Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 30 (17.4.1899)
- Date
- 1899-04-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XL. Jahrga»-. M »» Israelit. Ein Genlrat-Hrgan für das orthodore Sudenthum. Begründet von Dr. felrmunn in atnins Montag, de« 17. April 5«SS (18V9). 3met Mervlr abonnirt man bei allen Postanstalten für die Monate KZ Mai und Juni KZ auf den „Israelit“. Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-ZeitungSschalter deS Wohnsitzes des Bestellers oder bei dem betreffenden Landbriefträger aufgegeben werden. Ausland entsprechend höher. Die Erprditian des „Israelit". Leiten»«» Artikel. Der pctfdigcaf ul« Fchtdruim um Pciuhet. Im Gasthof von Tschierschky zu Klein-Tsckirne hat der redselige Graf Pückler einen dritten Vortrag gehalten: Das Juden thum! — Der gräfliche Redner verkündet bei dieser Gelegenheit seine Parole. „Meine Parole heißt: „Es wird weiter g eso cht en!" Aber es geschieht dies in so resignirter, und im Vergleich mit den beiden ersten Vorträgen so milder, mürber Weise, daß man über den Sinn dieses Fechtens wohl im Zweifel sein kann. Allerdings fehlt es auch in dieser Philippika nicht an flegelhaften Ausfällen gegen Juden und Judenthum, aber man vermißt dennoch das Dresch-Flegelhafte der früheren Expectorationen. Auch sind die Unwahrheiten, Verdrehungen und Uebertreibungen um so vieles handgreiflicher als bisher, daß sie den Eindruck machen, als habe sich der Redner mit ihrer Producirung selber Gewalt anthun müssen. Um das Maß der Unbegreiflichen dieses Grafen Oriundur aber voll zu machen, schließt das Ganze mit einem Dithyrambus auf das Israel der Zukunft und die ihm zugewiesene völkergeschichtliche Mission, wie sie kein begeisterter Lobredner der Juden glühender zu Wege bringen könnte. Hier entpuppt sich der Graf als Prophet unseren staunenden Blicken, und die Vereinigung dieser wunderlichen Gegensätze mag es wohl rechtfertigen, wenn wir denjenigen, der sie in so Zwerchfall erschütternder Weise in sich vereinigt, einem größeren Publikum vorsühren, als er im Gasthof von Thierschky zu Klein-Dchirne möglich war. „Meine Herren! Meine beiden Reden über das Judenthum haben das ganze Volk Israel in die größte Aufregung versetzt." Wlr möchten das mit aller Bescheidenheit, wie sie uns Juden nach Graf Pückler zukommt, bezweifeln und greifen gleich diese erste Behauptung heraus, um an einem harmlosen Beispiel die Pückler'sche Methode des Generalisirens und UebertrvibenS zu zeigen. Rach Leroi-Boilieu beläuft sich die Gesammtzahl sämmtlicher Juden in allen Ecdtheilen auf 7—8 Millionen. Wir möchten nun ganz entschieden bezweifeln, daß diese Millionen, welche das ganze Volk Israel repräsentirt, auch nur etwas von der Existenz des Grafen Pückler wissen. Aber selbst die verschwindend wenigen, die den Grafen aus seinen Reden kennen, befinden sich in keiner Aufregung, mit welcher der Herr Graf Parade machen kann. Wir z. B. kennen die Reden des Herrn Grafen und haben sie an dieser Stelle etwas niedriger gehängt, aber wenn wir von unseren Lachmuskeln abfehen, durchsuchen wir jede Falte unseres Gemüths vergeblich nach einer Spur von Aufregung. So wird's auch den meisten anderen gegangen sein, denen ein glücklicher Zufall die Bekanntschaft mit diesen Reden vermittelt hat. „Man versucht nun, mich auf alle mögliche Weise zum Schloeigen zu bringen." Wer ist „Man"? Das ganze Volk Israel kann