlaubniß auszuwirken, eine Ackerbaukolonie einzurichten. Die eine Gruppe besteht aus 70 Familien, die andere aus 40. Vor einigen Tagen wurde nun den Wortführern beider Gruppen von den Behörden eröffnet, daß ihre Bitte der Zar genehmigt und die Verfügung erlassen habe, daß im Gouvernement JekaterinoSlaw eine jüdische Ackerbaukolonie für 160 Familien eingerichtet werden darf. Da die sämmtlichen jüdischen Familien, die dafür in Frage kommen, außerordentlich arm sind, so haben dieselben einen gewissen Liviski als ihren Bevollmächtigten nach Petersburg geschickt, um dort mit oder ohne Hilfe der Jewish Kolonisation Association die nöthigen Mittel aufzutreiben. Holland. Leeuwarden (Holland), 18. April. Zum Nachfolger des verstorbenen Oberrabbiners Tal D wurde mit 21 gegen 26 abgegebenen Stimmen unser Rabbiner, Herr Dr. T. Lewenstein, als Oberrabbiner von Haag gewählt. Die Wahl ist um so ehrenvoller für den Gewählten, als er sowohl an Jahren, wie der Anciennität nach, der jüngste unter den Rabbinern des Landes und die Rabbinatsstelle in Haag eine der angesehensten im Lande ist. Herr Dr. Lewenstein hat seine Ausbildung auf dem Rabbinerseminar zu Berlin genossen. > Personalien. -4- Fritzlar. 17. April. Am 2. Jjar verstarb nach sechsmonatlichem schweren Leiden einer der würdigsten Männer unserer jüd. Gemeinde und einer der geachtetsten Bürger der hies. Stadt. Herr Kaufmann David Stern erreichte ein Alter von 81 Jahren. Durch das Hinscheiden dieses streng-religiösen Mannes hat die Gememde einen herben Verlust erlitten. Der Entschlafene hing mit allen Kräften bis zum letzten Athemzuge an unserer heil. Religion und war. so lange es ihm die Kräfte ermöglichten, stets morgens und abends einer der ersten im nDJDn n’D. Bei jeoem Krankheits- und Sterbewll in der Gemeinde, war der Verblichene zuerst am Platze, stand mit Rath und That helfend zur Seite, wie denn auch ein jeder in der Gemeinde seinen Anordnungen sich fügte. Es war Anfangs der fünfziger Jahre, als mehrere reiche Mitglieder der hies. Geineinde in verblendeter Rachahniungssncht der Reformbestrebungen größerer Gemeinden, sich von der Hauptgemeinde trennten und eine Separatgemeinde der äußersten Reform, die sogenannte Genossenschaft, bildeten. Da fühlte der nunmehr Entschlafene, damals noch als junger Mann, sich berufen, alle seine Kräfte zu entwickeln, um die Abgefallenen für dir Gemeinde wieder zurückzngewinnen. Seine Bemühungen waren denn auch vom schönsten Erfolg begleitet. Die Genossenschaft wnrde nach zweijährigem Bestehen von der damaligen Kurfürstl. Regierung aufgelöst und deren Mitglieder der alten Gemeinde wieder zugewiesen. Der sel. Entschlafene bekleidete länger al- 25 Jahre das Amt eines Vorstehers der isr. Gemeinde, er war Mitbegründer der DHon mTDJ) nun und hat fast 30 Jahre lang, bis zu seinen, Tode, als Vorstand dem Verein seine Kräfte gewidmet. Das Leichenbegängniß fand am Freitag, den 14. April, unter Betheilignng einer großen Menge von Leidtragenden statt. p'iL n’iT DTiy -)X>. L>ein Wirken wird uns unvergeßlich sein. n"3Sin > Vermischtes. < Budapest Der Grundbesitzer Moriz Löwh hat dem Vorstände der hiesigen EultuSgemeinde den Betrag von 100 000 Kronen übergeben, damit er davon acht Stipendien ä 500 Kronen für solche Schüler der Mittelschulen errichte, welche sich in Kenntniß der hebräischen Svrache und der jüdischen Geschichte auSzeichnen. Jeder dieser Prämiirten kann sein Stipendium durch vier Jahre behalten. HsariS. Die Strafkammer in Algier verhandelte gegen Max Regis wegen Beleidigung des Gouverneurs Laferriere. Regis bestritt die Eompetenz, weil das Schwurgericht zuständig sei. Die Strafkammer verwarf den Protest und verurtheilte Regis zu vier Monaten Gefängnis, wogegen Regis Berufung anmeloet. Regis wird in Hast behalten. Easted Der Verein „Ezrath-Benon-Hagalil" hatte eine Einnahme von 13 267 Piastern, gegen eine Ausgabe von 12159 Piaster. Vorn Auslande gingen 2147 Viaster ein. Der Verein verfolgt gute Zwecke und ist der Unterstützung würdig. Gaben können an das Central Komitee der Pekidim und Amarkalim in Amsterdam gerichtet werden.