Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 30 (17.4.1899)
- Date
- 1899-04-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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— - MWMMv^ > > >AWWÜNUUWWWWM 564 es nicht sein, denn er weiß, wie gesagt, nichts von dem Vorhandensein und dem Redebedürfniß des Herrn Grafen. Wer es aber auch sein mag, er hat eine schwere Verantwortung damit auf sich geladen, wenn er in unserer ernsten Zeit diese Quelle vielseitiger Heiterkeit, welche im Gasthof von Thschierschky zu Klein-Tschirne so urwüchsig sprudelt, wirklich zu verstopfen sucht. „Feige und hinterlistig, wie die Juden sind, vermeiden sie den offenen Kampf; sie verkriechen sich jetzt hinter die Polizei und die Behörden und schicken eine Denunciation nach der anderen an die Staatanwaltschaft. Wir Germanen verschmähen solche jammervollen und elenden Kampfmittel, wir treten unseren Feinden mit offenem Visir und dem blanken Schwert in der Hand entgegen. Zu meinem großen Bedauern haben sich unsere Behörden durch die vielen Zuschriften der jüdischen Denunzianten bewegen lassen, gegen mich vorzugehen, und haben meine Reden in Berlin und in Glogau consiscirt. Ich muß gestehen, daß ich ein solche? Vorgehen nicht für möglich gehalten habe; ich ersehe aber darau-, wie weit das Judenregiment bei uns schon gediehen ist und wie schwer und ernst der Kampf geworden ist, den wir Deutsche gegen die Fremdherrschaft jetzt führen müssen." Unter dem offenen Kampf, den die Juden feige vermeiden, scheint der Redner das Abhallen von Vorträgen im Gasthof von Tschierschky zu verstehen. Diesem zarten Zaunpfahlwink kann das Volk Israel nicht wohl folgen, weil der Gafthof zu Klein-Tschirne für dasselbe zu klein ist, auch wenn man ihn zur Verfügung stellen sollte. Wer die Dinge in der Welt nach der Darstellung beurtheilen wollte, wie sie im Kopfe des Herr Graf Pückler zu spucken scheint, müßte glauben, Polizei und Staatsanwaltschaft seien jüdische Erfindungen ausgeheckt zur Verfolgung der biedern Germanen, von welchen diese staatlichen Behörden daher als elende, jammervolle und zu verschmähende Einrichtungen angesehen werden. Die Juden schicken eine Denunciation nach der andern an die Staatsanwaltschaft! Wirklich? Wenn der Herr Graf diesen Denuncianten ein richtiges Schnippchen schlagen will, so sollte er ihnen nur einmal jede Gelegenheit zum Denunciren nehmen. Dann kann er Staatsanwaltschaft, Polizei und die sie beherrschenden Juden recht gründlich auslachen. Aber so lange er Reden hält, wie die konfiscirten, so wird er unter dem von ihm erträumten Judenregiment zu leiden haben; auch wenn kein Jude von ihm Notiz nimmt. Die Juden sind ja noch nicht die schlimmsten, wie wir ebenfalls aus dem neuesten Pttckler'fchen Erguß erfahren. „Noch schlimmer aber als die Juden sind die sogenannten Judcngenossen. Das sind die jammervollsten Halunken unter den Deutschen, welche überall die Geschäfte der Juden betreiben und um des schnöden Bortheils willen ihr eigenes Volk verrathen." Die diversen. Schmerzen des Herrn Grafen Pückler lassen sich in folgende Rubriken unterbringen. — Erstens hat's ihm die Presse angethan. Alles was daran vom Nebel ist, kommt von den Juden und Judengenossen her. Er redet einer schneidigen, national und christlich gesinnten Presse das Wort, die mit Keulen dazwischen haut, die energisch Front macht gegen das gottvergessene Judenthum u. f. w. Bei der Presse heißen die Dreschflegel des Herrn Grafen Keule. Aber Herr Pückler tröstet sich mit dem Vorhandensein einiger großen deutschen Zeitungen vom Schlage der „Staatsbürger-Zeitung" und wir staunen verblüfft die Genügsamkeit an, die für diesen großen Weltschmerz sich so leicht mit einem solchen Trost zufrieden gibt. Dann kommt'- Theater an die Reihe, auch da ist alles verjudet. Wir wollen ihm auch da einen Trost verrathen, den er ebenfalls aus seinem Leibblatt schöpfen kann. Auf der Rückseite desselben Blattes der Staatsbürger - Z ütung, welche diesen neuesten Nednergruß des Grafen Pückler enthält, findet sich der WoLen-Spielplan für die Berliner Theater vom 28. März bis zum 2. April. Von 18 Theatern, die da aufgeführt worden, sind I? an Charfreitag geschlossen und in dem einen, welches eine Ausnahme macht, wird ein Oratorium, ein Passionsstück von Paroti aufgeführt. Es scheint somit noch gute Weile mit der Verjudung des Theaters zu haben, und wenn Herr Grafen Pückler kein längeres Leben haben sollte, als feine Behauptungen Beine, so erlebt er diese Verjudung nicht mehr. Nach dem Theater folgt die Verjudung der Universitäten. Hier kann Herr Graf Pückler den Trost für sein Weh noch näher finden, als in der ihm so nahe stehenden Zeitung; nämlich in seiner höchsteigenen Persönlichkeit. Derselbe verräth uns hier nämlich, was einem Hörer oder Leser feiner Reden sonst sehr fragwürdig wäre, daß er selber einmal Student war und die Universität besucht hat. Ist das aber wirklich der Fall, dann kann Herr Graf Pückler ganz beruhigt sein. Wenn ein Geist seines Kalibers doch noch stark genug war, sich den Fangarmen und Netzen der verjudeten Wissenschaft zu entziehen und seine teutsche, christliche und keulenhafte Gesinnung sich unverdorben zu erhalten, so ist es mit der Verjudung auch hier nicht weit her. Verdeutsche Michel kann auch deßhalb noch ruhig weiter schlafen, falls sein polternder Genius in Klein-Tschirne keine andere Schmerzen hat. Aber da kommt noch der Talmud und der Schulchan-Aruch, aus welchem einige erlogene, schon Hunderte Male als solche erwiesene Sätze als Schreckbild vorgeführt werden. Wenn der Herr Graf, trotzdem er einmal Student war, einen einzigen Satz im Talmud nicht übersetzen, sondern auch nur lesen kann, so wird es leicht sein ihm den Nachweis zu erbringen, daß er hier schändliche Flunkereien und Verleumdungen verbreitet. Wenn er das aber nicht vermag,