Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 30 (17.4.1899)
- Date
- 1899-04-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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668 der Vermehrung der Zahl der Zöglinge stellten wir Ostern 1898 einen dritten Lehrer an. Die Einweihung der Aula als Beisaal und zugleich Zeichensaal wurde am 28. November 1897 durch Ansprachen und Gesang in Gegenwart zahlreicher Gäste festlich begangen. Bei dieser Gelegenheit wurden der Anstalt werthvolle Geschenke zur Ausschmückung deS Saales, sowie erhebliche Geldspenden überwiesen. Den uns im Jahre 189/ zugegangenen einmaligen Spenden erreichten die Summe von etwa 12,800 M. Im Jahre 1898 sind an einmaligen Spenden etwa 11,309 M. eingegangen. An jährlichen Beiträgen gingen im Jahre 1897 etwa 5900 M. ein und im Jahre 1698 etwa 80UO M. Die günstigen Einnahmen stehen leider ungünstigen Betriebs-Ergebnissen unserer Gärtnerei und der inzwischen als unzweckmäßig wieder aufgegebenen Ladenbetriebes gegenüber. Eine gewisse Einbuße in dem Gärtnereibetriebe entsteht dadurch, daß die Gärtnerei bei uns in den Dienst der Erziehung treten muß, so daß die Thätigkeit der leitenden Gärtner zum Theil zur Anlernung der Lehrlinge verbraucht wird. Daneben wird naturgemäß durch die ungeübten Hände der Zöglinge Manches verdorben. Ein fühlbarer Umschwung in dem Betriebs-Ergebniß der Gärtnerei wird erst eintreten, wenn die zahlreichen jungen Obstbäume einen Ertrag liefern. Das Gleichgewicht in unserem Budget wird einstweilen dadurch hergestellt, oaß die Jewish Colonisation Association für die zur Ausbildung bei uns untergebrachten Zöglinge aus Oesterreich und den ' deutschen Ostseeprovinzen je 800 Mk. jährlich zahlt; damit werden über deren Verpflegungskosten hmaus auch die durch die Ausbildung entstehenden Kosten und Verluste der Gärtnerei für alle anderen Lehrlinge zu einem großen Theile mit gedeckt. Die Jewish Colonisation Affociation gewährte uns ferner zur Consolidirung unserer durch Erweiterung der Anstalt entstandenen Schulden, mit Rücksicht auf die für ihre Rechnung auszubildenden Zöglinge und in Anerkennung der Leistungen unserer Anstalt in der Ausbildung und Disciplinirung derselben, ein Darlehen von 150,000 Mk. zur 1. Hypothek gegen einen Zinsfuß von nur 1 pCt. nevst 1*/» pCt. Amortisation und gab uns damit einen weiteren Beweis ihres großen Wohlwollens für die Anstalt. Von dieser Summe sind 24,000 M. für in Aussicht genommene Erweiterungen des landwirthschaftlichen Betriebes einstweilen zurückgelegt und werden voraussichtlich im Jahre 1899 zur Verwendung kommen. Für das nächste Jahr müffen wir eine neue Erwettexung der Anstalt ins Auge faffen. Das Gefühl, dsßUmr Anstalt, wie die unsrige ein zwingendes Brdürfniß ist, wächst von Tag zu Tag, und von allen Seiten wird die Aufnahme von Zöglingen beansprucht. Daher kommt es, daß die Räume, eben erweitert, schon wieder zu klein geworden. Nach einer oberflächlichen Schätzung sind für diele Neubauten etwa 100,000 Mk. nöthig; woher diese nehmen? Aufs neue erheben wir unsere Bitte um Unterstützung unserer Anstalt; aufs neue rufen wir unseren GlaubenSgenosien zu: Helft uns, die armen israelitischen Knaben anderen Berufen zuzuführen, als dem immer mehr verfallenden Klein- und Haufirhandel. Handwerk, Gärtnerei und Landwirthfchaft sind Berufe, denen die Juden in Deutschland sich mehr als bisher widmen muffen, wenn nicht viele Unbemittelte elend zu Grunde gehen sollen. Und gerade diesen Armen wollen wir in erster Reihe helfen. Oesterr.- Ungar. Monarchie. Pretzburg. Dahier hat sich unter Führung des Herrn Salomon Lichtenfeld ein provisorisches Komitee gebildet, das die Gründung eines Vereins zur Schaffung eines Unterstützungs- und Pensionsfonds für ung. .nim nobo und Religionslehrer bewerkstelligen will. Bereits wurde an sämmtliche Gemeinden ein Aufruf zum Beitritt erlassen. Wir wünschen dem Vorhaben, das vom hiesigen Oberrabbiner Schreiber '"J aufs wärmste empfohlen wird, den besten Erfolg. Deutschbrod, 11. April. Im Walde von Polna wurde am Samstag vor Ostern die verstümmelte Leiche der Näherin Agnes Jruza gefunden. In der Umgebung von Polna verbreitete sich ein Gerücht, das Juden mit der Mordthat in Verbindung brachte. Es machte sich infolge dessen eine bedenkliche Gährung bemerkbar. Es wurden umfaffende Vorkehrungen getroffen, um etwaigen Ausschreitungen vorzubeugen. Als muthmaßlichen Mörder wurde der israelitische Schuhmacher Hülsner verhaftet. Rußland. PeterFHurg. (Das Aufenthaltsrecht der Israeliten Rußlands.) Aus einer jüngst vom Cassaüonshof des Senats erlaffene Entscheidung erhellt, daß die Gesetze, die den Israeliten verbieten weniger als 50 Wersten von der Grenze zu wohnen, sich nur auf die „Gouvernements des Westens und auf Beffarabien" beziehen. Die andern Gouvernements wenngleich auf der Grenze „des Westens" gelegen, sind nicht unter dem Begriff „Gouvernements des Westen" einbegriffen. Es handelt sich um den Antrag beim Caffationshof, der von einer Jüdin, Heffe Jsakson, eingebracht war, die wegen Entwendung von Thee und Einfuhr verbotener Maaren gegen das Urtheil des AppellationshofcS zu St. Petersburg angeklagt war, welches die Austreibung