Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 30 (17.4.1899)
- Date
- 1899-04-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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570 fahre«, hatte Feist seine persönlichen Angelegenheiten fast völlig vergessen. Erst eine Frage seines David brachte ihn wieder zur Besinnung und führte ihn in die Wirklichkeit zurück. Der Direktor des Gymnasiums erledigte die Förmlichkeiten der Aufnahme und bestellte den Kleinen auf Nachmittags drei Uhr zur Aufnahmeprüfung, diese ging denn auch prompt von Statten. David Feist wurde der Untertertia des Gymnasiums zu H. zugetheilt. Am nächsten Tage sollte der Unterricht beginnen. In der Zeit, welche ihm bis zum Abgang des Zuges, der ihn nach Göllheim zurückbringen sollte, noch übrig blieb, besorgte Feist die verschiedenen Bücher und Hefte für seinen Sohn. Dann begab er sich mit ihm zurück auf den Bahnhof. Vergebens wartete er auf Freund Wegner. Er wollte doch mit dem Fünf-Uhr-Zug zurückfahren? Weshalb kam er nicht? Gewiß verhindert ihn eine geschäftliche Abhaltung, beruhigte sich Feist und wandte sich seinem David zu, mit dem er sich nun auf der Rückfahrt — sie saßen ganz allein im Kupee — ungestört beschäftigen konnte. Zu Hause angelangt berichtete er seiner Frau und Tochter von dem glücklichen Verlauf der Prüfung. Ihr David, ihr Stolz und ihre Hoffnung, sollte den Weg ins Leben finden. Später, am Abend erst erzählte Feist seiner Frau von den Vorgängen auf der Hinfahrt nach H., und betonte besonders, was Wegner über Pfarrer Tettenborn erzählt hatte. „Nun, das Schlimmste brauchst Du nicht gleich zu befürchten" suchte Frau Hannchen ihren Gatten zu beruhigen, als er von den Sorgen sprach, die ihm da- Herz beschwerten, „vielleicht haben sie irgend was gleichgültiges miteinander gesprochen!" „Ihr Frauen seid immer kurzsichtig" erwiederte Feist, „warten wir ab!" Seligmann Feist wußte, daß seiner eine schwere Aufgabe harrte. Ohne eitel zu sein, war er sich doch keinen Moment darüber im Zweifel, daß er in ganz Göllheim allein die Fähigkeit besaß, judenfeindlichen Angriffen entgegenzutreten. Der Lehrer war ein blutjunger Mensch, von dem man nichts erwarten durfte. Nein! Auf seinen Schultern würde die ganze Last der Abwehr ruhen. Und er beschloß, tapfer und muthig zu sein. Noch vor dem Einschlafen, als er bereits zu Bette lag, wogten Pläne auf Pläne in ihm auf und ab. Endlich glaubte er, einen bestimmten Zielpunkt festhaltrn zu dürfen. Dann entschlief er. Hätte er geahnt, wie viel Bosheit und Niedertracht auf der gegnerischen Seite in den Kampf gestellt wurde, er hätte Bedenken getragen, sein und der Seinigen Schicksal einem solchen Feinde preiszugeben. (Fortsetzung folgt.) Wochen - Kalender. Donnerstag, 20. April, 10. Jjar, WDn rwyn. Freitag, 21. April, 11. Jjar. Sabbat-Anfang in Mainz und Frankfurt a. M. 7 Uhr 15 Min. Samstag, 22. April, 12. Jjar, 'J p"w D’ttHpl ’TO. Sabbat-Ausgang in Mainz und Frankfurt a. M. 8 Uhr 15 Min. — Berlin 7 Uhr 59 Min. — München 7 Uhr 55 Min. — Hannover 8 Uhr 17 Min. — Stuttgart 8 13 Min. — Prag 7 Uhr 50 Min. — Straßburg 8 Uhr 15 Min. — Posen 7 Uhr 45 Min. | Montag, 24. April, 14. Jjar, W rvjyn. Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montag» und Donnerstags, jebeämal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt gauzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch V. if. § lrinaärer, £ripji0, Irohplah 16. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. - Tirecte Franeozusenduug unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen östcrr., für s Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3784. Telephon 315. Eine Rücksendung der an d»e Redaetion eingesandten «arruscripten findet nicht statt, man bittet deshalb, sich von allen Einsendungen eine Copie znrückznvehalten. Stellenfnchende erhalten auf Wunsch die Inserate« Beilage vier Wochen lang gratis und franco zugesandt. Ine all (Hauprvlatt). Leitender Artikel: Der Dreschgraf als Fechtbruder u. Prophet. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M. Aus Württemberg. Hannover. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Preßburg. Teutschbrod. Rußland: Petersburg. — Feuilleton: „Liebet eure Feinde." (Fortsetzung.) Inhalt -er Beilage: Leitender Artikel: Zur Linderung des Judenelends in Galizien (Schluß). — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Berlin. Berlin. Aus Baden. Schweiz: Zürich. — Mittheilungen aus den jüd. Armenvereinen und für dieselben: Baniberg. -- Vermischtes. Extra-Beilage r Spendenverzeichnisse. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „JSraeltt", Schsttstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hierzu zwei BeUagen