Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 30 (17.4.1899)
- Date
- 1899-04-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2448981--48079-2498458- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
566 wenn er ein Buch verlästert, daS er nicht einmal zu lesen versteht, so möge er sich nicht mit seinem Germanenthum spreizen, das doch elende und jammervolle Kampfmittel nach der eigenen Behauptung des Herrn Grasen so entschieden verschmäht! Wir sind nunmehr an den prophetischen Theil der Rede angelangt, der aber wirklich so packend ist, daß wir uns nicht versagen können, aus den eigenen Worten des Redners die kräftigsten wörtlich anzuführen. „Ich habe mich mm bemüht, im Vorhergehenden den verderblichen Einfluß zu schildern, den das Jrrdenthui» in geistiger Beziehung ans unser Volk ausübt. Fragen wir uns nun aber, was wird aus den Juden einst werden und waS ist die Ankunft dieses eigenartigen Volkes. Man sagt immer, die Weltgeschichte ist daS Weltgericht, das heißt, das Leben der Völker vollzieht sich nach ganz bestimmten Gesetzen. Tie Nationen tonmen unt> gehen, sie erreichen den Höhepunkt der Macht, lim dann rasch zu sinken und wieder zu verschwinden. A n d e r S d a S I n d e n voll, es bleibt stets dasselbe, seine Geschichte s p o t t e t a l l e r philosophischen Theorien. Israel tft noch immer das auserwählteBolk, mit dem Gott seine eigenen wunbcvöaren W ege geht: er hat die Juden furchtbar gestraft für ihren Ungehorsam, aber er hat sie auch wunderbar erhalten bis auf den heutigen Tag. Die Zeit ist nicht mehr ferne, in welcher der Geist Gottes die Todtengebeine von Israel wieder berühren wird. Im Propheten Hesekiel steht geschrieben.- „So spricht der Herr, Wind komme herzu aus den vier Winden und blase diese Getödteten an, daß sie wieder lebendig werden. Ta kain der Odein in sie und sie wnrden wieder lebendig und richteten sich aus ihre Fuße, und ihrer ward ein groß Heer." Aber bevor der Geist Gottes wehen kann, wird Israel noch gehen müssen durch manches tiefe Thal. Schwere Zeiten, Zeiten der 'Roth und Verfolgung werden über die Juden Hereinbrechen,' die christlichen Staaten werden endlich energisch rebelliren gegen die fremde Tprannen-Wirthfchaft und man wird sie wie ein gehetztes Wild drängen und stoßen von Stadt zu Stadt, von Land zu Land. Da endlich in der höchsten Roth wird das steinerne Herz von Israel brechen. In ihrer Angst werden die Inden wieder beten lernen; sie werden auf ihre Knie niedersinken und Tag und Nacht um Gnade schreien, und dann wird Gott sich endlich wieder erbarmen üver fein unglückliches schwergeprüftes Volk: denn wie dein einzelnen Individuum, so wird auch ganzen Nationen die Gnade öfters angeboten. Im Römerbriefe lesen wir: „Blindheit ist Israel zum Theil tviderfahren: solange bis die Fülle der Heiden eingegangen sei und also das ganze Israel selig werde": fürwahr eine stolze Verheißung, der Rest des unglücklichen Volkes wird also dereinst von Gott begnadigt, trinmvhirend einziehen in die Thore der ewigen Stadt. Wir befinden uns gegenwärtig in den letzten Dingen; alle Zeichen der Zeit deuten hin auf das nahende Ende der Welt. Die Entwickelung der Erde vollzieht sich mit rasender Geschwindigkeit und bald wird allen Völkern der Erde das Evangelium gepredigt werden. Und dann ist die Zeit gekommen, wo Gott Israel wieder sammeln wird in den Vorhöfen von Jerusalem zu einem schöneren und besseren Dasein. In Schaaren werden die Juden von dannen ziehen nach Kanaan in das Land ihrer Väter. „Sie werden weinend kommen und betend, so will ich sie leiten, ich will sie leiten an den Wasserbächen, auf schlichten Wegen, daß sie sich nicht stoßen. Der Israel zerstreut hat, der wird es auch sammeln und wird ihrer hüten, wie ein Hirte fekne'Heerde" (Jer.) Und dann wird das Land Kanaan wieder emporblühen zu neuem Leben, und Jerusalem, das 'langhin Schutt und Trümmer lag, wird wieder erbaut werden mit nie geahnter Pracht. Und in der Dhat, ein herrliches und glänzendes Gemeinwesen wird wieder erstehen tn^sden alten jüdischen Landen. Ich zweifle nicht, daß die Juden ausersehen sind, im tausendjährigen Reich eine gewaltige Mission auf Erden zu verrichten, daß sie bestimmt sind, die geistigen Führer der Welt zu sein; und während sie jetzt ein Volk von Sündern und Uebelthätern sind, werden sie später ein gesegnetes Volk, ein Volk von Heiligen werden: und zum zweiten Male werden vom Berge Zion neue Gnadenströme über die Erde rauschen. Jerusalem wird eine Stätte des Friedens werden, ein Ort, da man gerne wohnt, denn eine Ration von Erlösten nnd^Bernsenen ist dort versammelt zur Ehre GotteS und zum Segen der Welt. „Man wird die Schwerter zu Pflugschaaren und die Spieße zu Sicheln machen: denn Gerechtigkeit und Frieden werden sich küssen und wird sein ewige stille und Sicherheit." — Man wird die Juden Priester des Herrn heißen und Diener unseres Gottes: ihre Aufgabe wird fortan sein, daS Evangelium zu predigen und den Heiden die Botschaft des ewigen Lebens zu bringen. Palästina, das öde und zertretene Land, wird man einen Garten Gottes nennen, „da die Wüste in ein Fruchtgefilde perwandelr und das Fruchtgcfllde dem Wald gleichgeachtet wird, da das Volk wohnen wird in Häusern deS Friedens, in sicheren Wohnungen und in stolzer Ruhe." Zion aber, die trauliche Wohnung des Höchsten, wird die schönste reichste und heiligste unter den Städten der Erde werden. „Die Heiden sollen sehen deine Gerechtigkeit und alle Könige deine Herrlichkeit. O Jerusalem, ich will Wächter auf deine Mauern bestellen, die den ganzen Tag und die ganze Nacht nimmer stille schweigen sollen, und die des Herrn gedenken sollen, ans daß bei euch kein Schweigen sei." (Jef.) Gottes Gnade und Berufung mögen ihn nicht gereuen! „Er hat sein Volk nicht verstoßen, das er sich zuvor versehen hat." Zwar mußte er die Juden strafen wegen ihres blutigen Frevels auf Golgatha. aber mit ewiger Gnade wird er sich ihrer erbarmen. „Ist nicht Ephraim mein treuer Sohn und mein trautes Kind! Denn ich denke noch wohl daran, was ich ihm geredet habe, darum bricht mir mein Herz gegen ihn, daß ich mich sein erbarmen muß, spricht der Herr." .Aus der Inden Fall ist den Heiden das Heil widerfahren. Für uns Ehristen ist jetzt die Gnadenzeit, für uns gilt die Mahnung: „Seid nicht stolz, sondern fürchtet Euch. Hat Gott der natürlichen Zweige nicht verschonet» daß er unser vielleicht auch nicht schölle." Drum, deutsches Volk, mache dich ans, suche den Herrn, solange er noch zu finden ist. „Wendet euch zu mir, spricht der Herr, so werdet ihr selig, aller Welt Ende." Sie sehen also, ineine Herren, welche herrlichen Verheißungen die Juden noch besitzen und welch' großartige Zukunft ihrer wartet: aber gegenwärtig sind sie noch verflucht und verfluchte Leute müssen Unheil anstellen im Staatsleben, das ist nicht anders möglich. Drum deutscher Michel, sei auf deiner Hut, kämpfe wacker iür das bedrohte Deutschlhum und errette dein theueres und heißgeliebtes Vaterland, das gegenwärtig aus taufend Wunden bluter. Land des Rechtes, Land des Lichtes, Land des Schwertes und Gedichtes Land der Adler und der Leuen Land der Freien und Getreuen, Land, du bist dem Tode nah, „Sieh dich uni Germania." ' Wenn der deutsche Michel wirklich schlafen und